Zählt man heute die seit Mitte des 19.Jahrhunderts aufgekommenen Begriffe mit dem Präfix "Über" auf, Begriffe der Vertikalität: Überbau, Über-Mensch, Über-Ich, übernatürlich, später dann auch auch Hyperinflation, Überkapazität, Überbevölkerung, Überfluss und am Ende noch Overkill1, so wird der selbstbewusste Beobachter des beginnenden 21.Jahrhunderts zumindest noch einen weiteren, nachhaltigen hinzufügen dürfen: Überwachung2. (Und der des späten 20. Jahrhunderts glaubte tatsächlich, er habe ihn überwunden ...)
1 ein Gedanke nach Sloterdijk
2 bei Wikipedia schon auf Platz 6 der ersten zehn Suchvorschläge nach Eingabe von "über", auf Platz 7 bei "übe", noch immer auf Platz 8 bei "üb" - dieses Wort ist offensichtlich sehr bedeutsam
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Freitag, 30. April 2010
Donnerstag, 29. April 2010
Ungewissheit.
Zum Glück gibt's inzwischen Webcams, die einem sagen, es liegt noch immer Schnee, leider, und die Murmeltiere schlafen ohnehin noch1. Der einsame Wanderer hätte ansonsten wohl längst den einen oder anderen, vorsichtigen Erkundungsgang unternehmen müssen, um der quälenden Ungewissheit, dem inneren "Hinauf! Hinauf!" herrzuwerden. — Noch ein paar Tage ...
1 aber nicht mehr lange
1 aber nicht mehr lange
Mittwoch, 28. April 2010
Sprüche (211)
Naivetät verlieren heisst nicht unwesentlich — ein dumpfes Bauchgefühl dafür entwickeln, dass sich etwas schlicht zu einfach darstellt, einfacher als es tatsächlich ist, und einen zuverlässigen Instinkt daraus machen.
Dienstag, 27. April 2010
Komisch.
Dass einer die kostbaren Erkennungszeichen seines Zorn- oder Freuden- oder allgemeiner: seines Erlebniskollektives nur allzu offensichtlich vor sich her trägt - man denkt unweigerlich an fahnenschwingende Fussball- oder Eishockeyfans - wirkt in jenen Momenten unfreiwillig komisch, in denen er uns allein und ohne sein Kollektiv gegenübersteht, und noch komischer wird es, wenn er unverhofft gar in ein fremdes gerät ... — Das Phänomen ist allerdings weder auf Sportfans noch auf Männer beschränkt. (vergl. hier)
Montag, 26. April 2010
Am Pol.
Wer auf dem Lande wohnt, mit Kühen, Schafen und dicken Katzen als Nachbarn, der muss in einer Weltstadt1, in deren Getriebe und Mahlwerk er unverhofft gerät, zweifellos einen tiefen Schock erfahren. Die Beobachtung dessen, was an solchen Orten allmorgendlich im Berufsverkehr sowohl in den Katakomben der Metro, auf den Bahnhöfen, Strassen und Bürogebäuden abläuft, aber auch auf der gegenüberliegenden Seite: in den gigantischen Konsumpalästen und öffentlichen Einrichtungen, muss Fragen aufwerfen. — Fragen vor allem hinsichtlich der Freiheit des Individuums, hinsichtlich der Individualität, der Möglichkeit zur Individualität überhaupt. Der Einzelne verliert hier definitiv einen ganzen Teil seines Individualcharakters, wird Massenmensch, dann nur noch Masse. Er fliesst mit in den ihn umgebenden Strömen, genauer: er wird geflossen, der Passivcharakter ist hier relevant. Die Fortgeschrittenheit dieses Phänomens zeigt bereits Eigenschaften eines kollektiven, besinnungslosen Rausches2, in den man sich tagtäglich begibt, immer beidseitig wie gesagt, d.h. eben nicht nur gezwungenermassen in der Arbeitswelt zur Erbringung seines Lebensunterhalts, nicht nur unfreiwillig, sklavenhaft, sondern durchaus auch aus eigenem Antrieb und sehr wohl freiwillig, nämlich im Konsum, beim Essen, in der Kommunikation, im Erleben und abends noch beim Fernsehen. Individualität unter solchen, modernen Bedingungen bedeutet Wahlfreiheit in der Teilnahme am gänzlich Unindividuellen, am Uniformen. — Unsere modernen, westlichen Weltgrossstädte sind in dieser Hinsicht beachtliche Polstellen bislang weitgehend fehlbewerteter, westlicher Unfreiheit und Unindividualität.
1 und zwar einer wahrhaft Spenglerschen Ausprägung einer solchen in ihrer Rolle als Endstadium einer Zivilisation, man erinnere sich an Fritz Langs Metropolis, d.h. an die Zukunft
2 man bemerkt übrigens bei genauem Hinsehen auch, wie sehr dies den Leuten zusetzt, man gewinnt den Eindruck, viele Leute wollen so schnell wie möglich vor allem den kollektiven Verkehrsströmen und ihrem Lärm entrinnen, d.h. durchkommen, weiter, vorwärts und drum immer schneller, man ist genervt, es wird gerempelt, gehetzt usw.
1 und zwar einer wahrhaft Spenglerschen Ausprägung einer solchen in ihrer Rolle als Endstadium einer Zivilisation, man erinnere sich an Fritz Langs Metropolis, d.h. an die Zukunft
2 man bemerkt übrigens bei genauem Hinsehen auch, wie sehr dies den Leuten zusetzt, man gewinnt den Eindruck, viele Leute wollen so schnell wie möglich vor allem den kollektiven Verkehrsströmen und ihrem Lärm entrinnen, d.h. durchkommen, weiter, vorwärts und drum immer schneller, man ist genervt, es wird gerempelt, gehetzt usw.
Samstag, 24. April 2010
Der Lauf der Dinge.
Freitag, 16. April 2010
Neuer Luxus.
Man muss, will man als wach geblieben gelten, auch zu folgender Überlegung bereit sein: so ein halbherziger Krieg, wie ihn zahlreiche westliche Staaten momentan in Afghanistan (und nicht zu vergessen: auch andernorts) führen, ist u.a. auch ein gesellschaftlicher Luxus, ein Überflussprodukt - wie politische Reförmchen, aufgeblasene Verwaltungen, Moden und Ideologien. Eine konsequente Umsetzung des Prinzips völliger Konzeptions- und Ideenlosigkeit unter verhängnisvollen Bedingungen:
2 bis hin zum Mittel der politischen Lüge
3 man halte sich auch vor Augen, wie demokratische Entscheidungsprinzipien unter dem Einfluss von Parteidisziplin, Lobbyismus, Wahlkampf und Machtkorrumption aussehen
4 ja, demokratische Legitimation ist heute eine notwendige Bedingung für Krieg, nicht etwa ein zuverlässiges Mittel dagegen!
- vermeintlich1 noch vorhandene, öffentliche Mittel,
- aktiv geschaffene2 Intransparenz, dadurch mangelnde öffentliche Kontrolle,
- demokratische Legitimation3,4, d.h. wir sind die Guten und von vornherein ausgeschlossene Möglichkeit eines Fehlers,
- Bündnisfall, falsche Freunde.
2 bis hin zum Mittel der politischen Lüge
3 man halte sich auch vor Augen, wie demokratische Entscheidungsprinzipien unter dem Einfluss von Parteidisziplin, Lobbyismus, Wahlkampf und Machtkorrumption aussehen
4 ja, demokratische Legitimation ist heute eine notwendige Bedingung für Krieg, nicht etwa ein zuverlässiges Mittel dagegen!
Donnerstag, 15. April 2010
Von der Transparenz.
Viele Dinge, die das Menschlein sich erdenkt - Staaten, Sozialsysteme, Firmen, Religionen, Multimediangebote, Computernetze, elektronische Geräte - haben offensichtlich während ihrer Entwicklung und Weiterentwicklung die Tendenz sich dabei fortwährend immer weiter und so sehr zu verkomplizieren, dass am Ende ebenso plötzlich wie einstimmig Intransparenz festgestellt werden muss. Uns fehlt generell ein Sinn dafür, man merkt es nicht, es passiert unweigerlich und auch unter den schärfsten Vorkehrungen: wir entwickeln Dinge systematisch über ihre Beherrschbarkeit hinaus. Dann gibt es offensichtlich immer nur zwei Möglichkeiten: Problemlösung mit Hilfe weiterer Verkomplizierung oder wirklicher Bruch und Neuanfang, wobei die Wahrscheinlichkeit für erstere Variante weit höher ist und noch zunimmt, je länger und kostspieliger der Weg seit dem Beginn bereits ist. Die Entwicklung hin zur Schaffung oder selbst nur unter Beibeihaltung von Transparenz und Beherrschbarkeit (was überhaupt erst einmal die Anerkenntnis ihres Wertes sowie auch die der eigenen Beschränktheit voraussetzte) ist etwas, das der Mensch erst noch lernen muss. Es wird möglicherweise eines Tages Fachleute speziell dafür geben.
Mittwoch, 14. April 2010
Unklar.
Frauen kaufen im Laufe ihres Lebens im Durchschnitt über zwei Jahre lang ein, las ich kürzlich. Täglich zehn Minuten vor dem Spiegel - das macht in 75 Jahren auch gerade einmal 190 Tage. Sie leben allerdings (in Industriestaaten) sechs bis acht Jahre länger als Männer, es bleibt also noch nennenswert etwas übrig. — Was machen sie mit all der Zeit?
Dienstag, 13. April 2010
Zielsicher benannt.
Man erkennt all die neuen, überflüssigen Errungenschaften in unserer virtuellen Welt bemerkenswerterweise bereits daran, dass sie ausgesprochen dämliche Namen haben. Man achte einmal darauf. Man muss ja immer berücksichtigen, diese Namen sind von Leuten erfunden, die sich dazu explizit Gedanken gemacht und diese dann einem Gremium zur Entscheidungsfindung vorgelegt haben, von Fachleuten, im Hinblick auf eine Zielgruppe, auf ihren eigenen, kommerziellen Erfolg usw. Google war seinerzeit (zweite Hälfte der 90er Jahre) ein früher Wegbereiter. Was hat sich also einer gedacht, der sein Produkt Yoomla nennt? Oder Bing, Xing, Yasni usw.? Wer ist dessen designierte Zielgruppe? Welche Sprache soll das sein? Was soll es ausdrücken? Und warum springt man auf diesen Zug ins Reich der Albernheit auf? — Müssig, überhaupt über diese Fragen nachzudenken. Man kann getrost eine Art Spam-Filter auf diese Namen legen. Dieses Kriterium ist fast untrüglich. Das gilt übrigens durchaus auch für Autos.
Montag, 12. April 2010
Unter Zweifeln.
Am heftigsten geschieht die Erschütterung eines kleinen Glaubens, wenn dieser unter Schmerzen geboren ward. Dann besteht bei dessen Protagonist selbst noch ein Zweifel daran, den zu unterdrücken ihn fortwährend und auch in Ruhe Kraft kostet. Eine einfache Frage genügt dann schon oder ein Lächeln im falschen Moment, ein Zögern, ein Blick, und der Widerspruch zwischen vermeintlicher Sicherheit und tatsächlicher Unsicherheit, den er doch so wirksam hinweggeglaubt hatte, tritt einfach offen und bitter zu Tage.
Sonntag, 11. April 2010
Freitag, 9. April 2010
Sprüche (210)
Die erste Million Schulden ist die Schwerste. — Man hat noch das Gewissen gegen sich, später nur noch Gläubiger.
Donnerstag, 8. April 2010
Leid und Glaube.
Wo Leid ist, da ist immer auch Glaube. Zumindest der Keim dazu, nämlich wenn Hoffnung in Aussicht steht. Man könnte auch formulieren, Leid senke die Hürden der Irrationalität. Das muss man wissen, wenn man beispielsweise mit Kranken spricht, wenn es um alternative Therapien geht, um Ärzte, um Medikamente, um Änderungen in der Lebensführung, der liebgewordenen Gewohnheiten usw. Wirkung und Erfolg hängen ganz wesentlich davon ab. — Dass Ärzte früher Schamanen waren, also zur Hälfte Priester, hatte schon seine Bewandtnis.
Mittwoch, 7. April 2010
Nichts weiter.
Es gibt heute Leute, vorwiegend solche, die vom klugen Reden leben, die jeden ihrer Sätze so beginnen, dass dem Zuhörer (und zwar auch dem, der nicht immer folgen kann) unmissverständlich klar wird, am Ende komme eine Pointe. Das Event, um ein zeitgemässes Wort zu gebrauchen, besteht dann nicht einmal mehr im Reden, sondern nur noch im Sagen. Es lässt dem Zuhörer und seiner Phantasie keinen Raum mehr, er weiss, wann er lachen muss, schön portionsweise, Satz für Satz, nur keine langen Bögen, und jeder Satz ein Treffer. Bemerkenswert an dieser Art rhetorischen Langstreckentiefflugs ist, dass nichts davon hängenbleibt. Es fliesst wie Wasser beim Duschen an einem herunter. — Ihr Plappern, Herr Willemsen, ist zelebrierte Belanglosigkeit.
Dienstag, 6. April 2010
Sprüche (209)
In diesem Jahr noch gar keine Fischpredigt gehalten. Vielleicht ein Resultat allumfassender Überfischung. — So wirst du am Ende noch Mollusken und Schalentieren predigen müssen.
Montag, 5. April 2010
Samstag, 3. April 2010
Offene Briefe (IX)
Sehr geehrte Frau Merkel,
als deutscher Staatsbürger darf ich das Wort stellvertretend an Sie richten. Ihre Hintermänner (und die ehemaligen Ihrer vorhergehenden sowie der Schröder-Regierung) dürfen gern mitlesen. Es geht mir nicht um viel. Nur ...
... unterlassen Sie doch endlich diese Scheinheiligkeiten. Tun Sie doch nicht so erbärmlich entsetzt, wenn nun (und künftig wohl immer mehr) deutsche Soldaten liegend oder gar in Einzelteilen nach Hause kommen. Mit welcher Legitimation wollen Sie sich denn glaubhaft auf die Position versteifen, Sie hätten nicht gewusst, dass ein Krieg auch Tote, Verletzte und unschuldig von unendlichem Leid Betroffene - Zivilisten, Kinder, gar eigene Leute bzw. Verbündete - mit sich bringt? Wer sind Sie denn? In Deutschland weiss man (offenbar im Gegensatz zu Ihnen) üblicherweise ganz gut darüber bescheid, was ein Krieg ist. Vielleicht fragen Sie einmal bei den Älteren nach. Einfach mal zuhören. Oder, falls Sie gehobenere Quellen bevorzugen, fragen Sie Ihren Freund Putin. Er kann Ihnen sicher zahlreiche Gesprächspartner mit Ortskenntnis vermitteln.
Ich darf Sie vielleicht ferner auch daran erinnern, woher all die Waffen und deren offensichtlich reibungslos und kontinuierlich nachgeschobene Munition kommen, mit denen jetzt deutsche Soldaten beschossen werden, zweitens wohin das Öl fliesst, mit dem diese Waffen bezahlt werden (nämlich auch - ich spreche das einmal ganz explizit aus, damit es nicht noch Missverständnisse gibt - in die Tanks unter anderem ziemlich deutscher Autos), drittens auch wo denn die wesentlichen Absatzmärkte für afghanische Drogen eigentlich liegen. Der vor allem in Amerika sog. "war against terrorism" erhält vor diesem Hintergrund schon noch ein paar andere, durchaus illustre Aspekte und erhellende Kreisläufe: es handelt sich letztendlich von wesentlichen Betrachtungswinkeln her um einen Krieg des Westens mit und gegen1 sich selbst in einem der letzten, wegen seiner Unwirtlichkeit noch verbliebenen Niemandslande der Welt, einer Art Spielplatz oder Sandkasten also, wo ein paar tausend Tote niemand tatsächlich Nennenswertem2 wirklich wehtun. Auch dessen Halbherzig- und Endlosigkeit, selbst Ihre verlogene Nicht-Krieg-Terminologie, Frau Kanzlerin, sind ein bemerkenswerter Ausdruck davon. Man muss nur hinschauen, wie ich immer sage. Dieser Krieg ist ein Eingeständnis der Unfähigkeit des gesamten Westens, sich und sein Inneres auch nur ansatzweise dahingehend zu begreifen. (Zugegeben, diese Feststellung macht Tote auch nicht wieder lebendig.) Vielleicht denken Sie in dieser Richtung einmal weiter.
Mit zunehmend abnehmender Hochachtung
T.M.
1 willkommen in der Welt, Schäfchen!
2 im Krieg gibt es keinen Zynismus mehr, der Krieg hat seine eigene, kühle, emotionslose Sprache
als deutscher Staatsbürger darf ich das Wort stellvertretend an Sie richten. Ihre Hintermänner (und die ehemaligen Ihrer vorhergehenden sowie der Schröder-Regierung) dürfen gern mitlesen. Es geht mir nicht um viel. Nur ...
... unterlassen Sie doch endlich diese Scheinheiligkeiten. Tun Sie doch nicht so erbärmlich entsetzt, wenn nun (und künftig wohl immer mehr) deutsche Soldaten liegend oder gar in Einzelteilen nach Hause kommen. Mit welcher Legitimation wollen Sie sich denn glaubhaft auf die Position versteifen, Sie hätten nicht gewusst, dass ein Krieg auch Tote, Verletzte und unschuldig von unendlichem Leid Betroffene - Zivilisten, Kinder, gar eigene Leute bzw. Verbündete - mit sich bringt? Wer sind Sie denn? In Deutschland weiss man (offenbar im Gegensatz zu Ihnen) üblicherweise ganz gut darüber bescheid, was ein Krieg ist. Vielleicht fragen Sie einmal bei den Älteren nach. Einfach mal zuhören. Oder, falls Sie gehobenere Quellen bevorzugen, fragen Sie Ihren Freund Putin. Er kann Ihnen sicher zahlreiche Gesprächspartner mit Ortskenntnis vermitteln.
Ich darf Sie vielleicht ferner auch daran erinnern, woher all die Waffen und deren offensichtlich reibungslos und kontinuierlich nachgeschobene Munition kommen, mit denen jetzt deutsche Soldaten beschossen werden, zweitens wohin das Öl fliesst, mit dem diese Waffen bezahlt werden (nämlich auch - ich spreche das einmal ganz explizit aus, damit es nicht noch Missverständnisse gibt - in die Tanks unter anderem ziemlich deutscher Autos), drittens auch wo denn die wesentlichen Absatzmärkte für afghanische Drogen eigentlich liegen. Der vor allem in Amerika sog. "war against terrorism" erhält vor diesem Hintergrund schon noch ein paar andere, durchaus illustre Aspekte und erhellende Kreisläufe: es handelt sich letztendlich von wesentlichen Betrachtungswinkeln her um einen Krieg des Westens mit und gegen1 sich selbst in einem der letzten, wegen seiner Unwirtlichkeit noch verbliebenen Niemandslande der Welt, einer Art Spielplatz oder Sandkasten also, wo ein paar tausend Tote niemand tatsächlich Nennenswertem2 wirklich wehtun. Auch dessen Halbherzig- und Endlosigkeit, selbst Ihre verlogene Nicht-Krieg-Terminologie, Frau Kanzlerin, sind ein bemerkenswerter Ausdruck davon. Man muss nur hinschauen, wie ich immer sage. Dieser Krieg ist ein Eingeständnis der Unfähigkeit des gesamten Westens, sich und sein Inneres auch nur ansatzweise dahingehend zu begreifen. (Zugegeben, diese Feststellung macht Tote auch nicht wieder lebendig.) Vielleicht denken Sie in dieser Richtung einmal weiter.
Mit zunehmend abnehmender Hochachtung
T.M.
1 willkommen in der Welt, Schäfchen!
2 im Krieg gibt es keinen Zynismus mehr, der Krieg hat seine eigene, kühle, emotionslose Sprache
T.M.
um
09:44:00
1 Kommentar(e)
abgelegt unter: Bundesrepublik Deutschland , Offene Briefe , Zur Zeit
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Freitag, 2. April 2010
Donnerstag, 1. April 2010
Mein Meinen.
Dem Plappern steht es heute frei, aus Weiss Schwarz und aus Schwarz Weiss zu machen, sowie natürlich aus Allem auch ein homogenes Grau. Könnte man Grau hören, es klänge wie vielstimmiges Mäh. So weit ist es gekommen. Möglicherweise baut es Spannungen ab, ist also ein gesellschaftlicher Autoimmunprozess und Mittel des Zusammenhalts. Ein Mäh ist immer beruhigend und wer noch redet, schlägt sich zumindest nicht die Schädel ein. — Dieses sog. freie Äussern der eigenen (oder einer fremden) Meinung zu Allem und Jedem hat aber, mit Verlaub, auch etwas von einem Hund, der unwillkürlich an Bäume und Laternen urinieren muss, wahllos, rastlos, besinnungslos und auch mehr aus dem Bauch heraus, aber mit tief-innerer Selbstverständlichkeit. Und tu ich's nicht, tut's ein anderer. Es wird sich dann zudem noch mindestens einer finden, der einem darin beipflichtet, und diesem natürlich wieder einer, sowie auch ein erklärter Gegner. Und falls man sein Meinen nicht schnell, nicht laut genug kundtut, wird man gefragt: "Was sagst denn Du dazu?" Das emanzipierte Meinen als längst etablierte Bürgerpflicht. — "Aber was geht Dich mein Meinen an?"
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