Sonntag, 28. Februar 2010

Zurück.

Noch ein wenig zerzaust von der Reise. — Wenigstens liegt kein Schnee mehr.

Freitag, 26. Februar 2010

Von den Scharlatanen.

Was jene Scharlatane betrifft, so ist noch zu bemerken, dass man offensichtlich immer dem mehr glaubt, der das sagt, was man hören will. Drum ist das Überzeugen tatsächlich Arbeit, das Übereinstimmen nicht. Man kann hundertmal jemanden vor etwas warnen, ein einziger genügt, um all das mit einem lächelnden Kopfschütteln zu entkräften, wenn der Leichtgläubige es entkräftet haben will1. Kluge Scharlatane finden das im Vorfeld heraus und sagen immer genau das Richtige. Jedoch fallen selbst klügste Fragesteller nur allzu leicht darauf rein. Man sucht immer die Sicherheit im Gemeinsamen, im Zweifelsfreien. — Man ist Herdentier.

1 Und der Warnende bleibt selbst dann der Böse, wenn der Grund seiner Warnung eines Tages zutrifft, wenn also die Entkräftung falsch war. Dann wirft man ihm noch vor, dass er nicht richtig gewarnt habe.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Sprüche (206)

Unsicher ist jeder auf seine individuelle Art. — Der eine schreit laut vor Angst, der andere schweigt ebenso laut.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Sprüche (205)

Die Akzeptanz von Scharlatanen ist direkt proportional zur Dringlichkeit des Problems, das man loswerden will.

Dienstag, 23. Februar 2010

Weltflucht (II)

Der Mensch ist offensichtlich das einzige Tier1, das Weltfluchtmechanismen entwickelt und diese konsequent und massenhaft anwendet. Wir alle tun das inzwischen jeden Tag, man braucht nur das Fernsehen einschalten. Wie kam es dazu, dass er die Realität nicht erträgt, die er doch wesentlich mit geschaffen hat und fortwährend prägt? Was unterscheidet ihn von anderen klugen Tieren?

1 selbst die vielzitierte Selbsttötung im Gefahrenfalle bei Skorpionen mittels ihres Giftstachels hält man neuerdings für eine Legende

Montag, 22. Februar 2010

Vom Potential der Ungünstigkeit.

Eine weitere Erscheinung, die den vermeintlichen Passivcharakter des Denkens unterstreicht, ist die, dass man doch die besten Ideen immer im dümmsten, unpassendsten Augenblick hat - beim Autofahren, unter der Dusche, im Schlaf, auf dem Thron. Sie entstehen irgendwie unbemerkt und nebenläufig, aus dem Nichts. Und man ist dann nicht einmal in der Lage, sie im Kopf zu behalten. Schon ein paar Minuten später hat man sie, da man natürlich des Aufschreibens in dem Moment nicht mächtig war, konsequent wieder vergessen. (Man weiss aber interessanterweise noch, dass man sie gehabt hat, das vergisst man nie.) — Man sollte sich, um Kreativität bemüht, ganz zielstrebig in möglichst ungünstige Situationen bringen.

Sonntag, 21. Februar 2010

Klein und gross.

Oft kann man im Kleinen besser und deutlicher etwas ablesen als im Grossen. — Am sog. Leistungssport sieht man diesertage bemerkenswert klar, wohin etablierte und völlig verselbständigte, nie mehr hinterfragte, im Gegenteil offen propagierte, ja sogar eingeforderte Wachstumsideologie - höher, schneller, weiter, immer mehr und dann noch mehr - überraschend konsequent führt: in schlichte Dekadenz und am Ende auch in lebensgefährliche Idiotie. — Aber der Sport ist, wie gesagt, nur ein kleines, ein Randphänomen.

Freitag, 19. Februar 2010

Sprüche (204)

Als Schweizer hat man spätestens Ende Februar eine anständige Knieverletzung. Das gehört sich so. Und anderenfalls ist man einfach ein armer Hund. — Also ranhalten!

Donnerstag, 18. Februar 2010

Nicht durch offene Türen schauen.

Wie miteinander sprechen, wenn keine gemeinsame Sprache besteht? Und hinter den Worten keine gemeinsamen Begriffe? Und hinter den Begriffen kein gemeinsames Meinen? Wenn die kleine Welt des Einen nur ein überwundener Teil der Welt des Anderen ist? — Bei kleinen Menschen sind immer auch die Probleme klein, die Wahrheiten einfach, die Entschlüsse fest, die Lösungen schnell. Ein subjektives Phänomen. Aber wehe, es steht einmal ein Türspalt offen, durch den Licht von ferne hereindringt, ein Windhauch, ein fremder, zweifelhafter Geruch, und ein unbedacht neugieriger Blick zeigt einen weitereren Horizont weit hinter allem Gewohnten ... ihre Welt kann dann nicht mehr dieselbe sein.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Von der Entrüstung.

Ein Lebensgefühl des modernen, informierten Menschen? — Entrüstung! Vor allem über all das Schlimme, das bisher schleichend und faulend unter ihm weilte, von dem er ja nichts wusste!!!, bis man ihm verantwortungsvoll die Augen öffnete. Entrüstung ist heute etwas Grundlegendes geworden, jeder ist entrüstet und Teil grosser Entrüstungskollektive, damit positioniert man sich, man bekennt sich zur richtigen Seite, Schaf oder Wolf. Entweder man beteiligt sich an der industriellen Skandalproduktion oder man entrüstet sich über ihre Erzeugnisse. Am Ende entrüstet man sich auch über die eigene Schein- und Schweinheiligkeit.

Dienstag, 16. Februar 2010

Sprüche (203)

Wenn du mit Klarheit nicht überzeugen kannst, musst du verwirren. (S.F.)

Die eine und die andere Seite.

Gut und Böse sind frühe Erzeugnisse des schwachen (!) Menschen. Er schafft und vererbt sich kleine Sicherheiten und warme Plätzchen damit, mindestens gedachte, solche sind schon viel wert. Es rettet sich und die seinen auf die eine, schützende Seite und verdammt die andere, gefährliche. Schon Kinder kennen den Unterschied genau. Und wer sich dennoch dorthin wagt, ein Held und Drachentöter etwa, braucht zweifellos Mut und Kraft, Ausdauer und Entschlossenheit, Klugheit und vielleicht1 sogar Geist. — Dinge jedenfalls, die ihm auf der sicheren Seite nichts nützen.

1 wie, ein geistvoller Held? — eine offene Frage ...

Montag, 15. Februar 2010

Sprüche (202)

Ob "Ja" oder "I-a" — wo ist der Unterschied?

Freitag, 12. Februar 2010

Für niemanden.

Mein Mundwerk - ist des Volks: zu grob und herzlich rede ich für die Seidenhasen. Und noch fremder klingt mein Wort allen Tinten-Fischen und Feder-Füchsen. (Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra)
Und so schreibst du also für gar niemanden? Aber du schreibst für dich selbst. Bist du ein Niemand? Und für ein paar Verirrte, versprengte Deserteure oft, die nun bei Dunkelheit von Unterschlupf zu Unterschlupf huschen, in Keller einbrechen und an die Einweckgläser gehen, die Waffe längst verhasst, aber noch immer schussbereit ... oder angelandete, halb tote Schiffbrüchige, hungrig und elend, Haifischen näher als irgendwem sonst und selbst schon halb Hai. — Nein, nicht für Niemande. Und nicht für die Schlechtesten.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Selektion.

Versuch: Wie schnell die Selektion von Informationen geschieht, wie unbemerkt es gehen kann und wie stark man auch in einem vermeintlich gänzlich freien Medium ohne eigenes Zutun eingeschränkt wird, kann man gut beobachten, wenn man oben in der grauen Leiste einmal dem Link "Nächstes Blog>>" nachgeht. — Es ist wirklich bemerkenswert, man landet immer zielsicher auf denselben Seiten. Offenbar hängt es davon ab, von welcher Seite man kommt, und mit jedem Schritt wird die Auswahl geringer, wobei mir die Kriterien noch nicht ganz klar sind. Es gibt von "Wir Hyperboreer" aus offenbar zwei mögliche Endpunkte:
  • sog. Kreativblogs, d.h. Handarbeiten aller Art (Basteln, Stricken, Häkeln, Stempeln1)
  • (seltener) gelebtes Christentum
Man gelangt nach spätestens zehn Klicks ohne Umwege in eine der beiden Richtungen und verlässt diese definitiv nicht mehr. Am Ende dreht man sich gar konsequent im Kreis zwischen drei, vier rotierenden Seiten. Man kann das Experiment an mehreren Tagen und zu verschiedenen Tageszeiten wiederholen, das Resultat ist immer gleich.

Man darf nun nicht immer gleich mit Verschwörungstheorien argumentieren. Es gibt durchaus auch Zufälle, es gibt technische Unzulänglichkeiten, unausgereifte Entwicklungen, Stümpereien usw. Das Resultat allerdings ist handfest eingeschränkte Vielfalt zugunsten überraschend weniger, nur noch einer Handvoll unter Tausenden möglichen Seiten! Und man bemerkt vielleicht in letzter Zeit an vielen Stellen bereits ganz ähnliche Effekte: man sieht auf magische Weise oft das, was man schon kennt, wohin man sich vielleicht nur einmal verirrt hat, d.h. wofür man sich möglicherweise interessiert oder zumindest vermeintlich interessiert usw. — Die virtuelle Welt tendiert zunehmend zu vermeintlichem Vorwissen und orientiert sich daran. Ein Merkmal der Dekadenz.

Was aber nun, wenn dies nicht nur erklärte Belanglosigkeiten wie Blogs betrifft, sondern konsequent auch Informationen, die dringend zur Entscheidungsfindung benötigt werden, mit denen Meinungen und Überzeugungen gemacht, Begehrlichkeiten geweckt und gesteuert werden? Was, wenn eines Tages verschiedene Personen auf derselben Internetseite nicht mehr dasselbe sehen, sondern jeder das, was er (in Abhängigkeit davon, was er in den letzten Tagen alles angeklickt und gelesen hat) sehen soll, und zwar im grossen Stile? Bei Internet-Werbung ist dies ja längst Realität.

1 Stempeln - ich weiss, ehrlich gesagt, nicht, was das ist, ich meine: im Sinne einer Freizeitbeschäftigung. Aber es gibt aber gleich mehrere Blogs dazu.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Von neuen Banken.

Wenn eines nicht mehr allzu fernen Tages Informationen tatsächlich zur wesentlichen Ware geworden sein werden, dann muss man also Datensammler, jene mysteriösen Dunkelmänner, die heute schon1 ganz im Stillen alles sammeln, speichern, sortieren und kombinieren, was nicht ausdrücklich verboten ist (und wahrscheinlich auch dies), konsequent als zukünftige Bänker bezeichnen. Suchmaschinen und Plattformen sog. "sozialer" Netzwerke sind letztendlich Banken, d.h. kommerzielle Kapitalsammelstellen. — Wir tragen unsere Schätze hin und bekommen einen kleinen Zins zurück. Die Gewinne schöpft die Bank selbst ab.

1 unter kluger Nutzung von noch bestehenden Rechtslücken sowie auch Naivetäten und Unbewusstheiten sowohl bei Einzelnen wie auch in der Politik, beim Gesetzgeber, bei Institutionen

Montag, 8. Februar 2010

Das Glück finden (VI)

Etwas mit den eigenen Händen machen, für das man üblicherweise spezialisierte Werkzeuge einsetzt oder heutzutage gleich eine Dienstleistung in Anspruch nimmt. Etwas aus Holz schnitzen, ein paar Drähte zusammenlöten, einen Brief auf richtiges Papier schreiben, ein Bild malen, etwas kochen. Sich an dessen Entwicklung freuen. Daran wachsen.

Sonntag, 7. Februar 2010

Das Glück finden (V)

Ein Kaspertheater veranstalten, ich meine ein richtiges, für Kinder, mit Handpuppen. Eine Wäscheleine zwischen zwei Bäumen und ein darübergeworfenes Bettlaken genügen bereits. Persönlich das Krokodil (also sich selbst) spielen. — Ein Krokodil muss dabeisein, das ist wichtig. Ohne funktioniert es nicht, das Krokodil ist das Puppentheater. Es ist zweifellos der interessanteste Charakter, auch wenn und vielleicht gerade weil es eine Menge Prügel einstecken muss. Aber ehrlich, niemand will doch den altklugen Kasper oder den etwas drögen Polizisten sehen.

Samstag, 6. Februar 2010

Das Glück finden (IV)

Etwas erfinden, etwas das niemand sonst hat - das heisst ja auch, etwas wozu bislang noch niemand den Mut hatte. Ein schlaues Wort wenigstens, besser natürlich irgendetwas Praktisches, ein Werkzeug o.ä., etwas mit dem man etwas anfangen kann, das vielleicht sogar anderen nützlich ist. Anderen gegenüber betonen, es sei noch nicht ganz ausgereift. Der Versuch allein ist es schon wert, auch wenn es ein Fehlschlag wird.

Freitag, 5. Februar 2010

Das Glück finden (III)

Zu fuss gehen. Ich meine, eine ganze Strecke weit, weiter als die üblichen 100m pro Tag, am besten auf einen anständigen Berg, den aus eigener Kraft zu besteigen man aus Gewohnheit nie für möglich hielt. Sie werden einen schon tragen, diese merkwürdigen Extremitäten, von denen man nie so recht wusste, was damit anfangen, ausser ein Gaspedal treten natürlich. Dabei die Langsamkeit geniessen. Eine Kuh nach dem Weg fragen - zur Sicherheit lieber noch einen Blick auf eine altmodische Landkarte werfen - den Wind spüren und die Wolken im Blick behalten, die Waldluft riechen, ein paar Blaubeeren essen, einem Bienchen bei der Arbeit zuschauen, unter freiem Himmel frühstücken, am besten auf einem Felsen oder einer schönen Wiese.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Das Glück finden (II)

Etwas tun, das man schon 30 Jahre nicht mehr gemacht hat:
  • ein anständiges Papierflugzeug (oder einen Drachen) bauen,
  • mit einem Schlitten rodeln gehen und laut "Platz da!" rufen1,
  • wiedereinmal eine Scheibe Brot in Butter braten oder
  • Spaghetti kochen und mit Gemüsebouillon-Pulver bestreut geniessen.
Der Wert der Handlung steigt, je länger ihre letzte Ausführung zurückliegt. — Man kann diese nun auf zwei Arten erledigen: genau so, wie man sie damals gemacht hat, und so, wie man sie damals machen wollte, aber nie konnte. Beides hat seinen Reiz.

1 Es müssen Leute da sein, die entsetzt zur Seite springen, sonst macht es keinen Spass ...

Mittwoch, 3. Februar 2010

Das Glück finden (I)

Danach suchen werden wir nicht, dieses Suchen wird Glückssache und also vergeblich sein. Suchen kann jeder. Drum werden wir gleich mit dem Finden beginnen. — Man muss sicher klein anfangen, sich vielleicht zunächst und auch nur als Versuch einmal damit begnügen, trotzig "So bin ich." zu sagen. Möglicherweise nachdem man etwas entgegen aller Erwartungen ausgerechnet so und so gemacht und damit fragende, um nicht zu hoffen: entsetzte Gesichter hervorgerufen hat. Und bevor noch jemand antworten kann, schiebt man noch "Damit Ihr's wisst!" und "Ich mach das jetzt immer so!" nach. Es ist ganz leicht.

Dienstag, 2. Februar 2010

Von der Masse.

Die Masse ein vierter Stand? — Man darf vermuten, die Masse wird infolge ihrer Zahl zunächst zum dominierenden, am Ende aufgrund ihres hohen Integrationspotentials sogar zum einzigen Stand. Sie schafft und sichert sich dahingehend mit beeindruckender Geschwindigkeit alle Möglichkeiten: Zeitgeist, lifestyle, Geschmack, Politik, Medien, Recht, Ethik, Sitte, Moral, nicht zuletzt auch Religion und Weltverständnis. Daneben existieren noch ein paar mit irrem Blick umherirrende, nicht zuzuordnende Einzelne (jeweils Dumme oder Kluge, je nach Sichtweise ...), lichtscheue Querköpfe und Querulanten jedenfalls, deren Frage sich biologisch löst. Die Masse ist etwas, das sich selbst konsequent aller Alternativen beraubt. Sie besitzt folglich eine negative und ausschliessende Definition, sie ist 100% Rest.

Montag, 1. Februar 2010

Alternativen suchen.

Man sollte es jungen Menschen als Pflicht und Lebensgefühl anerziehen: Alternativen suchen, mindestens drei verschiedene, und dann die beste daraus wählen, eine einzige Lösung nicht als erstrebenswert, schon gar nicht als Ziel betrachten, ein vorschnelles "Ich habe nichts anderes gefunden" als "Ich habe nicht richtig gesucht" begreifen, nie - und der Kurzschluss lieg nur allzu nahe - allein durch Alternativlosigkeit überzeugt sein, d.h. auch Überzeugungen anderer auf den Grund gehen, insbesondere denen der gar zu Überzeugten, gar zu Sicheren.