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Montag, 31. August 2009
Zu sich selbst.
Das Reisen ist allein deshalb eine kluge Idee, weil es einen ganz abseits der üblichen Wege und Mittel zur Kommunikation, Datenbeschaffung, Unterhaltung bringt, weil es einen selbst dem Bekanntenkreis entreisst, vielleicht gar dem eigenen Kulturkreis, all den liebgewordenen Sicherheiten, Gewohnheiten, Unverzichtbarkeiten und Selbsteinlullungen, weil es einen unter bescheidenen existentiellen Forderungen ganz auf sich stellt, auf das eigene Leistungs- und Navigationsvermögen. Reisen führt einen notgedrungen zu sich selbst, wenn man es richtig anstellt. Es muss gar nicht weit sein, allerdings weit genug.
Sonntag, 30. August 2009
Samstag, 29. August 2009
Keine Zeit mehr.
Eine halbe Stunde dauert es noch, dann ist die Grenze der Erträglichkeit erreicht. Ich bin wohl empfindlich geworden. Eine einzige dumme Verkäuferinnen-Antwort wie "Das trägt man heut nicht mehr." genügt und ich muss hinaus an die frische Luft. — Ja, bemängelt nur die Stagnation im Einzelhandel, das Konsumklima, die Kaufhausschliessungen usw. Man muss wahrscheinlich schon ziemlich blond im Hirn sein, um in eine Kamera glaubhaft einen Satz wie "Mein Mann und ich gehen gerne shoppen." hineinzugrinsen. (Hoffentlich gab's wenigstens einen Hunderter dafür ...)
Freitag, 28. August 2009
Alles käuflich.
Wie sehr Lebenseinstellungen, Haltungen, Überzeugungen, Standpunkte1 heute den Charakter von Waren angenommen haben, die man sich nach Belieben zulegt, zeigt, dass sie ganz wie üblich beworben werden, im Fernsehen, im Rundfunk, in der Presse, sogar auf den eigentlich für kommerzielle Werbung vorgesehenen Plätzen, mit genau denselben Mitteln und Praktiken, wahrscheinlich sogar von denselben Produktionsfirmen. Man darf mutmassen, ob solche nicht gegenständlichen Dinge abgesehen von einem Kaufpreis - den haben sie zweifellos - auch andere Gemeinsamkeiten mit Waren haben, designierte Nutzungszeiten, moralischen Verschleiss, ob sie eines Tages durch systematisch entwickelte Folgeprodukte abgelöst werden usw.
1 beispielsweise zu Themen wie Umweltschutz, Hilfe für die dritte Welt, auch Politik ...
1 beispielsweise zu Themen wie Umweltschutz, Hilfe für die dritte Welt, auch Politik ...
Donnerstag, 27. August 2009
Mittwoch, 26. August 2009
Entwickeln, wiedereinmal.
Eine moderne, objektorientierte (d.h. gute) Software entwickeln und warten, eine solche, die über Jahre gewachsen ist, die inzwischen drei Paradigmenwechsel mitgemacht hat und die die Handschriften dreimal so vieler Personen trägt, wie momentan noch namentlich bekannt sind, heisst heute nicht zuletzt auch: Gespenstern und Schatten hinterherjagen, an seinem Verstand zweifeln und an dem von anderen, Logik zur Definitionssache machen, wenn nötig also ein Ja ein Nein sein lassen und ein Nein ein Ja, zur Not einfach auch raten und glauben ... und immer hoffen, dass es niemand merkt ...
Dienstag, 25. August 2009
Über eine besorgte Frage (XX)
Was man besonders gut könne? — Ach, wie sollte ich nur in aller geforderten Ehrlichkeit darauf etwas antworten, das nicht ein anderer sehr leicht mit einem ironischen "Ach?!" quittieren könnte? Und zuerst und zuletzt ist man wohl noch selbst des Helden eigener, schonungsloser Spötter. — Besonders gut? Eigentlich nicht einmal Biertrinken!
Montag, 24. August 2009
Zeitreise, kleine.
Grössere Kartenansicht
Ich mache jeden Tag zwei kleine Zeitreisen: morgens und nachmittags jeweils einmal in das tief in den grau-grünlichen Sandstein eingeschnittene Aaretal hinab und wieder hinauf. Nein, es ist nicht dramatisch, etwa 50 Höhenmeter - das Aaretal ist nicht der Grand Canyon - aber immerhin. Als die Römer am flachen Nordzipfel der hochgelegenen Engehalbinsel ihre befestigte Furt betrieben, lag der Fluss vielleicht noch einen Meter höher. Allerdings wird auch damals schon so mancher Fluch ob der starken Steigungen über des einen oder anderen Legionärs Lippen gekommen sein ...
Samstag, 22. August 2009
Sein gutes Recht.
Manchmal möchte man nichts weiter, als mit ein, zwei dicken Doppel-CDs einen halben Tag lang unter dem Kopfhörer verschwinden und die Augen schliessen. — Der Parasit fordert sein Recht.
Freitag, 21. August 2009
Maschinenmenschen (II)
Wie weit unsere hochmodernen Computer noch vom Menschen entfernt sind, spürt man am besten, wenn man ältere Menschen im Umgang damit beobachtet. Nein, ihr Unvermögen, mit diesen Dingern klarzukommen, liegt nicht an ihrem fehlenden Wissen, an ihrer Einstellung zur Technik, an ihrer Erfahrung. Sie haben sehr grosse Lebenserfahrung und sie sind auch Menschen (und keine dummen). Auch aus ihnen besteht der Mensch. Und der Mensch formt ja nicht sich selbst nach den Maschinen, die er unzulänglich produziert, auch wenn er sich vielfach in sein Schicksal ergibt und irgendwie damit lebt, was er sich zumutet (und es auch gutfindet). D.h. in erster Linie die Schäden selbst zu verkraften und auszubügeln, immer und immer wieder, Zeit zu opfern, viel Zeit, und die Kosten zu tragen. Ferner auch, unkreatives Meta(halb)wissen anzuhäufen, nur zur Bedienung der Maschine. Dies ignorieren wir in der Regel. Der PC, wie wir ihn kennen, wird eines Tages verschwunden sein (müssen). Man wird ihn nicht mehr bedienen können und wollen. Allerdings auch unsere immer smarter werdenden phones. Dies sind Stilblüten und Auswüchse des technisch Machbaren, nicht der Vernunft.
Donnerstag, 20. August 2009
Gut zu wissen.
Nein, in dem Moment ahnte ich noch nicht, was das Internet einmal bringen würde, das Wort gab es noch nicht, aber doch immerhin schon universitäre Netze. Aber ich hätte es ahnen können. — 1992, ich schrieb an meiner Diplomarbeit, häufig in einem etwas muffigen Rechenkabinett mit vielen SPARC-Maschinen und uralten, grünen Terminals ... Viel gesprochen wurde nicht, es herrschte üblicherweise konzentrierte Stille wie in einem Lesesaal und in dem Raum war auch etwas vom Ernst der Lernenden, von Pflicht und Anstrengung. Aber plötzlich sagte doch jemand, an der (nicht weniger als 500km entfernten) TU München gebe es heute mittag A) eine Leberknödelsuppe oder B) eine Lasagne. So stand es auf seinem Bildschirm. Und das war gut zu wissen ... in unserem Rechenkabinett ...
Mittwoch, 19. August 2009
Ontologie im Informationszeitalter.
Du bist, was man von dir weiss. — Eine Erkenntnis, die viele Menschen offensichtlich viel intuitiver verinnerlichen, als man annehmen könnte. Drum existiert man heute nicht mehr in Geschichtsbüchern, sondern in Gesichtsbüchern. Interessanterweise ist es übrigens ganz egal, was man andere von sich wissen macht, Hauptsache irgendetwas, und die eigene Visage, eben das face, ist dabei noch immer ein guter Anfang, wenn man sonst nichts hat.
Dienstag, 18. August 2009
Vor oder zurück?
Manchmal neigt einer dazu, sich rückwärts zu wenden, nach der guten alten Zeit, der Klassik, auch der Tradition usw. — Ausdruck fehlender Phantasie. Man könnte sich ja mit gleicher Folgerichtigkeit auch vorwärts wenden, in die Zukunft, zu Neuem hin. Man könnte kreativ werden, Kreativität kultivieren. Und es gab Zeiten, in denen das üblich war, man denke beispielsweise an Jules Verne, um nur einmal einen Namen zu nennen. Nein, momentan ist nicht eine solche Zeit. Warum?
Montag, 17. August 2009
Streng(stens) geheim.
Manch Geheimnis ist so geheim, dass es sich noch vor einem selbst verbirgt, der man sein Besitzer ist. So nimmt es sich selbst mit ins Grab — zieht man am Ende notgedrungen die BIOS-Pufferbatterie seines Laptops heraus.
Sonntag, 16. August 2009
Passfotos (XX)
Freitag, 14. August 2009
Story driven.
Ich kann es nicht mehr hören: "Es ist ein schwerer Tag für Sibylle. Sie hat ..." oder "Punkt 8 Uhr. Alle sitzen auf ihren Plätzen. Doch heute ..." - so beginnen Artikel, Artikel mit Überschriften wie "Studenten: Generation Nebenjob" oder "Lehrermangel: 30% der Lehrer fehlen", d.h. also journalistische Texte, von denen man eine Meldung erwartet, eine Information, die man vorher noch nicht wusste, ggf. mit recherchierten Hintergrundinformationen und Zusammenhängen. Statt dessen bekommt man eine simple Geschichte schwer nachprüfbaren Inhalts und belangloser Aussage, Infotainment bestenfalls, wenn es am Ende nicht nur wieder Feuilleton ist ... Jemand erzählt irgendeinem Schreiberling in der Kneipe eine Geschichte, die sein Sohn aus der Schule mitgebracht hat, aber morgen steht es in der Zeitung, insbesondere der virtuellen. Wir lesen das, erzählen es anderen, schütteln den Kopf oder lachen darüber. Wir sind story driven. In englischsprachigen Nachrichtensendungen schaltet man aus dem Studio zum Reporter vor Ort mit den Worten "Jim has the whole story ... Jim?" Es ist wie eine Seuche, dieser Stil von Journalismus ist gar nicht mehr wegzudenken. Er überzieht unsere ganze multimediale Informationswahrnehmung mit einem schmierigen Film aus Menscheleien, Peinlichkeiten, Betroffenheit und fremdem Leid. — Was interessiert mich die Geschichte? Ich hab selbst ein Leben.
Donnerstag, 13. August 2009
Mehr Sicherheit!
Dass Freiheit nur in Sicherheit denkbar sei, war wieder so eine kluge Formulierung, auf die man nur mit Hilfe eines unserer heutigen, vollkaskoversicherten Wohlfahrtsgehirne kommen konnte, eine Errungenschaft der Neuzeit, derer es heute nicht mehr mangelt. "Sicherheit", dieses merkwürdige Wort, immer relativ und immer höchst bedenklich - immer eine Lüge! - man sollte es aus seinem Wortschatz streichen und durch "Unsicherheit" ersetzen, das wäre treffender. Wer schützt einen schon vor sich selbst, vor seinem Nachbarn, vor der Hammelherde? Das Recht, der gute Geschmack, die Weisheit der Vielen? Und vor dem Zufall und vor höherer Gewalt? — Wenn die Freiheit nur in Sicherheit denkbar wäre, hätte es nie eine eigentliche Menschheit gegeben. Das kluge Tier hätte wohl nie den Baum verlassen, auf dem es geboren wurde. Es hätte sich aus lauter Klugheit und Freiheitsdrang (d.h. Sicherheitsbestreben) noch weiter hinauf verkrochen. Das ist der Freiheitsbegriff, den man heute in aller Belanglosigkeit öffentlich daherplappern kann. — Die Freiheit hatte immer auch etwas mit Mut zu tun! Oder nicht? Mit Selbstvertrauen, mit Kraft. Ja, und auch mit Scheitern. Es gibt keine Sicherheit vor dem Scheitern.
Mittwoch, 12. August 2009
Dienstag, 11. August 2009
Von der Stille.
Das Merkwürdigste im Hochgebirge, auch in der Tundra und in der Wüste, ist die Stille, die Abwesenheit jedes Geräuschs - so sehr ist man gewöhnt daran, dass man das Ausbleiben bemerkt, und zwar mit zunehmender Unruhe! Wer es nun mit der Angst bekommt, pfeift oder singt etwas, als Massnahme der Not und der Gefahrenbewältigung. Der Stille hingegen standzuhalten erfordert Mut und Kraft und Gelassenheit, denn wo nichts anderes klingt hört man am Ende noch — in sich selbst hinein ...
Montag, 10. August 2009
Begonnen.
Nicht jeder Beginner1 ist ein Anfänger. Manch einer ist schon ein alter Hase und beginnt dennoch etwas neu, endlich und vielleicht nicht einmal dennoch, sondern deswegen. Und manch einer bemerkt, nachdem er begonnen hat, dass er gar nichts Neues tut, sondern eigentlich das, was er immer schon tat oder zumindest tun wollte, nur einerseits entweder davon nichts wusste oder andererseits dies über Umwege und Umständlichkeiten und am Ende vielleicht auch unzulänglich erreichen musste. Manch Neubeginn ist nur eine Bewusstwerdung.
1 Ich sehe gerade, das Wort scheint im Deutschen gar nicht zu existieren.
1 Ich sehe gerade, das Wort scheint im Deutschen gar nicht zu existieren.
Donnerstag, 6. August 2009
Begriffsklärung (33)
Verstehen nennt man jenen beunruhigenden und auch dummen Moment, indem einem keine vernünftige Frage einfällt. Es gibt nur eine einzige denkbare Ursache dafür: man hat zu kurz, zu flach gedacht. — In jedem Falle der weniger stabile der beiden Zustände.
Mittwoch, 5. August 2009
Spekulation (III)
Man darf sich fragen, wie die Welt heute aussähe, hätte neben dem homo sapiens noch ein anderer kluger Zweibeiner überlebt, beispielsweise der homo neanderthalensis, der ja tatsächlich noch bis vor 30000 Jahren (also quasi gestern noch) über die Champs-Élysées streifte, und nicht nur überlebt, sondern sich auch entwickelt, zahlenmässig, sprachlich, kulturell, sozial, intellektuell, wenn also möglicherweise heute zwei unterschiedliche Gesellschaften nebeneinander existierten und miteinander auskommen müssten. Ein permanenter Konflikt wäre wohl die unweigerliche Folge, d.h. Argwohn und Krieg. Aber vielleicht hätten beide Seiten aufgrund der Alternativlosigkeit ihres permanenten Miteinanderkonfrontiertseins auch eine Strategie entwickelt, das Andere zu akzeptieren, sei es auch fremd und unerklärlich. Es gäbe eben immer noch ein zweites α-Tier, eine zweite Krone der Schöpfung. Viele unserer Begrifflichkeiten wäre ganz andere, am Ende auch unser Selbstverständnis.
Dienstag, 4. August 2009
Neue Lage.
Was Schmerz beim Aufstehen und Ächzen schon beim Losgehen? Ja, ganz merkwürdig - man steht und geht ganz und gar auf eigenen Beinen, ein bisschen ungewohnt und stelzenhaft, noch ungläubig an sich herabschauend, Symptome einer langen Starrheit, die man bequem, komfortabel und sicher nannte ... — Vielleicht drückt dich auch noch ein Felslein des Nachts, da im Rücken, wo du gerne weich liegst? Du Held! Was, wenn deine Gewohnheiten und Bequemheiten bisher auf dem Kopfe standen?
Montag, 3. August 2009
Nicht glaubhaft.
So wirst du also des Suchens nicht froh. Längst abgegrast und ausgeplündert alles ringsum, ganze Äste gleich mitsamt den Früchten vom Baume gerissen, und was noch hängt und dir nicht am Ende noch der starke Schnabel einer Krähe streitig macht, ist längst vertrocknet. — Was suchst du auch dort, wo alle suchen und gerade weil alle dort suchen? Was verschmähst du der schönen Fliegenpilze viele? Ja, sag noch, du habest einen zu schwachen Magen! Sag noch, du habest sie nicht längst dort stehen sehen und bereits neugierig umrundet, mehrfach!
Sonntag, 2. August 2009
Sprüche (180)
Du meinst, man habe dich bestohlen? — Sag bitte, gib dem Dieb noch etwas dazu und lächle!
Samstag, 1. August 2009
Wirf ab.
Eine Reinigung ist es allemal, den Luxus und all das abzuwerfen und hinter sich zu lassen, was an und auf einem hing für den Fall der Fälle, zur Sicherheit, zur Annehmlichkeit, obwohl man es nie mehr braucht, auch eigentlich nie gebraucht hat, so sehr man auch grübelt und obwohl man froh und stolz war, es zu haben, endlich ... Also wozu trug man es mit sicher herum? Und hat nicht so mancher Reiter am Ende noch sein Pferd getragen? — Ach was, Gefahr, was Schwierigkeit ohne all dies?! Ballast war es, nichts weiter, dir eingeredet von Schwatzhaften, Blinden und Bucklichten. Du wirst frei sein ohne dies und wieder aufrecht gehen können. Schau, du hast Hände, hast ein Hirn.
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