Dienstag, 29. September 2009

Option der Freiheit.

Es ist merkwürdig, man ist heute gewohnt, vielleicht mehr als je zuvor, extern nach Lösungen zu suchen, unter Zuhilfenahme aller möglichen Ressourcen. Mit Kanonen auf Spatzen schiessen ist dabei durchaus die erste Wahl, wenn gerade nichts anderes greifbar ist - ein Merkmal hoher Verfügbarkeit und geringer Kosten. Man macht sich genaugenommen gar keine Gedanken mehr darüber. Man benutzt einfach, was einem zur Verfügung steht, in jeder Phase seines Lebens, als Kind schon, und so verfügt man beispielsweise über Telekommunikationsmittel, Computer, Orientierungs- und Verkehrsmittel, zudem über Dienstleistungen (d.h. über Delegierungsmöglichkeiten). Warum sollte man all das nicht nutzen? Und wenn man auf diesen Wegen nicht vorankommt, wenn niemand sonst etwas weiss, niemand es je versucht hat und niemand da ist, der es für einen erledigt, dann ist man auch schnell bereit, die Aussichtslosigkeit seines Unterfangens zu akzeptieren.

Manch einer verlernt heute systematisch, seinen eigenen Kopf zu gebrauchen, bzw. lernt es überhaupt nie und ist am Ende ganz aus dem Häuschen, wenn ihm solches doch einmal gelingt - ein Regal montieren, ein Rad wechseln, einen richtigen Brief schreiben, ha! Ferner auch, seine persönlichen Risiken zu tragen. Kein Risiko mehr, das nicht durch ein komplexes Gesundheitssystem in Zusammenarbeit mit Versicherungen gemeinschaftlich kalkulier- und tragbar würde! Am Ende dürfen selbst Staat und Militär dafür herhalten, einen aus einer misslichen Lage zu befreien, in die man aufgrund seiner touristischen Interessen in einer Krisenregion geraten war ...

Unter den Bedingungen einer modernen Zivilisation schliesst die errungene Freiheit auch die Möglichkeit mit ein, in Würde Idiot sein zu dürfen — eine existentielle Chance, die ein Einzelindividuum nie hätte. Den Preis zahlt die Gemeinschaft.

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