Sonntag, 23. Oktober 2011

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Ein neues Lebensgefühl seit der Jahrtausendwende? — Fatalismus! Die letzte nennenswerte Euphorie in der westlichen Welt, nämlich über das Ende des Kalten Krieges und die weltweite Erstarrtheit, über das europäische Ingangkommen einer bis dahin ungekannten Offenheit, Mobilität, Nachbarschaft und Verbundenheit, über ein neues europäisches Selbstbewusstsein liegt zeitlich bereits eine Dekade zurück. Seitdem gab es keine mehr und der sog. arabische Frühling wird daran wohl zunächst nicht viel ändern.

Seit der Jahrtausendwende, seit 9/11, der Immobilien- und Finanzkrise, der Eurokrise, dem praktisch ergebnislosen Afghanistankrieg, dem Öldesaster im Golf von Mexiko, dem Tsunami in Thailand, Fukushima und dem unverrückbaren Bewusstsein über die globale Erwärmung wird mehr und mehr gewiss: das neue Jahrhundert wird eines sein, in dem die Katastrophen in so schneller Abfolge auftreten, dass tatsächlich niemand mehr agieren, sondern alle nur noch reagieren können, zuerst die Märkte natürlich. Agieren ist ein anachronistisches Konzept, ein inzwischen untaugliches. Und was das Reagieren betrifft, so geht es heute nicht mehr um ein paar Subventionen und Fördergelder, das Vokabular sagt es ganz deutlich: es geht um nichts Geringeres als immer wieder um die Rettung der Welt (oder ein paar lohnender Teile). So etwas wie ein Leben (natürlich nicht das, was wir bisher kannten) ist heute offensichtlich nur noch unter Rettungsschirmen möglich. Dessen muss das Menschlein sich klarwerden, und es wird vielleicht nie mehr anders sein.

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