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Mittwoch, 30. September 2009
Ja oder Nein.
Warum fragst du, wenn dich meine Antwort gar nicht interessiert? Und wie soll ich antworten, wenn ich das wiederholt spüre? Du willst Einfaches, Ja oder Nein, nur keine Erklärungen, keine Bedingungen oder Einschränkungen, kein Vielleicht oder Aber oder Unter Umständen, du willst keine Tiefe, du willst nicht einmal Seichtes, nur Ja! oder Nein!, Schwarz! oder Weiss! — jenes bescheidene Grau, das ich dir gebe, die bereits unzulässige Reduktion aller Farbe, alles Realen und Wirklichen - ich habe eine ganze Stunde dafür gebraucht - ist schon zu viel. Ja, sag noch, ich sei unzugänglich ... Was weisst du denn über mich? Und über dich?
Dienstag, 29. September 2009
Option der Freiheit.
Es ist merkwürdig, man ist heute gewohnt, vielleicht mehr als je zuvor, extern nach Lösungen zu suchen, unter Zuhilfenahme aller möglichen Ressourcen. Mit Kanonen auf Spatzen schiessen ist dabei durchaus die erste Wahl, wenn gerade nichts anderes greifbar ist - ein Merkmal hoher Verfügbarkeit und geringer Kosten. Man macht sich genaugenommen gar keine Gedanken mehr darüber. Man benutzt einfach, was einem zur Verfügung steht, in jeder Phase seines Lebens, als Kind schon, und so verfügt man beispielsweise über Telekommunikationsmittel, Computer, Orientierungs- und Verkehrsmittel, zudem über Dienstleistungen (d.h. über Delegierungsmöglichkeiten). Warum sollte man all das nicht nutzen? Und wenn man auf diesen Wegen nicht vorankommt, wenn niemand sonst etwas weiss, niemand es je versucht hat und niemand da ist, der es für einen erledigt, dann ist man auch schnell bereit, die Aussichtslosigkeit seines Unterfangens zu akzeptieren.
Manch einer verlernt heute systematisch, seinen eigenen Kopf zu gebrauchen, bzw. lernt es überhaupt nie und ist am Ende ganz aus dem Häuschen, wenn ihm solches doch einmal gelingt - ein Regal montieren, ein Rad wechseln, einen richtigen Brief schreiben, ha! Ferner auch, seine persönlichen Risiken zu tragen. Kein Risiko mehr, das nicht durch ein komplexes Gesundheitssystem in Zusammenarbeit mit Versicherungen gemeinschaftlich kalkulier- und tragbar würde! Am Ende dürfen selbst Staat und Militär dafür herhalten, einen aus einer misslichen Lage zu befreien, in die man aufgrund seiner touristischen Interessen in einer Krisenregion geraten war ...
Unter den Bedingungen einer modernen Zivilisation schliesst die errungene Freiheit auch die Möglichkeit mit ein, in Würde Idiot sein zu dürfen — eine existentielle Chance, die ein Einzelindividuum nie hätte. Den Preis zahlt die Gemeinschaft.
Manch einer verlernt heute systematisch, seinen eigenen Kopf zu gebrauchen, bzw. lernt es überhaupt nie und ist am Ende ganz aus dem Häuschen, wenn ihm solches doch einmal gelingt - ein Regal montieren, ein Rad wechseln, einen richtigen Brief schreiben, ha! Ferner auch, seine persönlichen Risiken zu tragen. Kein Risiko mehr, das nicht durch ein komplexes Gesundheitssystem in Zusammenarbeit mit Versicherungen gemeinschaftlich kalkulier- und tragbar würde! Am Ende dürfen selbst Staat und Militär dafür herhalten, einen aus einer misslichen Lage zu befreien, in die man aufgrund seiner touristischen Interessen in einer Krisenregion geraten war ...
Unter den Bedingungen einer modernen Zivilisation schliesst die errungene Freiheit auch die Möglichkeit mit ein, in Würde Idiot sein zu dürfen — eine existentielle Chance, die ein Einzelindividuum nie hätte. Den Preis zahlt die Gemeinschaft.
Montag, 28. September 2009
Würde.
Ich weiss nicht, ob Tiere eine Würde haben. Würde ist eigentlich etwas sehr Merkwürdiges, das Menschen einfach erklären, es ist Definitionssache, zu allererst auf sich selbst bezogen und hinreichend schon aus dem alleinigen Grunde, weil einer halt als Mensch geboren ist. Dessen Würde ist automatisch unantastbar, vielleicht ohne dass er selbst wüsste, was dies ist ... — Tieren gibt man mit einer gewissen Scheinheiligkeit eine Würde, nicht ohne auffällige Korrelation mit ihrer Beliebtheit und auch immer genau so weit, bis es um ihren Nutzen für den Menschen geht. Hat ein Bakterium eine Würde? Ein Huhn, ein Hund, ein Wal? Bienen nennt man achtungsvoll fleissig, Wespen nicht. Wie ist es also mit einer Mücke, einer Schnecke? Zusatzfrage: Hat ein Stein eine Würde?
Sonntag, 27. September 2009
Passfotos (XXIII)


Fuorcla Val dal Botsch (2677m, links: Aufstieg von Süden, Mitte: auf dem Sattel, rechts: selbiger aus einiger Entfernung von Norden aus gesehen), 20.09.2009, früh morgens. Auf der Südseite noch leichte Vegetation, die steile und schattige Nordseite besitzt hingegen eine ausgeprägte, völlig vegetationslose Zone. Merkwürdigerweise auch noch Mitte September in dieser Höhe (und noch weit höher) kein frischer Schnee. Statt dessen Edelweiss.
Samstag, 26. September 2009
Die Ware in letzter Konsequenz.
Ich las kürzlich den Satz, die allgemeine Sicherheit sei inzwischen eine Ware geworden. Nein, es überrascht eigentlich nicht mehr. Man darf heute bereits fragen, was keine Ware ist oder ggf. nicht noch werden könnte. Alles wird zu Ware, es ist nur eine Frage der Zeit (und wahrscheinlich der Bewusstwerdung darüber). Der Wähler ist eine Ware (gleich in Personalunion auch noch als Arbeitskraft, als Konsument, als Verkehrsteilnehmer, als Vesicherter, als Kranker u.v.m.), politische Parteien sind Waren (damit auch die politische Macht), Weltanschauungen, Markenbindungen, Fernsehgewohnheiten, die öffentliche Meinung, unsere Umwelt, unsere Kultur, am Ende noch unser Geld selbst. Alles hat seinen Markt (inkl. seiner Moden), sein Angebot, seine Nachfrage und natürlich seinen Preis. Interessante Fragen wären: in welcher Währung zahlt man dafür und wieviel? Welche Gestalt hat Kapital unter solchen Bedingungen? Wo sind die entsprechenden Banken und wer betreibt sie? Und wie sehen eigentlich die Gewinne aus?
Freitag, 25. September 2009
Sprüche (186)
Schaffe Eigenes. — Eine weitere Erweiterung. — Alles Eigene ist in genau dem Masse automatisch auch schön, wie es eigen und original und authentisch ist.
Donnerstag, 24. September 2009
Nachforschung.
Warum musste Nietzsche ausgerechnet ins Engadin kommen und mehrere Jahre lang wiederkehren? — Weil es eine Zauberlandschaft ist. Man spürt es unwillkürlich, wenn man dort ist. Alles spricht, klar und deutlich ... wenn man sich die Zeit nimmt, zuzuhören. Und, sofern man meinem Gedanken folgt, dass sich Landschaft vielfach beispielsweise in Sinfonien niederschlägt, und zweitens auch, sofern man ein Organ besässe, die Melodie der Landschaft aus geschriebenen Worten herauszuhören, so müsste man einmal prüfen, ob und wie sich diese Bergwelt und ihre struppigen, tierreichen Lärchenwälder auch in den Schriften wiederfinden.
Mittwoch, 23. September 2009
Nicht mehr man selbst.
In Hinsicht auf mindestens zwei Dinge sind (vor allem) Männer nicht mehr sie selbst, mehr und stärker noch als bei vergleichsweise abstraktem Geld, nämlich bei Motorrädern und bei Waffen. Nur einzelne selbstverständlich, längst nicht alle, aber man kann leicht einen Test machen, Bilder genügen schon. Die Wirkung besteht in zeitweilig stark eingeschränktem Bewusstsein, wie bei einer Droge. Ein sehr merkwürdiges, psychologisch interessantes Phänomen. Möglicherweise genügt vielfach bereits der Besitz, d.h. das Wissen darum, so ein Ding zu Hause zu haben, um das Selbstwertgefühl ein wenig (bei Waffen in seltenen Fällen auch erheblich) anzuheben. Man findet sicher noch weitere Beispiele, vielleicht auch eher für Frauen.
Dienstag, 22. September 2009
Freitag, 18. September 2009
Noch immer unter Beschuss.
Das laute, metallische, noch drei Sekunden nachhallende Geräusch, das entstand, als ein Eichhörnchen eine grosse, schwere Eichel aus drei oder vier Metern Höhe genau so fallen liess, dass diese auf den Stahlhelm des Soldaten Müller donnerte, der hier für nichts Geringeres als die Erhaltung des Friedens unter dieser preussischen Eiche im weichen Grase lag, führte ihm seinerzeit die lächerliche Seite seiner Situation deutlich vor Augen. — Daran musste der Soldat Müller auch 20 Jahre später noch denken. Nur war es diesmal eine Haselnuss und es mangelte ihm äusserlich an einem metallenem Helm, etwas ähnliches trug er aus gutem Grunde längst inwendig.
Donnerstag, 17. September 2009
Sprüche (185)
Lass dich nicht anlocken von all dem Gleissenden, Glitzernden, Lauten, Duftenden — man gab ihm all diese Eigenschaften, um dich abzuschrecken.
Mittwoch, 16. September 2009
Ohne guten Willen.
Unsere freien, westlichen Gesellschaften sind daraufhin konstruiert, dass es bei jedem Individuum ein Mindestmass an Akzeptanz gesellschaftlicher oder wenigstens persönlicher Werte gibt. Ich könnte auch sagen: an gutem Willen. Darauf beruht bereits der gesamte Mechanismus gesellschaftlicher Kohäsion, selbst unter Mitbetrachtung ihres Rechtssystems und des bereits letzten integrativen Mittels, der Strafe. — Der Fall allerdings, dass einer das Risiko, erwischt zu werden, abschätzt und womöglich trägt, dass einem selbst eine Strafe gleichgültig wird, z.B. mangels anderweitiger Perspektiven, dass er sie sogar ganz bewusst in Kauf nimmt und voraussetzt bis hin zum eigenen Tod, ist in diesem Konzept nicht vorgesehen. Wir stehen dem gänzlich hilflos gegenüber. Die gesellschaftliche Integration versagt in diesem Fall, von innen und von aussen, das Individuum wird unberechenbar.
Dienstag, 15. September 2009
Gedacht?
Was wird der erste Mensch gedacht haben, der eine aus einem Berg tretende Schieferplatte spaltete und einen hübschen Fisch darin fand? Oder schöne Muscheln oder gar einen Ammoniten, wie sie gelegentlich heute noch beispielsweise im Jura einfach an der Erdoberfläche liegen? Was wird er gedacht haben, der mit der Natur bestens und tiefer als wir heute Vertraute, jenseits von aller Unergründlichkeit seiner Gottheit?
Montag, 14. September 2009
Dafür.
"Dafür arbeiten wir." — das sagt du so dahin, halb zu mir, mit Stolz, halb aber auch zu dir selbst, quasi als Sinngebung, aber so ganz glaubhaft klingt es nicht. Du weisst selbst, dass es billig ist, teuer-billig selbstverständlich, d.h. verdammt teuer. Gemeint sind die paar kleinen, luxuriösen Annehmlichkeiten unserer neuen Zeit, der Grossbildfernseher mit seinem Heer von im Zimmer verteilten Lautsprechern (hochwertige, sauerstoffreie Lautsprecherkabel selbstverständlich), die zwei Meter breite DVD-Sammlung (ah, das ist nur eine Hälfte, die anderen stehen im Nebenraum), der selbstmahlende Kaffeeautomat, der amerikanische Kühlschrank von der Grösse eines Kleinwagens, eure vier Mobiltelefone, die zwei Spiegelreflexdigitalkameras, die beiden deutschen Mittelklassewagen vor der leider nur gemieteten Doppelhaushälfte ... Nein, ich will es dir nicht ausreden. Es ist ja alles legitim. Aber dafür arbeitest du nicht. Du kannst manches gar nicht bedienen und in eurer Designerküche gibt es nicht einmal eine vernünftige Arbeitsfläche, auf der man einen Teig ausrollen könnte. — Du schuftest für etwas anderes, nämlich für das heimlich-heimelige Selbstwertgefühl, das allein dadurch entsteht, dass man sich diese Dinge leisten kann, für das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer sozialen Mittelschicht, deren wesentliches Definitionsmerkmal genau dieser mittelmässige Luxus ist. Sich dies leisten können, heisst auch, sich damit vor sich selbst und vor anderen bestätigen, fortwährend, dies ist eine permanente Not-wendigkeit, ich könnte auch sagen: die Befriedigung einer Sucht. So weit ist es gekommen.
Sonntag, 13. September 2009
See-Bilder (XII)
Samstag, 12. September 2009
Freitag, 11. September 2009
Problem und Lösung.
Der eine sagt, das sei das Problem, der andere sagt, das sei die Lösung, und beide meinen es ernst in ein und derselben Angelegenheit. Problem und Lösung - zwei Synonyme für Dasselbe, so weit kann es mit unserer Erkenntnis kommen! Ersterer fährt fort, man müsse jetzt unbedingt ..., letzterer dementiert, man dürfe jetzt auf gar keinen Fall ... Was nun? — Man muss wahrscheinlich öfter mal würfeln, d.h. schlicht dem Zufall die entsprechende Macht zugestehen, es schont die Nerven.
Donnerstag, 10. September 2009
Über einen Aspekt des Ziels.
"Wenigstens haben wir ein Ziel!" sagte jemand mit Bestimmtheit und Überzeugung. Das war ein komischer Satz. Das Ziel als Wert betrachtet, ganz unabhängig von seiner Natur, in jedem Falle besser als keins, das wäre furchtbar. — Also was ist ein Ziel? Doch eine (aus welchen Gründen auch immer) bevorzugte Richtung in einem Raum aus Möglichkeiten, d.h. einem Denk- oder Handlungsraum, um unsere Betrachtung einmal auf drei lumpige Dimensionen zu beschränken, eine Richtung, nach der man navigieren könnte. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Man wird, sofern man auch nur den kleinsten Schritt auf sein Ziel hin unternimmt, auch sein Ziel immer und immer wieder neu bewerten müssen, sonst verliert es seine Ernsthaftigkeit, wird womöglich zur Utopie. Es wird somit, vielleicht vom allerersten Moment einmal abgesehen, zu einer Funktion des Weges. Drum sagt man im Deutschen auch lebensklug, man verfolge ein Ziel. Ein Ziel ist immer fragwürdig, in jedem Augenblick.
Mittwoch, 9. September 2009
Der Fisch als Publikum.
Wer den Fischen predigt in der Nacht, weiss, dass sie nicht nur nicht antworten werden — er weiss auch, dass sie all sein Kluges nicht einmal hören. Ein ideales Publikum. Wollte er es anders, würde er sich ein anderes suchen.
Dienstag, 8. September 2009
Das grosse Jammern.
Ja, jammert nur, polemisch, besorgt ob der ungewissen Zukunft, hebt den Zeigefinger, prophezeit Düsteres. Ich glaub's fast ... aber nur fast. — Man achte einmal darauf: jenes Jammern, beispielsweise über die allgemeine Politikverdrossenheit, den kulturellen Niedergang der Zeitungen, des Verlagswesens, des Tonträgermarktes usw., über "den Individualismus", selbst über die flegelhafte "Jugend", kommt immer von jenen, die am festesten einbetoniert sind in ihre Gewöhnungen und Strukturen, die am gefangensten, am unflexibelsten sind, ich könnte auch präziser sagen: am zurückgebliebensten, darin am Ende wohl dann auch am unsichersten. Das Jammern ist immer eine Ausdrucksform des Konservativen und Reaktionären, ob man dies wahrhaben will oder nicht, und der Furcht noch dazu. Und selbst Progressives tendiert nach Überschreiten eines Maximums zum Konservativen, offenbar naturgemäss.
Montag, 7. September 2009
Machen.
Machen! — Ein Imperativ, wiedereinmal, für all die Zaghaften, Gewöhnten, der Selbstüberwindung bedürftigen, die immer am Anfang der Saison meinen, es sei ja noch viel Zeit, an ihrem Ende allerdings vom Fehlen ebendieser ganz plötzlich überrascht werden. Einfach machen, losgehen, beginnen, probieren, scheitern, noch einmal machen, besser, klüger, leben — sich ans Ungewohnte gewöhnen.
Sonntag, 6. September 2009
Passfotos (XXI)
Freitag, 4. September 2009
Sein und tun.
Wenn es, wie Spengler behauptet, ein wesentliches Merkmal gerade des westlichen, faustischen Menschen sei, eher durch sein Tun und Wirken in Erscheinung zu treten als durch sein Sein (vergl. hier) ... wie ist es dann möglich, dass gerade der westliche und als solcher derzeit kulturell dominierende Mensch so sehr Äusserlichkeiten anheimfällt, dem schönen Schein (übrigens auch durchaus Hässlichem), seinen lächerlichen Statussymbolen, dem Jugendwahn, dem Körperkult? — Als ob ihm seine Welt (wir erinnern uns: Freiheit, Individualismus, Selbstverwirklichung usw.) keine oder nur unzureichende Möglichkeiten liesse, zu tun, zu wirken ...
Donnerstag, 3. September 2009
Diese oder jene Seite.
Wer auf der richtigen Seite steht, kann von sicherem Standpunkt aus selbst mit den gefährlichsten Waffen hantieren: mit dem Gewissen, sog. Selbstverständlichkeiten, der Sitte, der Moral, der Ehre im Leib, dem Kerl, der man ist, und was einem noch alles einfällt, wenn einem die Argumente ausgehen - dies alles stammt von da, daraus besteht ja all die vermeintliche Sicherheit - und immer im Namen der Sache. Wer immer auf der richtigen Seite stand, kennt gar nichts anderes, für den ist die Welt klar. Er nimmt man das "Ich bin doch nicht blöd." mit ungebrochener Überzeugung für sich in Anspruch, er definiert Blödheit einfach, selbstverständlich mit aller nachfolgenden Konsequenz für eventuell nicht ganz so felsenfest Überzeugte ... Wer allerdings das Pech echter Zweifel hat (wer kann es sich aussuchen?), wer vielleicht lediglich nicht schnell genug Jawoll brüllt, hat augenblicklich alles gegen sich, nicht nur diesen dumm hingeworfenen Satz. Diesen zu ignorieren, ist dann noch das Leichteste ...
Mittwoch, 2. September 2009
Verspätet.
Gestern schrieb ich einem Mann, von dem ich vor über 20 Jahren ein Buch las, um mich für sein Buch zu bedanken. Ich habe seinerzeit sehr viel daraus gelernt und besitze es noch immer, wenngleich sein Inhalt heute völlig veraltet ist und geradezu museal wirkt. Er schrieb mir noch am gleichen Abend sehr nett zurück. Dinosaurier unter sich. — Ich hab mich schon oft darüber geärgert, etwas im richtigen Zeitpunkt nicht gesagt zu haben. Drum hole ich das gelegentlich nach, wenn es sich anbietet, auch wenn es heute etwas anachronistisch erscheint.
Dienstag, 1. September 2009
Nullen und Einsen.
Da erfindet man also heute neue Begriffe, wie "digital native", um Leute zu klassifizieren, die sonst nichts gemein haben. Ich bin zweifellos ein digital native, und zwar einer der ersten Generation. Ich bin ausserdem ein analogue native, d.h. ein Hybride, ein Einwohner und bewusster Wanderer beider Welten. — Was einen digital native ausmacht, ist wohl seine fehlende Berührungsangst Computern und elektronischen Geräten gegenüber, und das wertet man heute wohl meist positiv und sogar voll Bewunderung, insbesondere wenn es einem selbst daran mangelt und jeder kleine Schritt grosse Mühe kostet ... Typische Benutzeroberflächen sind eben noch immer nicht menschengerecht, noch längst nicht tauglich für jedermann, von dem Darunter ganz zu schweigen. Vielleicht haben digital natives einfach auch eine grössere Leidensfähigkeit. — Ein digital native, der typische Vertreter der Ich-bin-drin-Generation hat allerdings, das vergisst man gern, auch seine Schwächen, insbesondere in der analogen Welt. Bücher, Landkarten, Bruch- und Prozentrechnung, schon bei simplen Himmelrichtungen geht's los. Wo kein Computer greifbar ist, wird es schwierig und es ist bemerkenswert, wie sehr wir uns bereits auf ihre permanente Verfügbarkeit verlassen. Es gibt ja gelegentlich sogar Unfälle, weil Navigationsgeräte falsche Informationen geliefert haben. — Ein digital native ist vor allem ein zweifelhaftes Wesen.
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