Wie kam das Menschlein aller Zeitalter und Kulturen auf die Idee, die Sterne hätten signifikanten Einfluss auf sein Schicksal? Die Sterne, ausgerechnet! Warum nicht der Wind, das Wasser, der Vogelflug?
Die "Sterne", wie wir sie sehen, sind praktisch abstrakt und eigenschaftslos in jeder Hinsicht, kaum an der Grösse zu unterscheiden, nicht nennenswert farbig, weit weg, in jedem Falle von niemandem genauer zu definieren, d.h. sie bieten sich an, sind vor allem aber auch wehrlos hinsichtlich jeder Aufbürdung irgendeiner Bedeutung. Und sie bilden immer ein reichhaltiges, grosses, alles umspannendes Über. Das ist wichtig. — Jetzt kommt ein wichtiger Schritt: Die Überstülpung eines Bildes auf eine Handvoll willkürlich gewählter Sterne, vielleicht aufgrund irgendeiner a priori erkennbaren Ähnlichkeit, die schon Kindern auffällt, d.h. die Benennung eines wiedererkennbaren Sternbildes1 und der Aufbau eines Systems aus Sternbildern. Ein solches führt unweigerlich zunächst zu dem Gedanken der Existenz allgegenwärtiger, überirdischer, nachthimmlischer Präsenzen und zwar solcher mit Eigenschaften. — Es genügt unter dieser Voraussetzung schon ein falscher Schluss von irgendeiner Wirkung auf eine Ursache, eine Folge unzureichender Erkenntnis der irdischen Welt, um aus Präsenzen, d.h. Dingen, die lediglich da sind, Subjekte, d.h. Akteure, zu formen. Die Sterne (immer im Verbund, d.h. in Sternbildern) bekommen dann schnell Verantwortlichkeiten und werden Teil kausaler Ketten, die weit ins Irrationale reichen.
1 Einige Indianer sahen übrigens in jener markanten Konstellation, die wir den Grossen Wagen nennen, vier Elche, die von drei Jägern verfolgt werden. Und der zweite Jäger hat, wenn man genau hinsieht, einen Hund dabei. (Ella E. Clark, Indian Legends of the Pacific Northwest)
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Freitag, 22. Oktober 2010
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1 Kommentar(e):
Ob Schlüsse auf Gestirne und Konstellationen gezogen werden dürfen, kann ich nicht beantworten. Sicher weiß ich nur, dass die Indianer etwas über den Wert von Fantasie und Mystik wissen, und über die Buntheit des Lebens. Das mag ich viel mehr als alle wissenschaftlichen Erkenntnisse dessen, was es angeblich nicht gibt.
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