Sonntag, 5. Oktober 2008

Symbole (II)

Warum erlangte im Christentum und dort vornehmlich in den grossen Kirchen ausgerechnet das Kreuz, ein doch furchtbares und abschreckendes Marter- und Todesinstrument, als solches ein von den Römern kultiviertes und explizit gemachtes Symbol des Todes1 also, ein unchristliches noch dazu, den Status eines allgemeinen Erkennungszeichens und Identifikationssymbols? Die Symbole (früh-)christlichen Lebens und Handelns hingegen - Fisch, Kelch, Brot, Lamm, Palmzweig usw. - sind heute gegenüber dem Kreuz weit abgeschlagen. Warum musste das Kreuz an ihre Stelle treten? Und mit ihm sogar figürlich der schmerzlich Gekreuzigte selbst? — Ich sage: ein kluger, psychologischer Trick früher Päpste ...

1 im Gegensatz zu üblichen Symbolen aller anderen grossen Religionen

3 Kommentar(e):

Etosha hat gesagt…

Abgesehen von der gerne genommenen Antwort, es sei doch ein Symbol der Erlösung, weil Christus für unser aller Sündenvergebung sein Leben gegeben hat, liegt das vermutlich daran, dass die Unterdrückung des Individuums, seine Zähmung und Unterwerfung unter Regeln und Gesetze besser funktioniert, wenn es sich dabei hübsch darauf konzentriert, welches Paradies ihn zum Lohn dafür nach dem Leben erwartet. Mit dem Symbol dafür vor Augen ist er vermutlich leichter zum Stillhalten zu bewegen.

grete hat gesagt…

interessante frage, der mit polemik allein nicht beizukommen ist.

es ist ein symbol für jesus christus, spielt also vermutlich nur in den kirchen eine gößere rolle, für die neben gott auch jesus christus bedeutsam ist.

was es bedeutet, dass jesus christus gestorben ist, damit unsere sünden vergeben sind, erklärt sich erst, wenn man sich eine weile mit der thematik auseinander setzt. es ist einer der wesentlichen unterschiede zwischen altem und neuen testament.

es ist ein irrtum, dass es (nur) um den tod jesus christus geht. aber es geht um die auferstehung. das kreuz ist das symbol für tod UND auferstehung. "wir feiern die auferstehung des Herrn" (goethe)

möge doch jeder die symbole benutzen, mit denen er etwas anfangen kann.

T.M. hat gesagt…

Ja, nur eben, die Thematik der Auferstehung ist in jenem ausdrücklich nicht abstrahierten Kreuz mit dem in aller Ausführlichkeit sichtbar gepeinigten Christus daran eben nicht enthalten, nicht sichtbar. In besonders katholischen Gegenden (Bayern, Österreich) wird dieser Jesus sogar üblicherweise sehr lebendig, in natürlichen Farben dargestellt - der ist noch ganz in dieser Welt.

(Gemalte Bilder, Altare, zeigen gelegentlich auch weitere Szenen bis hin zur Auferstehung, z.B. der Isenheimer Altar, auf welchem diese sogar ein eigentliches Thema ist. Diese Darstellungen gehen aber weit über das Symbol des Kreuzes hinaus und haben mit diesem praktisch nichts mehr zu tun.)

Sicher, man kann die Auferstehung verbal zu dem Symbol hinzudefinieren, ihm auch diese Bedeutung geben, selbst und vielleicht gerade wenn man es (wie heute oft) zum schlichten (nackten) Kreuz abstrahiert.

Was dem ungebildeten Auge früherer Jahrhunderte aber sehr wirkungsvoll und unmittelbar ins Auge fiel, war die Schuldprojektion: seht her, dieser ist für Euch gestorben! Ihr potentiellen und realen Sünder steht tief in seiner Schuld. Also ertragt wenigstens Euer bisschen Leben, und zwar in Demut und ohne zu murren.

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