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Freitag, 30. Juli 2010
Donnerstag, 29. Juli 2010
Mittwoch, 28. Juli 2010
Von Sicherheit und Zuversicht.
Offenkundige Sicherheit und Zuversicht in einer Sache, also das Fehlen jeder Hemmung, jedes Zweifels, sind nicht selten ein Ausdruck entweder fehlenden Verständnisses oder heimlicher Gerissenheit. — Also warum bemühen sich Politiker aus Leibeskräften, Sicherheit und Zuversicht auszustrahlen?
Dienstag, 27. Juli 2010
Über sich selbst (II)
Jene Momente sind immer furchtbar, in denen das Menschlein durch einen Türspalt einen verstohlenen Blick in seine Abgründe werfen kann und dabei — erschrickt. Das macht es von sich selbst betroffen. Wie konnte es sich nur so sicher wähnen, so täuschen? Wo es doch spätestens seit Generationen immer weiter vorwärts geht, gar aufwärts, zum Besseren, Höheren hin! (Oder nicht??) War man denn nicht seit man denken konnte immer auf bestem Wege? Und war man nicht tatsächlich auch schon weit gekommen?
Montag, 26. Juli 2010
ZH (II)
Zürich sei für viele junge Menschen in der Schweiz das einzige Tor zur Welt, lese ich, nicht ohne Erstaunen. — Ich habe eigentlich nie drüber nachgedacht, wie so ein Tor eigentlich aussehen solle, ob ich überhaupt eins habe oder ob mir womöglich das Fehlen eines solchen bislang verborgen geblieben war. Ich habe die Welt früher - als ich noch jung war ... - morgens immer ganz naiv durch meine Haustür betreten und war gleich mittendrin.
Sonntag, 25. Juli 2010
Freitag, 23. Juli 2010
Scheinheilig.
Mit Verlaub, es gibt einen Zug im modernen Journalismus (und der öffentlichen Diskussion überhaupt), nämlich dort, wo er vorgibt, Nachrichten, Themen, Ideen zu besitzen, gar Standpunkte einzunehmen und Konsequenzen aufzuzeigen, der letztendlich nichts weiter darstellt als moderne Prostitution, nämlich wo er statt dessen lediglich jenes scheinheilig-falsche Lächeln, dieselbe Kühle, professionelle Teilnahmslosigkeit und Geschäftstüchtigkeit aufweist, ansonsten aber am üblichen Geplapper des allgemeinen Konsenses teilnimmt, wo er Teil der industriellen Überfluss- und Müllproduktion ist. Jedes Medium ist heute mehr oder weniger davon betroffen, auch sog. renommierte, es gibt keins mehr, das frei davon wäre, das es sich leisten könnte, frei davon zu bleiben, es sei denn auf lokaler oder bestenfalls regionaler Ebene.
Donnerstag, 22. Juli 2010
Sprüche (225)
Du sollst anderen nicht eine Schuld daraus machen, dass sie deine Irrationalitäten nicht teilen.
Mittwoch, 21. Juli 2010
Dienstag, 20. Juli 2010
Wasserung.
Man könne nicht zweimal in den selben Fluss steigen, sagt Heraklit1. Dabei ist allerdings zunächst anzumerken, dass man die Aare jederzeit einfach ein, zwei Kilometer hochlaufen2 und noch einmal hineinspringen kann. Nichts leichter als das. Schweizer können also mit dem Fluss-Gleichnis per se gar nichts anfangen. — Ferner könnte man mit etwas weniger Unernst beispielsweise einen Stoiker so verstehen, dass ihm egal sei, was auf ihn zufliesst. Es wird ihm also genaugenommen belanglos, wann oder wie oft er in den Fluss steigt, auch ob es derselbe Fluss ist oder vielleicht ein anderer, er unterscheidet gar nicht zwischen verschiedenen Flüssen, wo er ist, ist Fluss um ihn herum. - Und womöglich kommt sogar noch ein besonders kräftiger, nicht-stoischer Mensch auf die Idee zu schwimmen.
1 Fragment 91 (DK)
2 "uffe", wie der Schweizer sagt
1 Fragment 91 (DK)
2 "uffe", wie der Schweizer sagt
Montag, 19. Juli 2010
Keine grosse Sache.
Von manchen Tagen bleibt am Abend als Einziges, dass man morgens einem Frosch mit Sicherheit das Leben gerettet hat. Vielleicht frisst er ja ein paar Mückenlarven zum Dank.
Sonntag, 18. Juli 2010
Vom Ruf Gottes (II)
Wer das Läuten von Kirchenglocken - laut, lange und überflüssig - heute in seiner wahren Bedeutung begreifen will, muss sich vor allem über eins grundlegend klarwerden: es ist eine Machtdemonstration, wie jedes Gewohnheitsrecht, ein weithin wahrnehmbares Seht-her-wir-dürfen-das(-und-noch-viel-mehr), und zwar gerade in unsicheren, zweifelhaften Zeiten.
Freitag, 16. Juli 2010
Vorsicht beim Lindern!
Donnerstag, 15. Juli 2010
Weltsucht.
Warme Tage sollte man im Reich des Tannenhähers verbringen, in seinen lichtdurchfluteten Nadelwäldern, vorzugsweise gebirgigen, in denen viele alte, knorrige Zirben an Felsen festgeklammert wachsen oder Lärchen, vielleicht etwas oberhalb an einem Hang, um den aufsteigenden Duft geniessen zu können. Nein, diese Sucht ist keine Schande, kein Selbstvergessen, keine Weltflucht — eine Weltsucht genaugenommen.
Mittwoch, 14. Juli 2010
Über uns.
Wir finden es meist höchst erheiternd, wenn wir in einem zwei-, dreihundert Jahre Text auf merkwürdige Worte, Formulierungen und Orthographien1 treffen, wenn einer "im Zweyffel" schreibt oder "in der That". — Man darf indes gewiss sein, dass man in zwei-, dreihundert Jahren auch über uns lachen wird, und zwar von ganzem Herzen.
1 oft noch nicht einmal einheitliche solche innerhalb ein und desselben Textes
1 oft noch nicht einmal einheitliche solche innerhalb ein und desselben Textes
Dienstag, 13. Juli 2010
Eigen.
Sich eine eigene Meinung bilden ist ggf. eine wirklich schwere Mühe und nie ein Resultat, sondern immer ein Prozess, ein Stolpern und Bergsteigen, oft genug noch auf Irrwegen in den Nebeln des Zweifels. Noch ehe der Hahn kräht wirst du allerdings bereits dreimal auf deine Meinungsfreiheit gepocht haben. — Ich werde drum dreimal auf deine eigene Meinung pochen.
Montag, 12. Juli 2010
Freitag, 9. Juli 2010
Wissen und Nichtwissen.
Man wird im Zeitalter allgemeinen Wissens über alles und jeden und der Preisgabe aller möglichen und unmöglichen Informationen durch den Einzelnen vor allen erst wieder lernen müssen, etwas möglicherweise nicht nur nicht zu wissen, sondern sogar nicht wissen zu wollen, nämlich weil womöglich ein Wert und eine grössere Klugheit darin liegen. — Das Wissen über etwas oder jemanden besitzt gleichzeitig zweierlei Aspekte, den der Freiheit und den der Unfreiheit. Es eröffnet Wege und Möglichkeiten, d.h. Rechte, birgt aber auch Pflichten.
Donnerstag, 8. Juli 2010
Selbst-leid.
Da sitzt ihr nun, tiefländische Eltern, wie eure Kinder mit kurzer Hose im hüfthohen Schnee, durchnässte Laufschuhe an den Füssen, ohne Mütze und die Schultern frei. Gewiss, es hat euch niemand gesagt, dass auf weit mehr als 2000m mit Schnee zu rechnen sei, mit beträchtlicher UV-Strahlung aus womöglich wolkenlosem Himmel, mit kühlem Wind, mit Steilheit und Holprigkeit des Weges oder sonstigen Widerwärtigkeiten und Perfiditäten - mit Natur - diese Natur ist ja eine menschenfeindliche Angelegenheit, ein Horror genaugenommen ... Man hat euch, die ihr ja Verantwortung tragt, einfach vorauseilend im Stich gelassen. Ja, kühlt eure krebsrote Haut mit Schnee - es hilft sicher für den Moment. — Habt ihr denn die reichen Blumenwiesen gesehen, sehen können? Die Murmeltiere, die Schönheit und Klarheit hier oben? Habt ihr bemerkt, wie der Kopf frei wird? Was werden eure Kinder jetzt vom Gebirge mit nach Hause nehmen, wenn am Ende womöglich nur Leid und Schmerz übrig bleiben? — Es gibt heute eine vergleichsweise neue Form von Leid, bei der das Menschlein wesentlich an sich selbst leidet. Dies ist das Leid des Menschleins, das alles hat.
Mittwoch, 7. Juli 2010
Dienstag, 6. Juli 2010
Anders sein.
Ein Zwang zum Anderssein, Frau Roten? — Ein interessanter Gedanke. Vor allem, weil ja mindestens ein Unterschied zu jedem Anderen bereits allein schon im Individuum und seiner Existenz begründet liegt. Eine Frage ist letztendlich nur, ob es jenes Anderssein, d.h. das, was es von allen anderen unterscheidet, tatsächlich auch in sich findet und schätzen lernt und damit akzeptiert wird oder etwa ausserhalb seiner selbst sucht, solches womöglich noch künstlich aufbaut und annimmt und also eine Rolle spielt und diese ggf. auch wechselt.
Montag, 5. Juli 2010
Passfotos (XXV)
Sonntag, 4. Juli 2010
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