Montag, 22. Juni 2009

Nun, Wandrer, gilt's!

Dem Gedanken folgend, eine Kultur kehre immer ihr Wichtigstes nach aussen, auf dass es jedem Betrachter ohne grossen Aufwand sofort auffällig werde, das, was ihr am meisten am Herzen liegt und womit man sie und sie sich selbst identifiziert, ihr Wertvollstes und Heiligstes, bemerkt man schnell, dies sind momentan ganz offensichtlich jene Wälder aus grossflächigen Werbetafeln, die unsere Strassen säumen, beidseitig, übereinander und so dicht, dass man bequem Lärmschutzwände daraus machen könnte. So fährst1 du durch einen bunten Wald aus plakatierten Belanglosigkeiten, nur unterbrochen durch metergrosse, immergleiche, immerlächelnde Wahlwerbegesichter, dies nicht nur für die Realität, sondern längst auch für normal und selbstverständlich haltend, für wichtig und notwendig2! Dein Horizont reicht bis zur nächsten Werbetafel. An ein Dahinter können sich nur noch die Alten erinnern ... — Heul nicht! So wolltest du's!

1 beispielsweise Jena, die 88 nach Süden hinaus
2 immer wörtlich zu verstehen: "die Not wenden"

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