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Freitag, 31. Juli 2009
Begriffsklärung (32)
Der sog. lifestyle ist etwas ganz Merkwürdiges. Was bleibt von ihm übrig, denkt man seine Symbole einmal fort? Die pink-bunten, antitranspiranten Radfahr-, nein, Bikertrikots, die weissen Kopfhörerkabel, die SUVs auf den Strassen, all die überflüssigen Einträge in virtuellen Gesichtsbüchern und Teilnahmen an Plapperforen ... Dem Dünkel fehlte augenblicklich aller Halt. Was wäre man noch ohne seinen lifestyle? Man wäre doch quasi — nackt!
Donnerstag, 30. Juli 2009
Mittwoch, 29. Juli 2009
Keine Wurzel.
So wird es Tag, langsam, aber klarer und klarer. Was du wusstest, was du dachtest, alles wovon du überzeugt warst, dein ganzes Fundament aus anerkannten Wahrheiten stammte und kam aus Quellen ohne Wurzel, solchen, die sich entweder aufeinander oder auf Annahmen bezogen, aus einem Sumpf voller Nebel und Finsternisse, um einmal ein Bild zu gebrauchen. Und zwar dies durchaus nicht in Form eines Naturgesetzes, als unumstössliche Gegebenheit, es war vielfach schlicht Definition, willkürliche Festlegung - die Erde sei eine Scheibe oder oben sei Himmel oder der Markt regele sich selbst oder du musst ein iGerät besitzen - Gesetz und Dogma, Kultur und Sitte, gut und selbstverständlich wurde es erst später, als niemand mehr die Gründe zu erfragen wagte, vor allem angesichts der Zahl der schon längst nicht mehr Fragenden, d.h. der Fortschgeschrittenen und Modernen. So entstehen Wahrheiten. — Nein, in diesem Sinne bessere und also wahrere Wahrheiten wirst du nicht finden. Auch deine neuen Wahrheiten werden keine Wurzel haben, keinen über ein lapidares "das ist halt so" erhabenen Anfang und also auch keine Absolutheit. Aber sie werden genau das auch nicht behaupten.
Dienstag, 28. Juli 2009
Heimkehr.
So weit ist es also gekommen: am Ende schätzt du jetzt noch das Schwierigere, Längerdauernde, Aufwendigere, Kantigere mit seinen merkwürdigen Eigenheiten und Schrulligkeiten und zwar gerade deswegen, konsequent, einfach weil es anders ist, weil andere an dieser oder jenen Stelle anders gedacht haben, mit anderen Prioritäten und Präferenzen, mit anderer, aber nicht abzusprechender Logik, mit anderem Horizont - mit Geist und Eleganz! Das ist, sei versichert, nichts weniger als eine kleine Heimkehr in die Welt, in dein zu Hause, vielleicht über grosse Um- und Holzwege. — Die Einfalt ist eine ganz besonders kluge Erfindung des klugen Tieres. Vielleicht diejenige, mit der es sich endgültig über die Natur, über das naturgegebene Prinzip der Vielfalt erhob, als es eines Tages beschloss, kein Tier mehr sein zu wollen.
Montag, 27. Juli 2009
Hingehören, intuitiv.
T: "Schau, der Stein, er besteht aus drei verschiedenen Materialien. Er hat eine lustige Maserung. Ich schenk ihn dir."
S: "Nein, lass ihn liegen. Hier gehört er her."
T: "Ja, hier gehört er her."
S: "Nein, lass ihn liegen. Hier gehört er her."
T: "Ja, hier gehört er her."
Sonntag, 26. Juli 2009
Passfotos (XIX)

Tierbergsattel (2654m), das hinterste Ende des Simmentales, Berner Oberland, heute mittag. Rechts der Sattel aus einiger Entfernung von Westen aus gesehen.
Samstag, 25. Juli 2009
Vorhaben.
Ein touristisch hochinteressantes Projekt muss es sein, den Grand Canyon an einer günstigen Stelle zu durchqueren, auf einer Seite hinab, auf der anderen wieder hinauf, vielleicht mit einer Nacht auf der Talsohle zur Wiederherstellung verbrauchter Kräfte. Eine Bergbesteigung negativer Art. — Notieren für später.
Freitag, 24. Juli 2009
Gier und Glück.
Gesetzt den Fall, dass tatsächlich die Gier die eigentliche Triebkraft unserer Zivilisation ist, der Motor, der alles bewegt - die Gier nach materiellem Reichtum und die Gier nach Macht - worin besteht eigentlich ihr Wesen? Und warum ist die Gier offensichtlich nicht zu tilgen, selbst bei immer höherer Produktivität und immer höherem gesellschaftlichen Einkommen? — Das Wesen der Gier besteht in einem tiefen Missverständnis der Synoymität von Bedarf und Befriedigung. Man kann etwa durch Enthaltsamkeit beide klein halten oder durch Masslosigkeit und Ausschweifung beide unermesslich werden lassen. Gier ist der Irrtum darüber, das Eine würde das Andere aufheben und kompensieren und so ein kleines Glück erzeugen. Als ob sich am Ende Glück produzieren liesse!
Donnerstag, 23. Juli 2009
Sprüche (178)
Die Schweizer Post verkauft nun tatsächlich u.a. Dreiräder für Kinder, einen Grill inkl. Grillbesteck, Bettwäsche und vieles mehr. — Marktwirtschaft Lektion 2: "Verkaufe einfach irgendetwas!" Und, nein, das Wort "absurd" existiert auf dem Markt nicht.
Mittwoch, 22. Juli 2009
Sprüche (177)
Es ist aber auch arg schade, dass Seifenblasen keine eigentliche Funktion besitzen, so sehr man auch über eine solche nachsinnen mag. Sie wären schlichtweg das ideale Produkt, der Prototyp eines Markterzeugnisses. — Marktwirtschaft Lektion 1: "Schaffe Seifenblasen!"
Dienstag, 21. Juli 2009
Junge Weltverbesserer.
Ich staune immer wieder, in Lebensläufen stöbernd, in welchem Alter sich manche, die es - noch immer jung - schon zu "etwas" gebracht haben, in Karrieremaschinen und Hierarchien, auf Förderbänder und Hebebühnen begeben haben, konkret in politische Parteien und Organisationen, um mir von dort aus vor allem die Notwendigkeiten der Welt zu erklären, mit 18, mit 16! Und ganz ohne Zweifel! — Man tut dies aus lediglich zwei Gründen: entweder aus Naivität oder aus Machtgier. Und beides ist mir suspekt.
Montag, 20. Juli 2009
Passfotos (XIIX)
Sonntag, 19. Juli 2009
Über das Wort.
Zu Tieren spricht man unwillkürlich immer etwas leiser als zu Menschen. Sie verstehen einen auch so und selbst ganz ohne Worte noch bestens. — Man darf die Frage stellen, ob das Wort, jenes klügsten Tieres klügste Erfindung, akustisches Symbol eines Begriffs, einer Vorstellung, die selbst in vielen Fällen sowohl beim Sprechen wie beim Hören gerade erst noch im Entstehen, im Wandel oder im Verfall ist, und als solches eigentlich nur ein Notbehelf ... nicht notwendigerweise die Quelle vieler Missverständnisse, ja, selbst ein Missverständnis sein muss. Am Anfang war also das Wort. Am Anfang war das Missverständnis.
Freitag, 17. Juli 2009
Am Morgen (II)
Was verzagst du, ächzend, fluchend, nur weil über Nacht ein Fels auf deinen Weg gefallen ist, den du gestern nicht kommen sahst? Dein Weg! - was für ein erbärmliches Konstrukt deiner Einbildungskraft, ein Unding! - kein Weg! kein Geradeaus! - das war bereits deine Erkenntnis und dein Wille, lange schon und aus Schmerzen geboren, keine Sicherheit, keine Errungenschaft, kein Glauben und kein Ausruhen. Dein Weg! — Lacht da nicht schon jemand über dich?
Donnerstag, 16. Juli 2009
Begriffsklärung (31)
Man nennt es im Deutschen ein Raubtier, unzutreffend einen moralischen Vorwurf implizierend, d.h. etwas Böses, im Spanischen sogar explizit la fiera1, meint damit aber auch einen notwendig Klügeren und deshalb sogar Überlegenen. Hat etwa je einer ein dummes Raubtier gesehen, das damit erfolgreich war? — Aber Kluges war bislang noch zu allen Zeiten böse ...
1 grausam, grimmig, scheusslich, wild
1 grausam, grimmig, scheusslich, wild
Mittwoch, 15. Juli 2009
Über zwei Aspekte der Macht.
Man darf als Grobian, Egoist, Lügner und/oder Gutmensch zur Durchsetzung seiner Interessen vor allem auf eins bauen: den Ekel der Betroffenen, die meist auch die Kosten tragen, davor, sich ihr Recht, ihre Würde, ihre Logik fortwährend neu erkämpfen zu müssen. Dazu bedarf es lediglich eines gewissen Masses an Unverschämtheit, das einen kritischen Wert am besten dauerhaft übersteigt. Danach geht es beinahe von allein, man ist in der Politik angekommen. Und andere Autoritäten gibt es zum Glück nicht. — Man muss zweitens allzu ehrliches Eingestehen eigener Inkompetenz hinreichend gering halten, was einen gewissen Lern- und Selbstformungsprozess voraussetzt. Beides steht zueinander aber in keiner Beziehung und lässt sich üblicherweise gut miteinander vereinbaren.
Dienstag, 14. Juli 2009
Massvoll.
Jemand ruft "Nehmt mit, so viel ihr könnt." und die Leute nehmen tatsächlich vom Gabentisch, so viel sie können, er und sie, weil andere auch nehmen - es kostet nichts, beide Hände voll, bis sie schon sichtlich gebeugt nicht mehr alles tragen können, und sie kommen sogar noch ein zweites Mal, nachdem die erste Ladung schon im Kofferraum liegt ... — Ich nehme ein kleines Steinchen mit einer schönen Maserung, zur Erinnerung an einen schönen Tag.
Montag, 13. Juli 2009
Rund herum.
Das Bild zeigt den Rhein kurz unterhalb des Rheinfalls bei Schaffhausen, und man erkennt immer sofort, welche die deutsche und welche die Schweizer Seite ist. — Bereist man Deutschland einmal von aussen, genauer gesagt nahe aussen herum, so müsste man blind sein, nicht entlang seiner gesamten Grenze stumme Zeugen europäischer Vergangenheit in grosser Anzahl zu bemerken, alle paar hundert Meter. Man trifft derartige Bunker beispielsweise auch im Riesengebirge an, in grosser Höhe, auf der tschechischen Seite, an der östlichen französischen Grenze selbstverständlich (und noch weit grössere), sogar an der Südwestküste Schwedens, rund um Deutschland herum, heute noch. — Nur stumm sind sie nicht. Sie sprechen ihre ganz eigene Sprache.
Freitag, 10. Juli 2009
Sprüche (176)
Sich irgendwo "benehmen"1 ist nicht selten eine Unanständigkeit, anderen und sich selbst gegenüber! — Ein Gedanke an Benehmen-fordernde Mütter und Ehefrauen.
1 still sein, die Klappe halten, die Ruhe bewahren, tolerant sein, nachgeben, man ist ja der Klügere ...
1 still sein, die Klappe halten, die Ruhe bewahren, tolerant sein, nachgeben, man ist ja der Klügere ...
Donnerstag, 9. Juli 2009
Konversation (III)
Nachsicht mit denen, die einen nach der Arbeit fragen - sie sind unsicher und können nichts dafür. Die Arbeit, der Beruf, der Alltag ... das sind sichere Gelände für beide Seiten. Arbeit ist auch Ehre und Berufung, die Kehrseite des Konsums und als solche ebenso heilig, selbst wenn die Frage "Und, was machst du sonst so?" viel interessanter wäre für beide Seiten. — Ich will einmal einen erleben, der ein Gespräch eröffnet mit der Behauptung "Dein Beruf interessiert mich nicht."
Mittwoch, 8. Juli 2009
Begriffsklärung (30)
Worin besteht der wesentliche Unterschied zwischen Verteidigung und Angriff? Man muss genau hinsehen und vielleicht einen Instinkt dafür entwickeln: wer sich im Voraus verteidigt, ist nichts anderes als ein — Angreifer!
Dienstag, 7. Juli 2009
Zwei Wege.
Der Teilnehmer so mancher Subkultur oder Insasse so mancher community, und das Internet ist ein Nährboden und Zoo von Grüppchen und Gruppierungen sondergleichen, sucht dort nach Dingen wie Geselligkeit, Nähe, Wärme, Akzeptanz und geringem Widerstand. Dies sind Errungenschaften und Erscheinungsformen unserer modernen sog. social networks. Er strebt nach Gleichem und Gleichheit unter Gleichen — und findet es.
Frage: muss sich dies nicht auf bestimmte, individuelle Fähigkeiten und Potentiale niederschlagen? Auf das der Sozialkompetenz zweifellos. Ihre eventuelle Zunahme wird im Allgemeinen positiv bewertet. Wie ist es mit dem der Konfliktfähigkeit und Konfliktlösung? Dem der Problemlösungsfindung? Dem Potential, sich selbst, die Einsamkeit, die Stille, Leid, Schmerz zu ertragen? Dem Gerechtigkeitsempfinden? Dem Selbstwertgefühl? Wie steht es um das Potential, die eigene Freiheit tatsächlich zu leben? Oder der Fähigkeit zu echten, tiefen Beziehungen und Bindungen? Ich behaupte, in unseren künftigen Rund-und-die-Uhr-communities werden Dinge wie Persönlichkeit oder Individualität ersatzlos (!) in etwas wirklich Neues umgewandelt, in - ich muss wieder ein Wort erfinden - Grüpplichkeit, die Fähigkeit zu menschlicher Schwarm-Existenz, mit interessanten Konsequenzen.
Nietzsche sprach vom Übermensch als einem Individuum, das im besonderen Masse es selbst wurde. — Hier entsteht möglicherweise, ein Multimensch, der im Gegenteil noch auf das verzichtet, was er selbst war, und das lediglich beginnend (!) bei seinem Privaten ...
Frage: muss sich dies nicht auf bestimmte, individuelle Fähigkeiten und Potentiale niederschlagen? Auf das der Sozialkompetenz zweifellos. Ihre eventuelle Zunahme wird im Allgemeinen positiv bewertet. Wie ist es mit dem der Konfliktfähigkeit und Konfliktlösung? Dem der Problemlösungsfindung? Dem Potential, sich selbst, die Einsamkeit, die Stille, Leid, Schmerz zu ertragen? Dem Gerechtigkeitsempfinden? Dem Selbstwertgefühl? Wie steht es um das Potential, die eigene Freiheit tatsächlich zu leben? Oder der Fähigkeit zu echten, tiefen Beziehungen und Bindungen? Ich behaupte, in unseren künftigen Rund-und-die-Uhr-communities werden Dinge wie Persönlichkeit oder Individualität ersatzlos (!) in etwas wirklich Neues umgewandelt, in - ich muss wieder ein Wort erfinden - Grüpplichkeit, die Fähigkeit zu menschlicher Schwarm-Existenz, mit interessanten Konsequenzen.
Nietzsche sprach vom Übermensch als einem Individuum, das im besonderen Masse es selbst wurde. — Hier entsteht möglicherweise, ein Multimensch, der im Gegenteil noch auf das verzichtet, was er selbst war, und das lediglich beginnend (!) bei seinem Privaten ...
Montag, 6. Juli 2009
Digestion.
Der Verdauungsapparat hartgesottener Journalisten - Vor- und Hinterschnüffler, Vorschmecker und Vorkauer, Vorverdauer und Vielfrasse - muss zum Zwecke hinreichender Chymifikation notgedrungen einiges aus- und abhalten, weit mehr als bei anderen holozänen Grosssäugern. Wen wollte es also wundern, litten sie zeitlebens an Magengeschwüren, Bauchschmerzen, Blähungen und chronischen Verdauungsproblemen? — Etwas mehr Mitgefühl mit einem geschundenen Berufsstand, bitte!
Freitag, 3. Juli 2009
Ungebremstes Wachstum.
Donnerstag, 2. Juli 2009
Geschwätz.
Vorsicht vor denen, die viel, schnell und laut reden. Sie tun es
1 Ich habe bislang die Tatsache, dass jemand einen spüren lässt, dass er eben nicht alles von sich preisgibt, dass er überlegt, wem er wo und wann was erzählt, immer geschätzt.
- in einfachen, häufigen Fällen schlicht aus mangelnder Selbstreflexion1, aus Unbedachtheit und Gewohnheit, aus Selbstvergessenheit also und auch Vergessenheit dessen, wo sie sich befinden, was für Ohren sie um sich haben usw.,
- oder aus Unsicherheit, um den anderen einmal vorsichtig auf seine Waffen abzutasten, aber nicht nur Unsicherheit über den anderen, auch über sich selbst,
- oder aus Gründen der Selbstdarstellung und Prachtentfaltung (vor allem Männer), mehr oder weniger offen eine Huldigung einfordernd,
- womöglich auch (und dies ist gar nicht so selten) mit der Absicht, durch Vertraulichkeit eine implizite Vereinnahmung des Gegenübers zu erzeugen, es auf ihre Seite zu ziehen, gelegentlich dabei sogar Demut heuchelnd, beispielsweise indem sie über ihre grossen und kleinen Peinlichkeiten berichten.
1 Ich habe bislang die Tatsache, dass jemand einen spüren lässt, dass er eben nicht alles von sich preisgibt, dass er überlegt, wem er wo und wann was erzählt, immer geschätzt.
Mittwoch, 1. Juli 2009
Weiche Masse.
Falls der Mensch tatsächlich nur einen Teil seines Gehirns zum Denken benutzt und zwar auch der Klügste lediglich einen kleinen Teil, wozu sollte dann der grössere Teil in seinem Kopf befindlich und fortlaufend mit kostbarer Energie versorgt werden, dort Abwärme produzieren usw.? Warum ist das Gehirn im Laufe der Evolution immer noch weiter gewachsen? Eine Verschwendung der Natur? Ein mehrfaches Redundanzsystem? — Ballast zur Erreichung einer gewissen Massenträgheit, wichtig für den aufrechten Gang?
Sprüche (175)
Falls du keine Fragen, nur Antworten hast, frage dich, warum du keine Fragen, nur Antworten hast.
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