Dienstag, 16. August 2011

Von der Einsamkeit (III)

Sofern man einmal ein paar Tage lang wirklich allein und einsam ist - und eine Insel in der finnischen Seenplatte bietet dazu sehr komfortable Möglichkeiten - sofern also wirklich einmal innerhalb eines Radius' von wenigstens 3km kein Mensch nachzuweisen ist, auch kein Geräusch, kein Abgas, kein Müll, keine Fussspur durch die Blaubeeren, meine Blaubeeren usw., bildet sich mit der Zeit ein interessanter Effekt heraus: das "eigene" Territorium erweitert sich. Man empfindet dann tatsächlich bereits das Auftauchen eines Segelbootes am Horizont als "Bedrohung", die es im Auge zu behalten gilt. Was für ein Eindringling kommt da, zweifellos um zu stören, ausgerechnet jetzt? Besser, er fährt gleich wieder ab. Blase ruhig, Wind, damit es ihm einfach wird. — Man darf daraus vielleicht schlussfolgern, wieviel Platz das Menschlein in Urzeiten gewohnterweise beansprucht und auch gehabt hat, und wieviel ihm heute eigentlich fehlt.

5 Kommentar(e):

Rischtani Üznegl hat gesagt…

ach wunderbar
(huch..ihr seid schon wieder da)
ich jetzt dann auch
nee nich da.. weg..
wirklich allein.seins und einsam.mit.sich.eins zur Territoriumserweitereung
de Rucksack steht gepackt und in 3 2 1 Momenten gehts los
(und wehe irgendwer taucht da am Horizont auf)

wogo hat gesagt…

Interessante Beobachtung. Kann es aber vielleicht daran liegen, daß der Autor sich einen anderen, doch auch wieder festen Ort gesucht hat - also dort gerade nicht unterwegs ist, sondern bleiben will; unter sich bleiben will?
Von meinen Wanderungen (!) im lappländischen Gebirge kenne ich die gegenteilige Erfahrung: man geht kilometerweite Umwege, wenn sich nach zwei Tagen Einsamkeit auf der anderen Talseite ein Menschlein zeigt, wegen der Freude einen Anderen zu treffen, wegen der Möglichkeit Hilfe zu suchen oder leisten zu können und auch um wichtige Nachrichten von Brücken oder Furten zu erfahren. Der Unterschied liegt natürlich in der Seßhaftigkeit einerseits und der nomadischen Bewegung andererseits.

T.M. hat gesagt…

Wäre mal interessant zu untersuchen, ob es tatsächlich einen Unterschied in der Hinsicht zwischen Gehen und Sein gibt. Wer geht, hat in dem Moment eigentlich kein "Territorium".

wogo hat gesagt…

Genau. Daher auch der alte Streit zwischen Bauern und dem fahrenden Volk. Die Idee des Territoriums ergibt nur Sinn in der Hinsicht *fremdes* Land, sei es absichtlich oder unabsichtlich, unerlaubt zu betreten.

T.M. hat gesagt…

Eigentlich hab ich ja auch keins. Es ergibt sich halt irgendwie von selbst auf einer Insel, noch dazu wenn man dort allein ist. Sehr merkwürdig.

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