Donnerstag, 11. März 2010

Von der Überzeugung.

Überzeugung resultiert immer aus einem Mangel an Wissen, entweder über ihren Gegenstand oder über dessen Gegenteile, Konkurrenten und Alternativen. - Man meint oft, es müsse doch eigentlich andersherum sein, d.h. jemand, der von etwas wirklich überzeugt ist, wisse besonders viel davon, so viel, dass er sich sicher sein könne, und umso mehr, je mehr er für seine Überzeugung eintritt. Oft stecken allerdings ganz andere Phänomene dahinter. Wir lassen uns nur allzu leicht mit einfachen Wahrheiten übertölpeln. — Ein Hinweis auf meine Behauptung steckt beispielsweise darin, dass politische und/oder religiöse Überzeugungen sehr oft in der Jugend entstehen und dann besonders glühend sind. In der Jugend ist ja jeder Kommunist1. Auch Soldaten müssen vor allem jung sein, um ihr Leben mit Überzeugung einsetzen zu können. Später, mit fortgeschrittener Reife, mit gewachsener Erfahrung lassen einstige Überzeugungen ganz wesentlich nach, Zweifel setzen ein. Man sieht auch anderes, d.h. auch Gutes im anderen, auch Schlechtes im eigenen, von dem man bisher überzeugt war. Die Welt ist dann nicht mehr einfach schwarz und weiss.

1 sinngemäss nach Willi Brandt

2 Kommentar(e):

365 Tage hat gesagt…

Ohne schwarz-weiß wird die Welt ein bisschen grau-pixelig, daher die Unterstellung eines Rechtsrucks im Alter. Obwohl das Wort Revolution mir immer noch ein bisschen Gänsehaut macht, weiß ich jetzt, dass sie nichts bringt. ich hab sie ja gesehen, die iranische Revolution, 1979.

T.M. hat gesagt…

Von links aus betrachtet ist alles ein Rechtsruck.

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