Freitag, 19. August 2011

Ganz anders.

Ich sah letztens bei einem Frühstück im Hotel einen Chinesen, der sich einen Berg Rührei mittig auf seinen Teller lud und diesen mit sehr flüssigem Porridge übergoss, dessen Topf zufällig daneben stand. Damit es nicht ganz so fade schmeckt oder vielleicht auch wegen der Optik setzte er obendrauf ein Häubchen aus Himbeermarmelade. Bereits vor Jahren hatte ich mich einmal in Prag darüber gewundert, dass dort ein Chinese in einem tiefen Teller eine Scheibe dunkles Brot mit Wurst belegte, das mit Milch aufgoss und mit einem Löffel verspeiste. Und man kann selbst Amerikaner dabei erleben, wie sie Obstkuchen mit Haselnusscreme oder Erdnussbutter bestreichen. — Man muss Angehörigen fremder Kulturkreise natürlich ein Recht auf Unkenntnis zubilligen und milde in der Bewertung sein. Der Europäer wird wahrscheinlich in Asien ebensolche Fehltritte begehen und dort verhalten empörtes Kopfschütteln hervorrufen (allein schon, dass er nicht schmatzt und schlürft ...) Interessant ist allerdings, worauf unsere Vorstellung über unser Essen eigentlich beruht. Oder anders ausgedrückt: es könnte offensichtlich alles auch ganz anders sein, der Magen hält's aus, womöglich sogar mit Genuss.

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