Gar nichts ist entschieden. Und man darf darüber spekulieren, was die Aufklärung dem Menschen nach über 200 Jahren nun gebracht hat, ob man sie etwa als gescheitert ansehen müsse, ob sie erst noch stattfinde usw. Tatsache ist, und zwar trotzdem nun auch Atheisten öffentlich Präsenz zeigen1, dass der überwiegende Teil der Menschheit seine Antworten nach wie vor aus dem Irrationalen und Fiktiven schöpft2. Antworten zu haben stellt offensichtlich selbst schon einen Wert dar, einen grossen und wichtigen, einen elementaren, ganz gleich, welchen Inhalts diese sind. — Wer darauf nicht bauen kann (und will, und darf), muss sich vor allem darüber klar werden, dass es auf viele Fragen keine rationalen Antworten gibt, dass der suchende Griff nach etwas Festem womöglich selbst im Unendlichen keinen Halt finden wird, geschweige denn in jenem begrenzten Raum, den zu erfassen man üblicherweise in der Lage ist. Der Atheist ist der ohne Antworten, der im Nebel stochernd nur in neuen Fragen antwortet, der genau deshalb dem überwiegenden Teil der Menschheit kindisch, lächerlich und suspekt vorkommt. Und dass er womöglich sein Dilemma noch gar nicht erkannt hat und erkennen will, ist wohl auch für ihn selbst nicht ernsthaft als irgendeine Form der Selbstbestätigung akzeptabel. Atheist sein heisst folglich mit diesem Phänomen der absoluten Boden- und Fundamentlosigkeit umgehen lernen, auch dem der Begrenztheit seines Verstandes, in aller Konsequenz ein einsames Massepünktchen im Geist-Raum sein, schwimmen, wie immer man es nennen will. (Und ja, das ist etwas grundlegend anderes, als sich einfach ein System kurzer, schneller Gegenantworten zurechtzulegen.)
1 eine Folge des Erstarkens des Islams, auch neuerdings vor allem der sog. Evangelikalen sowie einer breiten Hinwendung zur religiösen Beliebigkeit, d.h. zur Esotherik, zur Parapsychologie, zur Astrologie sowie allerlei Mischformen und Abwandlungen
2 ein ausdrücklich kreativer Prozess
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)


































2 Kommentar(e):
Der Atheist hat immerhin eine Antwort: es gibt keinen Gott. Ich als alter Agnostiker, bin "schlechter" dran.
Ja, der Agnostiker hat nicht einmal diese.
Kommentar veröffentlichen