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Samstag, 29. Mai 2010
Navigationsfragen (II)
Freitag, 28. Mai 2010
Sprüche (216)
Unter Mächtigen gelten Dinge wie Heimat, Zuflucht, Schutz - am Ende selbst noch der Einzelne - immer nur als Abfallprodukte.
Donnerstag, 27. Mai 2010
Das Glück finden (IIX)
Einen Schritt machen. — Ja, es klingt niederschmetternd, ich weiss. Wie soll man nur ... einen richtigen Schritt ... heutzutage! ... aber es muss ja gar kein grosser sein, für den Anfang, und es ist sogar fast gleich, in welche Richtung. (Die Richtung legt sich oft beinahe unwillkürlich und von selber fest ...) Auf eigenen Beinen, das ist wichtig! Aus eigenem Antrieb und eigenen Notwendigkeiten folgend, über eine Schwelle, einen Zaun. Und dann noch einen Schritt, und noch einen, und diese werden dann schon leichter sein.
Mittwoch, 26. Mai 2010
0x (III)
Noch etwas haben die Nuller Jahre gebracht: die Fortsetzung der Politik mit bewaffneten Mitteln als ein latentes, globales Ereignis und zwar unter demokratischer Legitimation (durch die Guten). — Sicher, seit 1945 gab es bereits einige demokratisch legitimierte Kriege. Aber diese trugen immer einen begrenzten Charakter, zeitlich (Ausnahme: Israel) wie räumlich. Heute befinden sich hingegen zahlreiche Staaten mit ihren Truppen und diese mit höchst undurchsichtigen Aufträgen (ausserhalb ihrer Territorien) im Zustand andauernder, bewaffneter Konflikte mit mehr oder weniger unsichtbaren Gegnern, ohne dass irgendeine Begrenzung oder gar ein Ende abzusehen wäre. Es ist längst ein Dauerzustand, und weil man das Phänomen nicht unmittelbar vor der Haustür hat, gewöhnt man sich auch leicht daran - die Bilder von den Särgen, die aus Transportflugzeugen ausgeladen werden, sind noch immer hinreichend weit genug entfernt. Die Nuller Jahre haben in dieser Hinsicht vor allem jenes unglaublich dumme, parlamentarisch-politische Hineinstolpern beigesteuert, durch das man sich heute offenbar grundsätzlich über Nacht im Krieg wiederfindet. Und man entblödet sich selbst dann noch nicht, die Wahrheit endlich zu begreifen, wenn es "völlig überraschend" die ersten Toten gibt.
Dienstag, 25. Mai 2010
Von neuen Weiden.
Schon wieder ein neues Gesichtsbuch? Und selbstverständlich ein noch besseres? Sie spriessen bereits wie Pilze aus dem Boden, jeden Monat ein neues. — Man kommt bald nicht mehr hinterher, mehr noch: man verliert immer konsequenter den Überblick, wo man sich überhaupt befindet (falls man ihn je gehabt hat ...) Künftig werden nicht mehr nur neue Firmen mit neuen, lustigen Namen identisch mit ihren Internetprodukten sein, sondern daran anschliessend immer weitere Produkte in Folge und gegenseitiger Ablöse präsentieren, mit gegenseitiger Bedingung und Verflechtung selbst mit anderen Massenmedien, rückwärtig dann selbstverständlich auch mit gegenseitiger Durchmischung überaus interessanter Daten. Man wird also künftig ein Menschlein sein, das nicht mehr wissen kann, was die Folgen seines Handelns sein werden. Aber die Herde wird dennoch in immer schnelleren Abständen von Weide zu Weide rennen, besinnungslos getrieben von vermeintlich immer dringenderen, unausgesprochenen Notwendigkeiten. Mäh! Ab und zu werden mal ein paar über eine Klippe stürzen, ein paar werden Wölfen zum Opfer fallen - bedauerliche Einzelfälle - man mäht gemeinschaftlich um sie herum, die Masse wird überleben, solange halt noch ein bisschen Gras wächst, mehr beansprucht ja längst niemand mehr, ein paar Halme täglich ... hach ...
Sonntag, 23. Mai 2010
Freitag, 21. Mai 2010
Konsequent ausgeblendet.
Das, was man für am unwahrscheinlichsten hält, was wohl nie einer brauchen wird, wo nie einer und auch nicht einmal aus Versehen draufdrückt, was auch nie von selbst passiert ... - unser Ausgeschlossenes - ist immer das, was gleich morgen als erstes und zwar ganz dringend benötigt wird.
Donnerstag, 20. Mai 2010
Neue Fächer.
Schulfächer, die es nicht gibt. (Warum?)
- "Ernährung und Gesundheit" (das wäre wahrscheinlich nachhaltiger als "Sport"!)
- "Verkehrskunde"
- "Medienkunde"
- "Wirtschaft und Finanzen"
- "Energie, Ressourcen, Umwelt"
- "Religionen und Kulturen"
Mittwoch, 19. Mai 2010
Das Glück finden (VII)
Aufräumen. Ja, Aufräumen macht keinen Spass und gilt auch nicht als cool. Man hat ja heute Werkzeuge, um sich in seiner selbstverursachten Unordnung zurechtzufinden. Aber man entdeckt vielleicht Dinge dabei, die man längst schon und bislang vergeblich gesucht hat. Man gewinnt ein wenig Platz, man lernt loslassen. Am wertvollsten ist jedoch die damit notwendigerweise verbundene Neustrukturierung der Vergangenheit - man wird wieder leicht.
Dienstag, 18. Mai 2010
Dickfellig.
Jemandem Phänomene wie Spam oder Computerviren zu erklären, kann heute tatsächlich noch Erstaunen hervorrufen. Bemerkenswert ist allerdings auch, wie wenig man selbst noch darüber erstaunt, d.h. wie abgebrüht und dickfellig man selbst längst geworden ist. Und dabei ist man immer noch naiv in vielen Fragen, offen, gutgläubig und nachlässig, beispielsweise in seiner digitalen Sicherheit, oder Behörden, Banken, Journalisten u.a. gegenüber, lässt sich noch immer mitreissen von der allgemeinen Unwissenheit und Stümperei, obwohl man es längst besser wüsste ...
Montag, 17. Mai 2010
Sprüche (214)
Wenn ich dort bin, nenne ich das Hier ein "zu Hause". Wenn ich hier bin, ist "zu Hause" dort. — "zu Hause" ist möglicherweise, wo man nicht ist. (zumindest bei Leuten, die eine nennenswerte Entfernung, also eine Diskontinuität im Kopf und im Herzen haben)
Mittwoch, 12. Mai 2010
Nachtrag.
Nein, Herr Schramm, ein Krieg ist es nicht, jedenfalls nicht, wie Sie sagen: das internationale Finanzkapital gegen Staaten. — Das, was wir heute unsere Staaten nennen - jene ebenfalls unmerklich, aber immer stärkerer Globalisierung unterworfenen, von Anwälten, Pfarrern und Lehrern regierten Gebilde der Risikokollektivierung und Gefahrenabwehr - bilden nicht eine Kriegspartei, sondern genaugenommen quasi die rückwärtigen Dienste und Logistik einer solchen, und zwar derselben, der einzigen. Sie sind nicht Opfer, jedenfalls nicht allein, sie stehen genauso auch auf der Täterseite. Das macht diesen "Krieg" so speziell - die Kriegspartei führt ihn interessanterweise in, mit und gegen sich selber, mit virtuellen Waffen auf virtuellen Schauplätzen und um virtuelle Beute, die sie sich selbst schafft und fortwährend ersetzt. Das ist die Konsequenz einer mindestens 150jährigen Entwicklung, die sich nachhaltig das Prinzip gab, Wünsche selbst dann einfach zu erfüllen, wenn sie grösser sind als die eigene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Warum auch nicht? Unsere modernen Schuldenstaaten, die das Wirtschaften mit Geld an sich ermöglicht haben, sind heute daraufhin gezüchtet, es ist Teil ihres Wesens, auch wenn dies offensichtlich selbst erfahrenen Politikern und Journalisten nicht klar ist. (Wer kann sich denn schon noch Summen mit 13 Ziffern vorstellen? Das muss auch niemand mehr.) — Man benötigt derzeit nicht einmal mehr Weitblick, Nahblick genügt schon.
Dienstag, 11. Mai 2010
Sprüche (213)
Geld ein Wert? Oder auch nur ein Äquivalent für einen Wert? — Das war gestern. Und das war hinderlich. Geld ist heute ein direktes Mass für unsere liebgewordenen Illusionen.
Montag, 10. Mai 2010
Von der Mehrheit.
Wenn man an jenen verkaterten Tagen nach einer Wahl (und zwar inzwischen nach jeder nennenswerten Wahl) den immergleichen, krokodilstränenreichen Satz hören muss, es werde jetzt schwierig Mehrheiten zu finden, hinter dem ja die bereits gewonnene Einsicht steckt, das Koalieren von politischen Kräften sei problematisch und nicht ohne bittere Abstriche an den eigenen Überzeugungen möglich, muss man dann nicht auch zu der Ansicht gelangen, es liege vielleicht ganz jenseits aller prozentualen Erbsenzählerei inzwischen ein strukturelles Problem vor? — These: Das Finden einer politischen Mehrheit ist auf allen nicht-trivialen Themengebieten eine wohlgepflegte Illusion. Diese beruht vor allem auf dem Vermögen politischer Kräfte, dynamisch und unter zeitweilig opportuner Aufgabe eigener Ziele und Überzeugungen mit anderen, die dies ebenfalls tun, sog. Mehrheiten zum Zwecke der Entscheidungsfindung herbeizureden, die allerdings im nächsten Moment schon wieder ihre Notwendigkeit einbüssen und zerfallen. Es gibt heute keine echten Mehrheiten mehr, insbesondere keine stabilen, nur noch temporäre, augenblickliche und höchst fragile. Ein politisches Prinzip, das auf Mehrheiten beruht, ist somit nach wie vor Minderheitenprinzip, ein schauspielerhaft verkleidetes allerdings. Der Begriff der Mehrheit, d.h. auch ihre Notwendigkeit, ihre Überlegenheit anderen Konzepten gegenüber wird unter solchen Umständen generell fragwürdig.
Sonntag, 9. Mai 2010
Begegnung (VI)
Freitag, 7. Mai 2010
Immer exklusiv.
These: Eine Menge ist dem Einzelnen gegenüber immer exklusiv, je grösser, umso mehr. — Aus diesem Grunde tendiert die Vielfalt, sobald sie von den Vielen aufgesogen und assimiliert wird, zur Einfalt, bestenfalls noch zum befristeten Nebeneinander von Wenigem, von zwei, drei hartnäckigen Konkurrenten, die immer grösser und mächtiger werden. (Betriebssysteme, Suchmaschinen, Soziale Netzwerke, Marken, Medien, Religionen, politische Parteien usw.)
Donnerstag, 6. Mai 2010
Im Dienste des Bürgers.
Auskunftspflicht bei einer Umfrage? Ohne jede Begründung ihrer Notwendigkeit? Einem Bundesamt gegenüber? Und zwar bei gleich präemptiver Androhung einer Geldbusse? — Mit Verlaub, meine sehr verehrten Damen und Herren Bürokraten, das macht Ihre Umfrage bereits ziemlich suspekt, noch bevor der Gefragte überhaupt eine einzige Frage1 vernommen hat - das muss Ihnen doch mit einem bisschen Selbstreflexion klar sein! Es erweckt zweitens den Eindruck offensichtlicher und pauschaler Autorität dem Bürger gegenüber, drittens auch, dieser könne sich heute (und müsse offensichtlich sogar) seinen Datenschutz dem Staat gegenüber mit Geld erkaufen. Ist es das, was Sie wollten?
1 darin übrigens auch solche, die gar nicht den Gefragten, sondern andere Personen und Einrichtungen betreffen
1 darin übrigens auch solche, die gar nicht den Gefragten, sondern andere Personen und Einrichtungen betreffen
Mittwoch, 5. Mai 2010
Vom Triumph.
Wenn man - weil man vielleicht günstiger stand und weiter blicken konnte - etwas vorher gewusst und auch gesagt hat, jedoch nicht gehört und noch verlacht wurde, dann aber am Ende doch recht bekam und bekommen musste, könnte man triumphieren. Aber Triumph ist immer ein niederes Gefühl1. Und was soll es schon für eine Freude sein, dass andere nun teuer ihre Fehler büssen?
1 das wussten sehr wahrscheinlich sogar grosse Triumphatoren - römische Feldherren, Napoleon - ihr Triumph war in der Regel ein Tribut an die Masse
1 das wussten sehr wahrscheinlich sogar grosse Triumphatoren - römische Feldherren, Napoleon - ihr Triumph war in der Regel ein Tribut an die Masse
Dienstag, 4. Mai 2010
Angelandet.
Im Jahre 2000 landete der Autor mit einem Schlauchboot an einer fernen, transozeanischen Küste, an welcher man noch nicht viel länger als gerade einmal 220 Jahre zuvor Captain Cook1 voller herzlicher Gastfreundschaft einen menschlichen Arm zum Verzehr angeboten hatte. (So viel als Einstimmung.) — Der Bootsführer, ein erfahrener Mann, hatte noch von See aus per Mobiltelefon einen der Kannibalen ans Ufer bestellt, der nun mit seinem ballonbereiften Pickup rückwärts einen Bootsanhänger in das sehr flache Wasser schob. Es war Ebbe und er musste obgleich des nicht sehr grossen Tidenhubs sehr weit hinausfahren, sicher 100m. Das war offenbar der Grund dafür, dass man sitzenbleiben und einfach warten sollte, ohne sich nasse Füsse zu holen, und das galt gleich noch für das Aufladen des Bootes auf den Anhänger mit Hilfe einer Winde sowie darüberhinaus während der kurzen Fahrt auf den Strand und die nahegelegene Strasse. Während dieser Fahrt allerdings, als man da so sass und erwartungsvoll, entschlossen, mit zusammengekniffenen Augen (und mindestens eine Hand an der zwar imaginären, aber schussbereiten Muskete) in die fremde Welt blickte, gab dies offensichtlich ein so seltsames Bild ab, dass die übrigen Kannibalen, die dies zu Gesicht bekamen, offenkundig grinsen mussten und daraus gar kein Hehl machten. — Diese Weissen waren schon sehr merkwürdige Leute, so viel stand fest: sie befuhren das Land in einem Boot sitzend mit umgeschnallten Schwimmwesten. Aber vom Mond und gar vom Mars reden!
1 wahrscheinlich auf seiner dritten Reise
1 wahrscheinlich auf seiner dritten Reise
Montag, 3. Mai 2010
Sprüche (212)
Du sollst nichts auf anderer Leute Vorurteile geben. Insbesondere nicht auf deren Gut oder Böse, und noch umso bestimmter, je euphorischer es daherkommt.
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