Freitag, 15. Juli 2011

Von den Kennzahlen.

Zu unseren neumodischen Gepflogenheiten, den Blick durch eine Filzbrille für ein reales Abbild der Welt zu halten, gehört das Messen einer Staatsverschuldung am jeweiligen Bruttoinlandsprodukt (BIP). Man sieht das derzeit täglich mehrfach und die Journaille wird nicht müde zu betonen, man könne nur so wirklich und ernsthaft usw. Es lässt sich natürlich auch gut darstellen, mit Balkengrafiken und fortschreitender Historisierung.

Aber was ist das BIP für ein Massstab? Was besitzt es für eine Relevanz? Ich behaupte, es ist wesentlich nur eine von vielen Möglichkeiten, die unvorstellbaren Zahlen - es geht ja inzwischen in die Billionen - kleinzurechnen, um sie in Tabellenkalkulationen auf den Achsen von Diagrammen platzieren zu können. Eine tatsächliche Aussage, wie vertrauenswürdig ein Staat sei und wie sicher dort angelegte Gelder, wie schlimm sein Schuldenberg, oder wie lange womöglich dessen Tilgung dauere, ist auch daran überhaupt nicht zu treffen. Das Wort Tilgung existiert gar nicht mehr. Als ob das BIP eines Staates ggf. irgendwie für Gläubiger zur Verfügung stünde, als Pfand oder Gegenwert! Das tut es nicht, es ist ja bereits einmal verkauft. — Es ist Quantifizierung von Illusionen, einmal mehr.

0 Kommentar(e):

Kommentar veröffentlichen