Montag, 31. Januar 2011

Von der Wahrheit (IV)

Die einfachste Wahrheit ist immer die ungünstigste. Leider ist schon das zu begreifen nicht mehr einfach. Drum gilt auch dem modernen, aufgeklärten Menschlein die schnelle, alternativlose und vor allem massenhafte Wahrheit nach wie vor als eine, der anzuhängen zumindest nicht schlimm sein kann. Lieber eine Wahrheit haben als keine — ersteres galt gegenüber letzterem noch stets als der bessere Standpunkt, als Standpunkt überhaupt. Und wenn es schon notgedrungen eine schwierigere, höhere sein muss, weil sich die nun Überwundene doch als gar zu einfach erwies, dann behält man sich immer noch einen wehmütigen Blick, ein Vielleicht Doch und Möglicherweise, und es gibt Zeiten, in denen die Anerkenntnis einer Wahrheit sogar zurückkippt, Zeiten also, in denen das Einfache wieder akzeptabel und guten Gewissens denkbar wird.

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