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Sonntag, 31. Januar 2010
Kurzes Gold.
An einem Wintermorgen hat man möglicherweise das Glück, jenen Moment mitzubekommen, an dem der Schnee, der eigentlich noch das Blau der Nacht trägt, in wenigen Augenblicken über Silber zu echtem Gold wechselt, nämlich wenn sich die orange Sonne mit genau der richtigen Intensität horizontal darauf legt. Das Schauspiel hält nur wenige Minuten, dann ist die Sonne zu hell, der Tag gewinnt die Oberhand.
Freitag, 29. Januar 2010
Effizient.
Eine Stunde körperlicher Betätigung bei 100W abgegebener Dauerleistung1, also 360000Ws oder 360kJ - das entspricht einer zugeführten Menge von 720g Gurken oder 333g Möhren oder 120g Kartoffeln oder 21g Zucker oder 15g Erdnüssen oder 9g Olivenöl. Letzteres sind 8.3ml, ein kleiner Schluck. Ja, man verbraucht ein bisschen mehr, einerseits aufgrund der Verluste, d.h. der Reibung im Körper- und Muskelinneren sowie der (durch Schwitzen) verstärkt abgegebenen Körperwärme, andererseits durch den Grundbedarf an Energie zur Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen. Dennoch — dein Körper ist Energieeffiziensklasse A, Menschlein.
1 das entspricht etwa zügigem Treppensteigen oder Radfahren in der Ebene, aber ohne Pause
1 das entspricht etwa zügigem Treppensteigen oder Radfahren in der Ebene, aber ohne Pause
Donnerstag, 28. Januar 2010
Am Morgen (III)
Wer - vielleicht nicht ganz beabsichtigt - zu früh aufsteht, hat immerhin genug Zeit, am Morgen, wenn alles Dumme und Geistlose noch schläft, ein ausgiebiges Gespräch mit einem klugen Tier zu führen und dabei vielleicht noch einen Gedanken zu erwischen. Später, wenn es hell wird, wird keine Gelegenheit mehr dazu sein.
Mittwoch, 27. Januar 2010
An sich selbst.
So red dich nicht schon wieder fadenscheinig mit Paradigmenwechseln und fremden Handschriften heraus raus. — Die hübschesten Gschpängschtli züchtest du noch immer selbst, die Unlogischsten und Zweifelhaftesten, jene, die selbst am Tage keine Ruhe geben, und wahrlich einen ganzen Zoo davon. Wer zweifelt schon zuerst an sich selbst?
Dienstag, 26. Januar 2010
Beschlossen.
Paris also! Spät erst, zugegeben, es wird meine 23. Hauptstadt, Metropolen wie Vaduz und Monte Carlo einmal mitgerechnet, aber dafür mit grosser Vorfreude.
Montag, 25. Januar 2010
Aus der Tiefe.
Mit Verlaub, der kulinarische Erfolg des L0up de Mer1 ist abgesehen davon, dass er eben jetzt aufgrund jahrzehntelanger Überfischung an die Reihe gekommen und schlicht zur Mode geworden ist2, nicht unwesentlich der Tatsache zuzuschreiben, dass kaum ein Konsument weiss, wie diese Kreatur aussieht. Man bekommt ihn - zum Glück - meist hinreichend zerhackstückt. Und auch die Bilder, die unsere modernen Suchmaschinen in Sekunden zu Tausenden finden, zeigen interessanterweise zu einem beträchtlichen und vielleicht sogar überwiegenden Anteil ganz andere Fische. — Man muss nicht unbedingt alles wissen. Wichtig ist lediglich, dass man immer weiss, was gerade in ist. L0up de Mer ist insofern nur eine Variable im Universum des Konsums, quasi das iGerät zum Essen.
1 vor ein paar Jahren hiess er noch "Seeteufel" oder "Wolfsbarsch"
2 früher hätte man ihn über Bord geworfen
1 vor ein paar Jahren hiess er noch "Seeteufel" oder "Wolfsbarsch"
2 früher hätte man ihn über Bord geworfen
Sonntag, 24. Januar 2010
Mitbringsel.
Bei vielen Dingen, vor allem bei CDs, weiss ich nach Jahrzehnten noch, wo und in welcher Situation ich sie gekauft habe, was es für ein Tag war, was ich an diesem Tag getan und erlebt habe, insbesondere auf Reisen. Sie üben weniger den eigentlichen Charakter ihres Daseins aus, sondern mehr den der Erinnerung. Und der Verdacht ist nicht ganz unbegründet, dass dies schon beim Kauf durchaus eine Absicht war.
Freitag, 22. Januar 2010
0x (II)
Ein Nachtrag. Noch etwas haben die Nuller Jahre gebracht: die alternativlose Etablierung des Beliebtheitsprinzips - ein typisches Wiederkäuerphänomen. Daseinsberechtigt, erfolgreich, wertvoll, schützenswert, gut ist, was beliebt ist, was gefällt. "Die besten Hits der 80er, 90er und von heute." An diesem Spruch identifiziert man heute zweifelsfrei jedes Dudelradio. Gewiss, ähnliches gab es früher schon. Heute aber dominiert die Beliebtheit konsequent jeden Bereich, in dem man irgendeine Wahl hat - und das Bemerkenswerte daran ist: man hat die Wahl dadurch eben nicht mehr (oder man bezahlt einen hohen Preis dafür), man verliert sie stattdessen an den Konsens der Beliebtheit zulasten der Vielfalt, und irgendwann, es dauert gar nicht lange, kennt man gar nichts anderes. "Das trägt man heut nicht mehr."
Donnerstag, 21. Januar 2010
Mittwoch, 20. Januar 2010
Lieber nicht fragen.
46% der Amerikaner glauben, die Erde sei jünger als 10000 Jahre, las ich kürzlich. — Was, wenn die Ausstattung des Menschleins mit einem klugen Hirn nur ein Ausdruck von Ironie ist? Ein Scherz? (Gut, dass man in Europa keine so bösen Fragen stellt.)
Dienstag, 19. Januar 2010
Alles digital.
So werden für den künftig digitalen Menschen, jenen mit Lichtgeschwindigkeit auf der Datenautobahn reisenden Analphabeten, die Grenzen zwischen dem Realen und dem Abgebildeten verwischen. Er wird nicht mehr genau wissen und wissen müssen, was real und was Fiktion ist in seiner digitalen Welt. Es wird ihm gleich sein. Die Gegenstände seines Denkens und Handelns werden ausschliesslich darin sein. Er wird die reale, materielle Welt mit Argwohn betrachten und für sehr merkwürdig befinden, für fremd, für unnatürlich und am Ende auch noch für gefährlich. Ein paar niedere Dinge wird er noch mit ihr austauschen, Luft, Wasser, Nahrung und Abfall, denn den dummen, biologischen Aspekt seines Körpers zu verneinen kann ihm nicht vollständig gelingen. Er wird am Ende eine ganze Reihe Begriffe neu definieren müssen: Realität, Wahrheit, Vertrauen, Identität, Persönlichkeit, Wachsein, Bewegung, Volk, Land, Staat, selbst Raum und Zeit, um nur einige zu nennen. — Wir sind längst dabei.
T.M.
um
13:39:00
2
Kommentar(e)
abgelegt unter: Aus Hyperborea , Homo sapiens , Informationszeitalter
abgelegt unter: Aus Hyperborea , Homo sapiens , Informationszeitalter
Montag, 18. Januar 2010
Von den Steinkreisen.
Immer, wenn man heute irgendwo einen prähistorischen Steinkreis entdeckt, ist es ein astronomisches Observatorium. Dieser Schluss ist sonnenklar. Ein paar Linien zu einigen Punkten am Horizont sind schnell gezogen. — Komisch nur, dass heute kein Bauer mehr (obwohl der Bauer sehr wohl ein Naturmensch geblieben ist, ein Land- und Erdverbundener, ein Beobachter und Kenner seiner Umwelt) Astronomie betreibt und zwar selbst in gering entwickelten, vielleicht sogar noch nomadischen Kulturen beispielsweise in Afrika. Die Astronomie ist für Jäger, Ackerbauern, Hirten und Viehzüchter bedeutungslos. Ich behaupte, das war sie auch in prähistorischer Zeit, spätestens nämlich seit dem Zeitpunkt, als einer auf die Idee kam, die Tage oder Monde zwischen zwei Sonnenwenden zu zählen und damit die Dauer eines Jahres zu ermitteln. Und Dinge zählen konnte der Mensch seit ihm bewusst wurde, dass er zehn Finger hat. — Die prähistorische Astronomie, d.h. wesentlich die Sonnen- und Mondbeobachtung, hat eine andere Bedeutung, eine kultische, jedenfalls kaum eine primär agronomische.
Samstag, 16. Januar 2010
Von den Tieren (V)
Was freut dich am meisten an den Tieren? — Die Unschuld im Wesen. Der Mensch ist das Tier, das die Unschuld verloren hat.
Freitag, 15. Januar 2010
Innen und Aussen.
Was mich tatsächlich wundert in all der unsere historische Epoche prägenden Diskussion um Terror und Sicherheit ist der Umstand, dass darin die Komponente der Selbstreflexion weitgehend fehlt. Unser gesamtes Denken in dieser Frage ist klar nach aussen1 gerichtet. Man wird allerdings nicht umhinkommen zu bemerken, dass insbesondere der Westen mit seinen hocheffektiven Industrien die ganze Welt mit hinreichend billigen Waren überschwemmt, mit Technologien, mit Standards, kulturelle Erzeugnisse aller Art, Ethiken, Moralen und komplette Weltbilder mit eingerechnet, mit sog. Nachrichten und Unterhaltung, mit Lifestyle, Sex und buntem Glitzern. Und zwar spätestens seit dem Ende der Kolonialzeit, quasi in deren nahtloser Nachfolge. Nicht zuletzt übrigens auch mit Waffen und Protektionen. Hat man denn je angenommen, dies bliebe alles auf Dauer folgenlos? — Wir werden uns womöglich erst eine Vorstellung davon machen, was Kulturexport langfristig bedeutet, wenn China und Indien den westlichen Markt mit wahrhaft asiatischen Produkten überschwemmen, wenn im Radio, im Fernsehen und im Internet chinesisch gesprochen werden wird.
1 auch der Islamist im eigenen Lande ist ein äusserer Feind, es ist letztendlich eine Kulturfrage
1 auch der Islamist im eigenen Lande ist ein äusserer Feind, es ist letztendlich eine Kulturfrage
Donnerstag, 14. Januar 2010
Keine Traurigkeit.
Nein, Traurigkeit ist etwas anderes. In jenem anderen und zweifellos grösseren Teil der Welt, jenem Unerkannten und Unerkennbaren, keine Gottheit anzunehmen, d.h. konkret keine Gottheit hineinzuglauben, eine mich unbedingt liebende gar noch im besonderen, ist nicht traurig. Dahinter steckt schlicht eine subjektive Frage, die das Subjekt wesentlich mit seiner Vorstellung von der Welt beantwortet, d.h. mit seinem Potential, das, was es sieht, und das, was es nicht sieht, was es sich nicht einmal vorstellen kann, in eine erträgliche Übereinstimmung zu bringen und notfalls auch mit offenen Fragen umzugehen. Traurigkeit (oder auch Mitleid) ob des von ihm erlittenen Verlusts, der ihm also vermeintlich drohenden Leere und Banalität, der dann auch unvermeidlichen Sinnlosigkeit, wäre hier eine Art Phantomschmerz bzgl. einer Idee und Sehnsucht, die es womöglich nie besass. Aber wie sollte es daran leiden?
Mittwoch, 13. Januar 2010
Nicht zürnen.
Nein, nicht zürnen. Gerade in unsicheren, verunsichernden Zeiten.
Milde ist Zarathustra den Kranken. Wahrlich, er zürnt nicht ihren Arten des Trostes und Undanks. Mögen sie Genesende werden und Überwindende und einen höheren Leib sich schaffen! (Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, "Von den Hinterweltlern")Der Zorn versperrt Augen, Ohren und Herzen, die offenbleiben sollten, aus Klugheit und Vernunft. Und mit den Herzen auch Türen. Und vor den Türen auch noch Tore, grosse Tore in dicken Mauern. Der Zorn bringt das Übel in die Welt. Wer nicht zürnt, macht vielleicht seinen grössten Schritt.
Montag, 11. Januar 2010
Freitag, 8. Januar 2010
Konsequent neu.
Donnerstag, 7. Januar 2010
Der Spiesser.
Das Wesen des Spiessers? — Inneres Bewusstsein über die eigene, selbst als eng und zu eng empfundene intellektuelle Begrenztheit, tiefe Gewissheit, diese nicht überwinden zu können, Resignation sowie unverhohlener Neid designierten Nicht-Spiessern gegenüber.
Mittwoch, 6. Januar 2010
Vision in Blech.
"das Ende des Automobils, wie wir es kennen" sagte ich und meinte es nicht primär technisch. Das Elektroauto wird noch eine Zeitlang auf sich warten lassen. Ich prognostiziere hingegen bis dahin u.a. neue Formen der Benutzung und des Besitzes, gerade dem Trend zunehmender Verstädterung folgend. — Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, dass Autos künftig möglicherweise zum Wohnen gehören, d.h. zum Haus, zur Mietwohnung. Die Tiefgarage gehört ja jetzt schon zum Haus und ihre Verwaltung ist Sache des Vermieters. Warum sollte nicht ein Mietshaus mit sechs Mietparteien auch gleich über vier Autos verfügen, zwei grosse und zwei kleine? Die Autos gehörten dann dem Vermieter oder einer Vermietfirma, die ein Wohngebiet betreut. Die Kosten kämen mit der Nebenkostenabrechnung. Es entstünde eine sehr bequeme Mischform kollektiver Benutzung und quasi privaten Besitzes mit kurzen Wegen und grossem Komfort.
Dienstag, 5. Januar 2010
Im Stillen.
Enttäuscht? Nein, Enttäuschung ist das falsche Wort. Ich habe ja vorausgesagt, es werde so kommen, man werde die an Argumenten reiche und deshalb tatsächlich erhellende, durchaus wohlwollende und auch höfliche Kritik ganz zielgerichtet finster und am Ende noch unverschämt nennen. Man werde ihren Kern, nämlich das Rütteln an den Grundfesten, das Infragestellen des Prinzips, gar nicht verstehen können und sie konsequenterweise mit den üblichen Floskeln ablehnen müssen. Soviel war eigentlich vorher klar. Man schützt eben sein kleines Reich, ganz gleich worum es geht, solange Gut und Böse noch klar erkennbar sind, solange man nicht ernsthaft zweifeln muss und solange man in der Mehrheit, d.h. auf der sicheren Seite ist, denn die Mehrheit hat ja immer recht. So ist Rechthaben heute definiert. — Nein, Enttäuschung ist das falsche Wort. Es wäre überraschend gewesen, wäre es anders gekommen, einmal nur.
Montag, 4. Januar 2010
Stille (II)
Immer wenn es still wird, wenn man gar nichts mehr hört, wenn gar keiner1 mehr in der Öffentlichkeit sein Kluges und allzu Kluges absondert, auf dass es schleunigst - gulp - gulp - gulp - breitgepumpt werde, wird man misstrauisch und hellhörig: Die Stille wird erst merkwürdig, dann suspekt, dann schmerzlich. Stille bedeutet in der Politik nie etwas Gutes. — So weit ist es gekommen, meine Damen und Herren Politiker.
1 es sei denn vielleicht noch irgendein Altgedienter, ein Ehemaliger und netter Opa - Ehemalige dürfen ja sagen, was sie wollen, es spielt schlicht keine Rolle mehr
1 es sei denn vielleicht noch irgendein Altgedienter, ein Ehemaliger und netter Opa - Ehemalige dürfen ja sagen, was sie wollen, es spielt schlicht keine Rolle mehr
Sonntag, 3. Januar 2010
Zivilisation als Gegensatz von Kultur (II)
Noch einmal Kultur vs. Zivilisation (Spengler). — These: Eine typische Erscheinungsform von Zivilisation ist auch das Hervortreten des Künstlers, d.h. der Künstlerpersönlichkeit, des Stars und Superstars gegenüber dem Werk, d.h. der Kunst selbst, sowie als dessen Folge auch des Künstlerkultes (ein echter Personenkult mit allen Konsequenzen bis hin zum Reliquienhandel), jenes Klatschen bereits wenn er nur die Bühne betritt, die Autogrammjägerei, das Zurücktreten am Ende sogar aller Kritik zugunsten vermeintlicher Toleranz. — Der Künstler ist noch eine Mischform. Reine Zivilisation ist das Erscheinen des Prominenten als Kultperson, notfalls auch ganz ohne Werk. Irgendein Gesicht oder eine krebskranke Ehefrau genügen dann bereits.
Freitag, 1. Januar 2010
Die Erschaffung einer Welt.
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