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Mittwoch, 29. Juli 2009
Keine Wurzel.
So wird es Tag, langsam, aber klarer und klarer. Was du wusstest, was du dachtest, alles wovon du überzeugt warst, dein ganzes Fundament aus anerkannten Wahrheiten stammte und kam aus Quellen ohne Wurzel, solchen, die sich entweder aufeinander oder auf Annahmen bezogen, aus einem Sumpf voller Nebel und Finsternisse, um einmal ein Bild zu gebrauchen. Und zwar dies durchaus nicht in Form eines Naturgesetzes, als unumstössliche Gegebenheit, es war vielfach schlicht Definition, willkürliche Festlegung - die Erde sei eine Scheibe oder oben sei Himmel oder der Markt regele sich selbst oder du musst ein iGerät besitzen - Gesetz und Dogma, Kultur und Sitte, gut und selbstverständlich wurde es erst später, als niemand mehr die Gründe zu erfragen wagte, vor allem angesichts der Zahl der schon längst nicht mehr Fragenden, d.h. der Fortschgeschrittenen und Modernen. So entstehen Wahrheiten. — Nein, in diesem Sinne bessere und also wahrere Wahrheiten wirst du nicht finden. Auch deine neuen Wahrheiten werden keine Wurzel haben, keinen über ein lapidares "das ist halt so" erhabenen Anfang und also auch keine Absolutheit. Aber sie werden genau das auch nicht behaupten.
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