Die Vielen tragisch? — Ihre Tragik besteht womöglich darin, dass sie heute ihre Weisheit zwar nirgends bewiesen, aber gänzlich alternativlos und aus einem vermeintlichen Selbstverständnis heraus als das Mass aller Dinge definiert haben. Nichts ist erhabener als die breite Masse, der Bürger, der Wähler, der Souverän1, nichts ist unangreifbarer (und nichts ist leichter zu missbrauchen). Ja, das ist tatsächlich tragisch.
1 wie man heute eben üblicherweise ganz offen in Singularitäten spricht, als wäre es ein untrennbares, monolithisches Etwas, ein Eines, es fällt gar niemandem mehr auf
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Dienstag, 30. Juni 2009
Montag, 29. Juni 2009
Beschuldigt.
So handele ich also verantwortungslos, bin politisch desinteressiert, gleichgültig, lethargisch usw. — dummdreiste Vorwürfe und unverhohlene Anschuldigungen, wie man sie von bekennenden Demokraten erhält, vor allem in jenen inzwischen üblicherweise und systematisch hirnlosen Wahlkampfzeiten ... Nennt es meinetwegen, wie ihr wollt, ihr habt die Mikrofone und Kameras für euch, sie gehören ja euch! Dass allerdings ausgerechnet ihr mir ein schlechtes Gewissen1 einreden wollt, ein Grummeln im Bauch, einen inneren Schweinehund, nach all den Jahren, darf ich inzwischen ganz im Stillen mit Genugtuung registrieren. Ich hätte mich wirklich geschämt, wenn es anders gewesen wäre.
1 früher war wenigstens einmal von der "Verachtung des werktätigen Volkes" die Rede
1 früher war wenigstens einmal von der "Verachtung des werktätigen Volkes" die Rede
Sonntag, 28. Juni 2009
Retrospektive (VII)



Die 70er waren farbenfroh und entspannt, glaubt man zeitgenössischen Bildern. Sicher, der Ernst des Lebens war noch ein paar Jahre entfernt ... Aber man war auch man selbst und die Welt gehörte irgendwie noch diesem Selbst, bis man sie später verlor, ohne es richtig zu bemerken, und noch später, viel später, mühsam zurückerobern musste.
Samstag, 27. Juni 2009
Sprüche (174)
Das Kluge seines Denkens und Handelns erkennt man daran, dass man nur weit genug herumreisen muss, um einen zu finden, der genau gegenteilig denkt und handelt, allerdings mit entschieden ebensolcher Klugheit.
Freitag, 26. Juni 2009
Begriffsklärung (XXIX)
Die Religion ist eine mögliche, und zwar eine beruhigende, vergleichsweise bequeme Antwort des Menschleins auf die Tatsache, die Welt aufgrund seines begrenzten Verstandes1 nicht als Ganzes und in alle Tiefe erfassen zu können, möglicherweise auch in dem, was er von ihr überblicken kann, allein zu sein, auch: ein endliches Leben zu haben, d.h. üblicherweise nicht unsterblich zu sein. Nicht mehr und nicht weniger. Der Bedarf nach Religion ist insofern auch ein recht aktueller Gradmesser für die Menge ungelöster, offener Fragen einer Zeit oder anders ausgedrückt: für ihr Lösungspotential.
1 Wahrscheinlich besitzt der Mensch auch ein begrenztes Herz, man kennt bislang nur kein rechtes Mass dafür.
1 Wahrscheinlich besitzt der Mensch auch ein begrenztes Herz, man kennt bislang nur kein rechtes Mass dafür.
Donnerstag, 25. Juni 2009
Von früher.
Früher ... früher, als Gott noch jung war, da war er auch unerfahren und übermütig, und machte viele Fehler: die Saurier, den Neandertaler, die Stechmücken, die Holländer. — Heute ist das zum Glück anders. (Beweise dafür kann jeder leicht selbst finden.)
Mittwoch, 24. Juni 2009
Passfotos (XVII)
Dienstag, 23. Juni 2009
Montag, 22. Juni 2009
Nun, Wandrer, gilt's!
Dem Gedanken folgend, eine Kultur kehre immer ihr Wichtigstes nach aussen, auf dass es jedem Betrachter ohne grossen Aufwand sofort auffällig werde, das, was ihr am meisten am Herzen liegt und womit man sie und sie sich selbst identifiziert, ihr Wertvollstes und Heiligstes, bemerkt man schnell, dies sind momentan ganz offensichtlich jene Wälder aus grossflächigen Werbetafeln, die unsere Strassen säumen, beidseitig, übereinander und so dicht, dass man bequem Lärmschutzwände daraus machen könnte. So fährst1 du durch einen bunten Wald aus plakatierten Belanglosigkeiten, nur unterbrochen durch metergrosse, immergleiche, immerlächelnde Wahlwerbegesichter, dies nicht nur für die Realität, sondern längst auch für normal und selbstverständlich haltend, für wichtig und notwendig2! Dein Horizont reicht bis zur nächsten Werbetafel. An ein Dahinter können sich nur noch die Alten erinnern ... — Heul nicht! So wolltest du's!
1 beispielsweise Jena, die 88 nach Süden hinaus
2 immer wörtlich zu verstehen: "die Not wenden"
1 beispielsweise Jena, die 88 nach Süden hinaus
2 immer wörtlich zu verstehen: "die Not wenden"
Freitag, 19. Juni 2009
Zu Unrecht verdächtigt.
Da behauptet man Kollegen gegenüber leichtfertig (und undankbar!), das einzige Programm der grossen Firma aus Redmond, das wirklich jemals funktioniert habe, sei Notepad — und man erhält auf der Stelle erbitterten, auf dessen Funktionieren bezogenen Widerspruch ...
Donnerstag, 18. Juni 2009
Unter Wanderern.
"Kein Pfad mehr" Abgrund rings und Todtenstille!" -Glaubst du, einen Moment lang und ein furchtsames Gemüt erschrickt jetzt sogar für's Leben. Vielleicht verlierst du dich aber eben auch — an dich selbst. Und war das je eine Gefahr? War das nicht immer noch ein halbwegs sicherer Hafen, der einzige vielleicht? Man muss wahrscheinlich ein wenig üben, sich derart vom ausgetretenen Pfade mit seinen abgegrasten Rändern zu verlieren, ein implizites Sträuben überwinden, stolpern lernen, besser gesagt: den Fuss sicher auf unebenes Gelände setzen, Langsamkeit lernen, Steigung und Gefälle, womöglich sogar erst wieder Sehen und Hören1. Aber dort, etwas abseits, wachsen immer die schönsten Blumen. — So wolltest du's!
So wolltest du's! Vom Pfade wich dein Wille!
Nun, Wandrer, gilt's! Nun blicke kalt und klar!
Verloren bist du, glaubst du — an Gefahr.
(Friedrich Nietzsche, Die Fröhliche Wissenschaft, §27 "Der Wandrer")
1 zu viel "Mäh!" ist auf Dauer gar nicht gut für die Ohren
Mittwoch, 17. Juni 2009
Überteuert.
Wenn man auf dem Markt in zwei verschiedenen, gar nicht weit entfernten Läden zwei Exemplare ein und desselben Produkts entdeckt, es in einem Laden allerdings nicht weniger als das Doppelte kostet - muss einen das nicht allerhöchst stutzig machen und zu der Vermutung bringen, Preise seien eigentlich nichts weiter mehr als — Phantasiegebilde?
Dienstag, 16. Juni 2009
Verschiedene Wirklichkeiten.
Wenn man meint und sogar davon überzeugt ist, von anderen falsch beurteilt worden zu sein - wie gelangten diese also zu ihrer Ansicht? — Indem man nach aussen so gewirkt hat. Nach innen hat man eine Ansicht, eine Insicht, die, wie sehr sie auch immer mit den eigentlichen Tatsachen übereinstimmt, in jedem Falle eine andere, eine subjektive ist. Zusätzlich dazu besitzt man noch seine Erinnerung über sich selbst, d.h. eine Vorstellung nicht nur darüber wie man ist, sondern auch wie man war und wie man wurde, über Jahrzehnte zurück, was selbst bei Menschen, die einen gut kennen, viel geringer ausgeprägt ist, sowie womöglich noch ein Wunschdenken, d.h. wie man sein will. Man hat im Innern tatsächlich eine andere Wirklichkeit als nach aussen hin und den Grad der Übereinstimmung nennt man wohl Authentizität. Jene falsche Beurteilung ist meist eine unvollständige und man hat vielleicht nicht verstanden, den Rest und vielleicht das Wesentliche nach aussen wirksam werden zu lassen.
Montag, 15. Juni 2009
Sprüche (173)
Du sollst dir Mühe geben, was immer du auch tust.
(Ja, man muss unweigerlich kichern darüber, dass man dies explizit erwähnen kann und muss, oder heulen.)
(Ja, man muss unweigerlich kichern darüber, dass man dies explizit erwähnen kann und muss, oder heulen.)
Sonntag, 14. Juni 2009
Am Rande.
Die bunt flackernden Seitenleisten, meine lieben Online-"Journalisten", auf Euren Online-Portalen1 sind genauggenommen das, wo auf Autobahnen defekte oder verunfallte Autos stehenbleiben müssen, fahruntüchtige, d.h. ihrer eigentlichen Funktion beraubte Sonder- und Problemfälle, und zwar aus Sicherheitsgründen, um andere Fahrzeuge sowie sich selbst nicht zu gefährden. In einigen Ländern muss man orangene Warnwesten tragen, befindet man sich auf dem Standstreifen. Später werden solche Unfahrzeuge dann von dort abgeschleppt, nachdem sich ggf. sogar die Polizei darum kümmern musste. — Und in der Online-Welt sollte dies anders sein?
1 Stichwort "Datenautobahn"
1 Stichwort "Datenautobahn"
Samstag, 13. Juni 2009
Von der rechten Stimmung.
Die Stimmung ist ein scheues Reh. Wer es nicht kennt, lacht darüber (im Falles des Wohlwollens). Für einen Künstler aber (und letztendlich für jeden Kreativen) ist die Stimmung lebenswichtig, eine Bedingung zur Öffnung seines Geistes. Man darf die Frage stellen, wieviele Gedanken nie ans Tageslicht gekommen sind, nur weil dazu nie die rechte Stimmung und Situation und Ruhe vorhanden war, statt dessen ein Rasenmäher zu viel, eine Wolke (!) zu viel, ein Bienchen zu wenig. — Also was wunderst Du Dich, dass heute wieder nichts zustande kam? Hast Du nicht tausend Mal schon (und davon hundert Mal erfolgreich) geduldig auf den nächsten Tag gewartet?
Freitag, 12. Juni 2009
Aus sich selbst heraus.
Aber sieh, enthüllt ist mein Antlitz,Nein, kein unseliger Entschluss, nichts Schlimmes, nichts Böses, insbesondere: keine Sünde - es lohnt sich, das zu begreifen - solange man authentisch man selbst und bei sich selbst ist und bleibt. — Wie auch?
am rechten Orte weilet mein Herz,
[...]
Denn Ra bin ich und vermag mich selber zu schützen.
Wahrlich kein unseliger Entschluss kann mich befallen ...
(Das Ägyptische Totenbuch, Kapitel 32 "Beschwörungsformel um die krokodilköpfigen Dämonen zurückzudrängen")
Donnerstag, 11. Juni 2009
Ansichtssache.
Und warum also könnte einer nicht zu sich selbst stehen, zu seinem Ich, seinem Einzigen und Wertvollsten, obwohl es doch natürlich wäre und quasi angeboren? — Weil dieses Ich immer der aufmerksamste, strengste, hartnäckigste, zäheste, bohrendste, mit anderen Worten also der treueste Gegner ist, der überhaupt denkbar ist, sofern er es eben nicht zum Freunde gewonnen hat und statt als Ich eher als Du begreift und missversteht, als Jemand (und noch jemand Unbedeutendes ...) Das Ich kennt einen schon, noch bevor man sich selbst kennt.
Mittwoch, 10. Juni 2009
Begriffsklärung (XXIIX)
Gewöhnung ist mangelndes Differenzieren (-wollen oder -können) zwischen Werten in der Zeit, d.h. solchen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, letztendlich auch eine bemerkenswert unbegründete Leugnung des Werdens zugunsten vermeintlichen Seins. — Als ob man auch nur irgendetwas länger als einen Augenblick festhalten könnte.
Dienstag, 9. Juni 2009
Kopfstand als lifestyle.
Das Menschlein ist ein Wurm. Es kam tatsächlich auf die Idee, sein Lebensgefühl zu designen, anstatt ein solches aus seiner Lebenssituation heraus abzuleiten. Und dann wundert es sich noch darüber, dass ihm ob des fortwährenden Kopfstandes (es sagt selbstironischerweise Wohlstand dazu) der Kopf weh tut ...
Montag, 8. Juni 2009
Sprüche (172)
Du sollst nichts für selbstverständlich halten, nicht einmal und gerade nicht dich selbst.
Sonntag, 7. Juni 2009
Von der Lurchwerdung als historischer Vorgang.
Damals, als der erste kluge Fisch auf den Gedanken kam, seinen Kopf aus dem Wasser zu heben und die Luft zu schmecken, die wärmende Sonne wahrzunehmen, den blauen Himmel zu schauen und hinter dem Strand die schneebedeckten Gebirge, schon bald auch sich Beine zu beschaffen und damit höchst konspirativ (wahrscheinlich im Verborgenen) am Strand herumzuexperimentieren, zu staken, zu laufen, zu hüpfen, darin Übung und Geschick zu erlangen, es als etwas ganz Normales zu begreifen und am Ende damit weiter und höher zu kommen als je ein Fisch vor ihm gekommen war — musste er da nicht zwangsläufig von den übrigen Fischen und sogar den Quallen und Krebsen als Spinner, Snob, Irrer, Verräter und letztendlich auch als Nicht-Fisch angesehen werden?
Samstag, 6. Juni 2009
Protest!
Es gibt Situationen im Leben - und man erkennt sie früh - bei denen es nichts als anständig ist, seinen Protest eben nicht nur innerlich mit sich herumzutragen, auf dass er dort wüte und seinen üblen Gärgeruch verbreite, sondern ihn auch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln seiner Um- und Mitwelt begreiflich zu machen, damit auch diese etwas davon hat. (Burg Stolpen, 1977, man beachte die Bügelfalte in der guten Sonntagshose)
Freitag, 5. Juni 2009
Sprüche (171)
Tue dein Gutes heimlich — genau wie dein Böses.
(Ja, heimlich! Konsequent heimlich, denn du tust ja auch dein Böses längst nicht in aller Öffentlichkeit. Man übersieht und vergisst oft, dass der Satz "Tue Gutes und sprich darüber." eigentlich ein ganz anders gemeinter, nämlich ein ironischer, einer mit Augenzwinkern ist.)
(Ja, heimlich! Konsequent heimlich, denn du tust ja auch dein Böses längst nicht in aller Öffentlichkeit. Man übersieht und vergisst oft, dass der Satz "Tue Gutes und sprich darüber." eigentlich ein ganz anders gemeinter, nämlich ein ironischer, einer mit Augenzwinkern ist.)
Donnerstag, 4. Juni 2009
Kleinlaut.
Ja, seid nur plötzlich wundersam kleinlaut, geheuchelt bescheiden, flüsternd, es steht euch gut. Dass ich euch Experten vorausgesagt habe, dass ihr am Ende draufzahlen werdet - an mich draufzahlen! - und zwar nach den Regeln die ihr selbst gemacht habt, hat euch nicht interessiert. Ihr habt es drohend, dummdreist und in schlechtem Bürokratendeutsch in den Wind geschlagen, nicht ohne Hohn, ich erinnere mich noch gut. Nun also. — Nein, keine Entschuldigung, bitte, nicht auch noch Oben und Unten verdrehen ...
Mittwoch, 3. Juni 2009
Zwei verschiedene Arten, nicht tot zu sein.
Was haben wir Wesentliches unseren modernen1, zeitgemässen Versicherungssystemen geopfert, derart dass es uns fortan schmerzlich fehle? — Die Gefahr, den Abgrund! So meinen wir heute allen ernstes, wir seien unsterblich, wo wir lediglich ein wenig untot sind.
1 ausnahmslos auf dem kollektiven Solidarprinzip basierend, d.h. der Herde und der Verherdung des Einzelnen (letzteres nicht etwa eine Multiplikation, sondern eine Division)
1 ausnahmslos auf dem kollektiven Solidarprinzip basierend, d.h. der Herde und der Verherdung des Einzelnen (letzteres nicht etwa eine Multiplikation, sondern eine Division)
Dienstag, 2. Juni 2009
Du wirst es mit ihnen machen wie im Feuerofen [...]
Nüchtern, beiläufig und mit Verlaub bemerkt, die Psalmen1 König Davids, es ist mir inzwischen mehrfach aufgefallen, sind an vielen Stellen nichts anderes als das bemerkenswert erbärmliche Gejammer eines zitternden, kleinen Mannes, dem unter all seiner Gottesfurcht jedes natürliche Selbstvertrauen abhanden gekommen ist, ferner auch Ängste, Flüche, Geifer und sogar echte Hassprojektionen einer offensichtlich neurotischen Persönlichkeit. — Und dieser König besiegte einst einen Riesen!
1 Ps 11, 12, 14, 18, 21, 27, 34, 35, 36, 37, 38
1 Ps 11, 12, 14, 18, 21, 27, 34, 35, 36, 37, 38
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