Freitag, 26. März 2010

Keime legen.

Lesen ist immer ein Erkennen, genaugenommen ein Wiedererkennen, noch genauer ein Stimulieren des Wiedererkennens. Man liest immer die Dinge am besten, betreffs derer man irgendwo einen abgelegten, versteckten Gedanken hat, d.h. zu denen man wenigstens einen kleinen Keim in sich trägt, und sei dieser auch erst ein paar Minuten alt. Ansonsten bleibt es unverständlich, unfruchtbar und wahrscheinlich langweilig, als lese man einen Text in vertrauten Buchstaben, aber einer unbekannten Sprache.

4 Kommentar(e):

Alexander hat gesagt…

Für wahr. Vielleicht ist da auch einer der Gründe, weswegen Nietzsche für viele so unverständlich ist.
Für meinen Teil habe ich dieses grundsätzliche Problem so gelöst, dass ich mich einfach beschäftigt habe, womit Nietzsche sich beschäftigt hat.
Dafür muss man sich dann auch z.B. beschäftigen, womit sich Schopenhauer oder andere Philologen beschäftigt haben... bis man eine Ebene erreicht, wo einem ... ein Keim aufgeht^^
Ich habe hier nirgends ein Gästebuch oder so entdecken können, möchte an dieser Stelle jedoch anmerken, dass ich vor einigen Tagen diesen Blog zufällig im Netz gefunden, als ich nach anderen "Hyperboreern" gesucht habe.
Mehr als das hier findet man bedauerlicherweise nicht unter "Wir Hyperboreer" im Netz ... wobei diese ganze Angelegenheit eine umso größere Freude für mich darstellt.
Dein mitreißerisches Schreibtalent, dass du bisweilen offenbarst, wäre Nietzsche wahrlich würdig gewesen.

T.M. hat gesagt…

"mitreisserisch", wie? :)

Aber vielen Dank! Es macht verlegen. - Ja, ein Gästebuch gibt's nicht. Es gibt auch nicht allzu viele Gäste. Aber ein paar immerhin.

Alexander hat gesagt…

Ja, ich finde es wirklich bemerkenswert, mit welcher Konsequenz du hier täglich seit Jahren tiefgründige Gedanken, Anekdoten und der gleichen zum Besten gibst, vorallem da du dir ja bewusst bist, dass sich nicht viele Leser einfinden und man sich denken könnte, dass sich heute niemand mehr mit solchen Fragen beschäftigen möchte.
Aber darin liegt wohl vorallem der Charme begründet.
Ich hab auch viele deiner älteren Beiträge durchforstet und möchte dies betreffend anmerken, dass sich dein Stil verbessert hat, bzw. inzwischen noch ausgereifter daher kommt.

T.M. hat gesagt…

Und ich befürchte jeden Tag, der Stil verkomme mehr und mehr zum leider gar zu alltäglichen, verständlichen, unterhaltsamen, zum Geplauder. Selbst wenn man sich grosse Mühe gibt, ist es halt so eine Sache: Tatsächlich gar keinen Tribut ans Publikum zu machen, d.h. ausschliesslich eigenen Kriterien und Massstäben genügend zu schreiben, nicht auf das Tagesgeschehen zu reagieren, ist fast unmöglich. Auch, sich nicht zu wiederholen, vor allem über einen so langen Zeitraum. - Lesen ist immer eine gute Anregung, sowohl inhaltlich wie auch vom Stil her.

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