Freitag, 30. Januar 2009

Zweimal lesen.

Eine kluge Idee Schopenhauers war die, ein Buch zweimal zu lesen. Er meinte natürlich seins, im vollen Bewusstsein seiner Komplexität ... Er hatte die Erfahrung tatsächlich selbst gemacht und sie ging bei ihm so weit, dass er jenes quasi ein zweites Mal schrieb, schreiben musste, nur war es dann naturgemäss nicht mehr dasselbe. — Je mehr Bücher man gelesen und in seinem Regal stehen hat und je öfter man darin herumblättert, vielleicht lediglich aus einem Bedürfnis persönlicher Nostalgie heraus, aus Langeweile oder aber auch zu Recherchezwecken, umso merkwürdiger kommt einem vor, was man schon einmal gelesen hat, jedenfalls doch haben muss, irgendwann einmal vor vielen Jahren - vertraut und vielleicht doch nicht, nicht mehr. Die Entfremdung liegt selbstverständlich nicht im Objekt, im Text, denn dies ist ja der gleiche, vielleicht sogar noch derselbe, inzwischen vergilbte, sondern zweifelsfrei im sich entwickelnden, lesenden Subjekt. Man leiste sich darum den Luxus und lese ein Buch zehn oder 20 Jahre später noch einmal. Ein Mittel, sich selbst kennenzulernen. Und es gibt Bücher, die sind gar ein ganzes Leben lang immer wieder "neu".

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