Freitag, 22. August 2008

Von der Heimat (IV)

So hast Du also Heimaten aufgegeben, und nicht bloss eine? Darunter durchaus auch solche, von denen Du annahmst und sicher warst, sie hielten ein Leben lang? Und Du kannst Dir heute kaum noch vorstellen, dass und wie das damals mit rechten Dingen zugegangen sein soll, Du dort und mit Überzeugung? Wie also kam das? — Es kam durch Entwicklung. Es kam, weil Du Dich entwickelt hast, gewachsen bist, weil Du aufgebrochen bist, Dich frei gemacht hast, weil Du von der Welt, vom Leben, von Leid und Freude erfahren hast, und weil gleichzeitig auch sie sich entwickelt und nicht selten bis zur Unkenntlichkeit verändert haben, manchmal in Jahrzehnten, manchmal über Nacht. Und selbst Deine Erinnerung an sie entwickelt sich, fortwährend, jeden Tag ein Stück. Du bist nicht einmal mehr sicher, ob Du sie vermisst, diese alten Heimaten, ja, ob Du ihren Verlust überhaupt bemerkt hast. — Aber hast Du nicht auch neue gefunden? Grössere, komplexere und umfassendere?

2 Kommentar(e):

christina hat gesagt…

Ohhhh Jaaa - Ja - immer wieder - Ja

amadea hat gesagt…

Das hast du schön geschrieben. Und es stimmt alles.

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