Was sog. Finanzdienstleister betrifft, so ist wachen Auges momentan zu bemerken, dass ausgerechnet die, welche in der Zeit vor der sog. Finanzkrise am gierigsten nach dem Geld des Kunden gegriffen haben und dann am stärksten für dessen Verluste verantwortlich waren, jetzt wieder zuerst aus ihren Löchern kommen, um ihm, der oft noch immer im Keller sitzt, endlich eine Zukunft neu rosig auszumalen. Rosiger natürlich als je zuvor, man hat ja schliesslich gelernt und macht jetzt keine Fehler mehr, überhaupt nie mehr. — Ein Erinnerungsvermögen von zwei (oder schlimmer: noch mehr) Jahren ist heute hinderlich, quasi ein Konstruktionsfehler des Konsumenten, schwerwiegender noch als dessen ewiges Sparen1, ein Mangel, der endlich in frühen Schuljahren und zwar ohne allzu voreiligen Verzicht auf den Rohrstock aberzogen und weggezüchtet gehört! Wie wollten künftige Generationen sonst nachhaltig ihre Pflichten erfüllen können?
1 am Sparen kann man noch verdienen!
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Dienstag, 30. November 2010
Montag, 29. November 2010
Nicht klar.
Klar? — Nein, 52.9% sind kein klares Ergebnis, mit Verlaub, meine lieben Journalisten. Und so oft Ihr dies auch wiederholt1, so wenig wird es dadurch klarer. Es ist schlichte, demokratische Zahlenrechnerei. Aufrechte Demokraten würden auch 50.3% noch guten Gewissens und treuen Herzens als klares und eindeutiges Ergebnis ansehen, und zwar selbst dann noch, wenn die Wahlbeteiligung weit unter 50% gelegen hat.
Das Schweigen ist Demokraten etwas Unheimliches, mit dem sie nie umzugehen gelernt haben. Man ignoriert es meist und rechnet, als gäbe es diese stummen Stimmen einfach nicht, irgendein Ergebnis herbei, das fortan mit selbsterteilter Legitimation gilt. (In seltenen Fällen definiert man eine Wahlpflicht, um das Schweigen wegzudefinieren.)
Das Schweigen der Hälfte der Stimmbürger, wie es heute üblich ist, erfordert hingegen eigentlich einen tatsächlich mutigen Schritt, nämlich die Überwindung des wachsenden Zweifels an der 50%-Marke im Ergebnis. Angesichts von nur 50% oder noch geringerer Beteiligung ist ein 50%-Ergebnis eben nicht mehr souverän. Es lässt Raum für Spekulation und Diskussion. Spätestens angesichts solcher Wahlbeteiligungen müssten aufrechte Demokraten eigentlich von sich aus darauf bestehen, Zweidrittelmehrheiten als obligatorisch zu etablieren - mindestens zwei Drittel! - ansonsten ist das Ergebnis unklar, unentschieden und am Ende auch beliebig. Selbstverständlich würde dann die Erringung eines Ergebnisses schwieriger, aber ein solches würde womöglich auch mich noch überzeugen. — Wenn heute angesichts solch erbärmlicher Erbsenzählerei von Demokratie ernsthaft die Rede sein soll, dann bestenfalls von einer mit konsequent schlechtem Gewissen.
1 man sollte Journalisten jedesmal, wenn sie einen solchen Satz vor der Kamera sagen, einen anständigen Stromstoss versetzen (sie würden sich allerdings wahrscheinlich sogar noch daran gewöhnen ...)
Das Schweigen ist Demokraten etwas Unheimliches, mit dem sie nie umzugehen gelernt haben. Man ignoriert es meist und rechnet, als gäbe es diese stummen Stimmen einfach nicht, irgendein Ergebnis herbei, das fortan mit selbsterteilter Legitimation gilt. (In seltenen Fällen definiert man eine Wahlpflicht, um das Schweigen wegzudefinieren.)
Das Schweigen der Hälfte der Stimmbürger, wie es heute üblich ist, erfordert hingegen eigentlich einen tatsächlich mutigen Schritt, nämlich die Überwindung des wachsenden Zweifels an der 50%-Marke im Ergebnis. Angesichts von nur 50% oder noch geringerer Beteiligung ist ein 50%-Ergebnis eben nicht mehr souverän. Es lässt Raum für Spekulation und Diskussion. Spätestens angesichts solcher Wahlbeteiligungen müssten aufrechte Demokraten eigentlich von sich aus darauf bestehen, Zweidrittelmehrheiten als obligatorisch zu etablieren - mindestens zwei Drittel! - ansonsten ist das Ergebnis unklar, unentschieden und am Ende auch beliebig. Selbstverständlich würde dann die Erringung eines Ergebnisses schwieriger, aber ein solches würde womöglich auch mich noch überzeugen. — Wenn heute angesichts solch erbärmlicher Erbsenzählerei von Demokratie ernsthaft die Rede sein soll, dann bestenfalls von einer mit konsequent schlechtem Gewissen.
1 man sollte Journalisten jedesmal, wenn sie einen solchen Satz vor der Kamera sagen, einen anständigen Stromstoss versetzen (sie würden sich allerdings wahrscheinlich sogar noch daran gewöhnen ...)
Samstag, 27. November 2010
Sprüche (243)
In der Schweiz kann man den Schnee fallen hören.
(Insbesondere um halb fünf Uhr morgens.)
(Insbesondere um halb fünf Uhr morgens.)
Freitag, 26. November 2010
Unsinn und Preis.
Wer einem Unsinn einen Preis macht, beabsichtigt die Vermutung eines vermeintlichen Werts. In einem kopfstehenden System funktioniert das. Er will damit rechnen, dass Leute diesen Unsinn kaufen, weiterempfehlen, verschenken und stolz darauf sind, guten und reinen Gewissens. "Ich hab so ein Ding, und Du brauchst das auch, alle haben das heute." Und am Ende wird man ehrlichen Herzens konstatieren müssen, nicht mehr ohne leben zu können. Wie habe man nur früher usw.? — Selbst Idiotie hat heute einen hohen Preis. Wir zahlen Milliarden dafür, tagtäglich, und fühlen uns gut dabei.
Donnerstag, 25. November 2010
Mittwoch, 24. November 2010
Sinnfrei.
Ein gut brauchbarer Indikator dafür, dass ein Produkt ohne Sinn und also überflüssig ist, so dass man nach einem positiven Image als Kaufanreiz suchen muss, ist die gerade jetzt zur (Vor-)Weichnachtszeit epidemisch um sich greifende Proklamation solidarischer Abgaben zur Verfolgung eines möglichst weit entfernten guten Zweckes: "5% gehen an {Brot für die Welt|die Kinder in Somalia|die Erbebenopfer|die Tiere des Regenwaldes}." Nicht zuletzt auch gerade bei Herstellern, die ansonsten bei ihrem Auftreten in der dritten Welt durchaus nicht zimperlich sind. — Ein guter und hinreichender Grund dafür, jene Hersteller konsequent zu meiden.
Dienstag, 23. November 2010
Die Augen grösser als der Magen.
Kein Raubtier (und unter diesen selbst das dümmste noch) fällt eine Beute an, die es nicht bewältigen kann. Ein Prinzip der Natur zum Schutz des Individuums vor Verschwendung seiner Kräfte, Verletzung, Tod. Ein jedes hat einen lebensklugen Instinkt davor und leitet daraus sein Selbstvertrauen, seinen Mut her. — Beim Menschen, dem klügsten und räuberischsten aller Tiere, muss und darf man den Begriff der Beute zunächst etwas weiter und abstrakter fassen. Aber dann?
Montag, 22. November 2010
Datenbanken.
Als ich in die Schweiz kam, war meine erste offizielle Handlung die Eröffnung eines Bankkontos. Dieses war Bedingung für meine erste Arbeitsstelle und Krankenversicherung, damit auch für die Wohnung und diese wiederum für die Meldung bei einer Gemeinde und die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung. Das Bankkonto kommt zuerst. Es ist der Keim jeglicher offiziellen Existenz, der Existenz ausserhalb der simplen physischen, der körperlichen. Man existiert, sofern man ein Bankkonto hat, und eigentlich überhaupt nur dann. Schon Säuglinge erhalten ein Konto, selbst Hunde und Katzen, von gar nicht natürlichen, rein juristischen Personen einmal ganz abgesehen. Warum? — Das Kapital, um einmal einen marxistischen Begriff zu entlehnen, ist der eigentliche und primäre Interessent an dieser Existenz des Menschleins. Es geht darin sogar über Staaten oder Gesellschaften hinaus, es steht hinter und über diesen und ist international und multikulturell (genaugenommen anational und akulturell). Ihm ist gleich, welchen Pass einer hat oder ob er womöglich bellt, solange er mit ihm interagiert. Das gesamte Leben, sofern man es relevant nennen wollte, ist eine Interaktion mit ihm, ein Geben und Nehmen, meist beides. Drum besitzen Banken heute das Wissen, um daraus bemerkenswert komplette Persönlichkeitsprofile bilden zu können, besser und vollständiger als Staaten das je könnten, weit ins Private hinein. Drum ist der Befehl "Know your customer!" das Erste, was ein künftiger Angestellter eines Finanzdienstleisters während seiner Ausbildung lernt und was er auch wie aus der Pistole geschossen wiedergeben kann. Staatliche Behörden sind trotz Auskunfts- und Meldepflicht (und allerlei neuerdings wieder befürchteter Überwachung) harmlos gegenüber dem, was Banken in aller Regel und ganz im Stillen von uns wissen. Und eines Tages, wenn das Bargeld komplett durch Plastik ersetzt sein wird - wir werden es erleben - wird sich dem auch niemand mehr entziehen können.
Freitag, 19. November 2010
Konsequent.
Man nennt die Bewegung im Netz üblicherweise "surfen" oder "websurfen", den Protagonisten folglich einen "Surfer". Warum? — Weil der Vorgang in aller Regel nichts als oberflächlich und ein Wellenreiten ist, Wellen des lifestyles, der Moden, der Massenhysterien, immer schön aufeinanderfolgend und einander ablösend. Dass es sich um ein Schwimmen oder sogar Tauchen handeln könnte, oder ggf. auch um Ausdauerlauf oder Bergsteigen, kommt einem intuitiv gar nicht in den Sinn.
Donnerstag, 18. November 2010
Sprüche (241)
Das Lesen scheitert, wenn man nicht vorurteilsfrei liest.
(Und das Lesen ist nur eine infinitesimal dünne Spektrallinie deiner täglichen Handlungen.)
(Und das Lesen ist nur eine infinitesimal dünne Spektrallinie deiner täglichen Handlungen.)
Mittwoch, 17. November 2010
Sprüche (240)
Du sollst nichts Menschliches für historisch überwunden halten, insbesondere nichts Unmenschliches.
Dienstag, 16. November 2010
Klare Rolle.
Man versteht die Rolle der Kirchen in modernen, demokratischen Staaten vielleicht besser, wenn man als gedankliche Stütze folgende These benutzt: Kirchen sind heute wesentlich politische Parteien, politische Akteure in einem Machtraum, und als solche vielleicht mit die ältesten überhaupt. Ihre Subtilität besteht darin, dass man sie nur selten explizit als solche wahrnimmt. Ihre Macht ist heute meist implizit, verdeckt, still, diskret, allerdings überparteilich, übernational und überkulturell.
Montag, 15. November 2010
Weitgehend ohne Feuer.
Im Geschichtsunterricht der 5.Klasse, ich erinnere mich gut, wurde die Beherrschung des Feuers als wesentlich für die Menschwerdung dargestellt. Das Feuer - ein Schatz, der von verantwortungsvollen Personen gehütet werden musste. — Unsere Kinder sind seitdem womöglich die ersten Menschen, die ohne ein eigentliches Bewusstsein für Feuer aufwachsen. Abgesehen von ein paar Kerzen bekommen sie kein Feuer mehr zu sehen, und in vielen Haushalten weiss auch die Hausfrau nicht, wo sich noch ein paar, wahrscheinlich schon zehn Jahre alte Streichhölzer befinden könnten und ob überhaupt noch welche da sind. Gekocht wird elektrisch, die Wärme kommt aus dem Fussboden, das Auto fährt mit Benzin.
Samstag, 13. November 2010
Ohne Zusatz gültig.
May, 29 1806 - No movement [...] today worthy of notice.[...]
(Capt.Lewis, Lewis & Clark Tagebuch der ersten Expedition zu den Quellen usw.)
Freitag, 12. November 2010
Zeitgeistkonform.
Inzwischen darf man nicht seltener als jeden Tag in der Zeitung davon lesen, ein Fahrzeug habe schon wieder einen Fussgänger auf dem Zebrastreifen1 erwischt und verletzt, an manchen Tagen sogar zwei. — Mit Verlaub, so ist das halt, wenn man an einem Abgrund oben statt eines anständigen Geländers lediglich eine gelbe Linie zieht und festlegt, der Abgrund müsse in dem Moment Rücksicht nehmen, wenn jemand über die Linie steigt. Die Physik lässt sich nicht durch eine Verkehrsregel ausser Kraft setzen. Sicherheit auf diese Weise einfach zu definieren, konsequent zeitgeistkonform, ist eine folgenschwere Idiotie. Es wird allerdings noch eine Weile (und eine Anzahl Knochenbrüche) dauern, bis man das verstanden haben wird.
1 in der Schweiz gilt strenge Anhaltepflicht
1 in der Schweiz gilt strenge Anhaltepflicht
Donnerstag, 11. November 2010
Sprüche (239)
Die Verteidigung einer Sache gegen einen vermeintlichen Angriff wird am stärksten von denen übernommen, die selbst in dieser Sache unsicher sind, oft bereits vorauseilend. — Bestünde wirkliche Gewissheit, so hätte man jene Verteidigung nicht nötig. Man könnte sich entspannt zurücklehnen: die Sache spräche für sich.
Zweifel, wiedereinmal.
Sprich nicht von Zweifel vor der Menge. Es ist besser so. Der Zweifel ist wie Zugluft - bei einem geöffneten Zugfenster genügt bereits dessen Anblick, um gleich mehrfach alsbaldige Todesgewissheit entstehen zu lassen. Der Zweifel ist als Ausdruck des Gewahrwerdens einer Diskrepanz zwischen der Realität und unserer Vorstellung merkwürdigerweise immer ein Unbehagen. — Ein dauernder Zweifel ist darum der Menge wesensfremd, ein instabiler Zustand. Die Menge erklärt auch das Unerklärbare, wandelt es in Gewohntes, Gesichertes, in ihr intellektuelles Erbe, und postuliert am Ende ruhigen Gewissens "Das war schon immer so!".
Mittwoch, 10. November 2010
Montag, 8. November 2010
Im Herbst.
These: Die Ursache so mancher Herbstdepression (oder was man für eine solche hält) liegt möglicherweise darin, dass eben im Herbst viele neue Lebensabschnitte, Herausforderungen und damit Unannehmlichkeiten beginnen, insbesondere jeweils nach einem Sommer, und zwar meist einem fröhlichen, als Kontrast. — Das Schuljahr fing immer am 1.September an - den Allerkleinsten wollte man offenbar noch nicht gleich den vollen Herbst zumuten. Aber dann folgten Berufslehre und Militär. Das Militär ist in dieser Hinsicht ein besonderer Kandidat: rund um die Uhr Novembernebel, in mit Reif bedecktem Gras liegen, getarnt mit herabgefallenem Laub, sich selbst bald wie modriges Laub fühlen, warten, dass die Sonne noch ein paar letzte wärmende Strahlen wirft, den Magen des Kameraden knurren hören (oder war's der eigene?), spüren wie sich die Uniform langsam mit Bodenfeuchtigkeit vollsaugt, von zwei dicken Krähen ausgelacht werden. Der Herbst riecht für mich seitdem immer irgendwie nach Militär, untrennbar. Danach zum Studium, wieder Herbst, zunächst "zum Kennenlernen" drei Wochen in die Apfelernte, wieder Nebel, wieder Reif, wieder eiskalte Finger ... — Der Herbst ist hinsichtlich der Bedeutung für das Menschlein oft eine Zeit des Neu- und Wiederanfangens, nur selten eine des Absterbens und Erstarrens.
Sonntag, 7. November 2010
Im Ersatzteilfachhandel.
Im Süden Deutschlands, speziell im Württembergischen, darf man sich - etwa infolge der Verkettung sehr widriger Umstände und Schicksalsschläge - nach eventuellem Verlust seiner Seele, welcher in anderen Teilen der Welt einen dringenden Grund zu nachhaltiger Besorgnis liefern würde, nicht nehmen lassen, in einer Bäckerei eine neue Ersatzseele zu erwerben, am besten gleich mehrere. Die Verkäuferin wird einen dann noch treusorgend fragen, ob man eine hellere oder lieber eine dunklere wolle. (Sie hat sie ja schliesslich nicht gekannt, die vermisste Seele ...) — "Rabenschwarz bitte." - "Gern." — Man versteht sich.
Donnerstag, 4. November 2010
Ein Fachmarkt.
Aufschwungsglaube also. Man darf sich wundern - trotz aller einen inzwischen wie ein Schildkrötenpanzer umgebenden Abgestumpftheit gegenüber derartigen Begriffen ... Für wen ist das wichtig, dass möglichst viele an den Aufschwung glauben? Und was wird dadurch ausgelöst oder gar erreicht? Worin verhalten sich die Protagonisten anders, wenn sie wissen, es gehe jetzt bergauf, endlich wieder? Und für wen ist wiederum das wichtig? — Grosse Politik (und ihr grosser Büttel: der Tages-, Stunden- und Minutenjournalismus) ist heute ein Fachmarkt, auf dem Massenhoffnungen und Massenmeinungen geschickt gehandelt werden. In welcher Währung?
Mittwoch, 3. November 2010
Sprüche (237)
Es gibt also einen Grad von Wohlstand, in welchem das Menschlein, gesetzt den Fall, er hält nur lange und konsequent genug an, tatsächlich auf die Idee kommt, sein Leben von anderen leben zu lassen, um sich anderen, angenehmeren Dingen zu widmen, z.B. dem Dahindämmern in Watte ...
Dienstag, 2. November 2010
Pandemie (III)
These: das Verlangen nach Religion ist direkt proportional zu der empfundenen Bedrohung durch diffuse, unkontrollierbare, unnennbare Unsicherheiten. Und Religion ist geradezu ein ideales Gegenmittel.
Die empfundene Bedrohung ist tatsächlich ein sehr aktuelles Phänomen insbesondere westlicher Gesellschaften, nicht nur in Hollywood, von wo aus der Kampf gegen Ausserirdische, Werwölfe, Vampire, Mumien, verschwörerische Gruppierungen und dergleichen Abend für Abend weltweit auf die Bildschirme geschickt wird. Auch hier in Europa ist sich inzwischen jeder darüber bewusst, dass er ernste Gegner hat. Die Aufschrift "Stärkt Ihre Abwehrkräfte" sagt wortwörtlich, worauf es heute ankommt. Wir brauchen heute nicht mehr nur Sicherheitsgurte, sondern darüber hinaus ein drittes Bremslicht, mindestens vier Airbags, Winterreifen, ganz aktuell: ESP, Warnwesten, Fahrradhelme - alles Mittel gegen handfeste Gefährdungen. Darüber hinaus aber auch Arbeitslosen-, Pflege-, Kranken-, Berufsunfähigkeits-, Haftpflicht-, Reise-, Gepäck-, Kfz-Versicherungen1, Rechtsschutz usw. - alles für den Fall der Fälle, man muss abgesichert sein. — Je diffuser die Bedrohungen sind, und es kommen tatsächlich immer neue dazu, umso schwieriger wird es, geeignet vorzubeugen. Wer hilft einem gegen Eheprobleme, Vereinsamung oder Freudlosigkeit? Das Menschlein benötigt heute, erst recht in Zeiten gierig sich öffnender Erdlöcher2, eine verlässliche, immerwährende Generalprotektion, 24x7, Vollkasko für sich selbst und seine Lieben, d.h. mindestens einen Schutzengel oder gleich eine schützende Hand von ganz oben ...
Man darf noch fragen, warum viele gerade heute und vielleicht mehr als in den letzten Jahrzehnten eine solch diffuse Bedrohung durch alles Mögliche empfinden. Wo kommt der Gedanke her? Wie verbreitet er sich? Müsste das aufgeklärte Menschlein nicht eigentlich selbstsicherer, selbstvertrauender, besonnener durch sein Leben gehen? — Ich behaupte, zwei Erscheinungen haben daran wesentlichen Anteil:
2 wer muss da nicht augenblicklich an einen Höllenschlund denken?
Die empfundene Bedrohung ist tatsächlich ein sehr aktuelles Phänomen insbesondere westlicher Gesellschaften, nicht nur in Hollywood, von wo aus der Kampf gegen Ausserirdische, Werwölfe, Vampire, Mumien, verschwörerische Gruppierungen und dergleichen Abend für Abend weltweit auf die Bildschirme geschickt wird. Auch hier in Europa ist sich inzwischen jeder darüber bewusst, dass er ernste Gegner hat. Die Aufschrift "Stärkt Ihre Abwehrkräfte" sagt wortwörtlich, worauf es heute ankommt. Wir brauchen heute nicht mehr nur Sicherheitsgurte, sondern darüber hinaus ein drittes Bremslicht, mindestens vier Airbags, Winterreifen, ganz aktuell: ESP, Warnwesten, Fahrradhelme - alles Mittel gegen handfeste Gefährdungen. Darüber hinaus aber auch Arbeitslosen-, Pflege-, Kranken-, Berufsunfähigkeits-, Haftpflicht-, Reise-, Gepäck-, Kfz-Versicherungen1, Rechtsschutz usw. - alles für den Fall der Fälle, man muss abgesichert sein. — Je diffuser die Bedrohungen sind, und es kommen tatsächlich immer neue dazu, umso schwieriger wird es, geeignet vorzubeugen. Wer hilft einem gegen Eheprobleme, Vereinsamung oder Freudlosigkeit? Das Menschlein benötigt heute, erst recht in Zeiten gierig sich öffnender Erdlöcher2, eine verlässliche, immerwährende Generalprotektion, 24x7, Vollkasko für sich selbst und seine Lieben, d.h. mindestens einen Schutzengel oder gleich eine schützende Hand von ganz oben ...
Man darf noch fragen, warum viele gerade heute und vielleicht mehr als in den letzten Jahrzehnten eine solch diffuse Bedrohung durch alles Mögliche empfinden. Wo kommt der Gedanke her? Wie verbreitet er sich? Müsste das aufgeklärte Menschlein nicht eigentlich selbstsicherer, selbstvertrauender, besonnener durch sein Leben gehen? — Ich behaupte, zwei Erscheinungen haben daran wesentlichen Anteil:
- unsere im jahrzehntelangen Wohlstand abhanden gekommene Fähigkeit, selbst mit Unsicherheiten fertigzuwerden, d.h. letztendlich unser Leben tatsächlich selbst zu leben,
- unsere weltumspannende, niemals schlafende Informations(und also vor allem Unsinns-)maschine, die alles dankend annimmt und vielfach multipliziert, gleichberechtigt breitträgt.
2 wer muss da nicht augenblicklich an einen Höllenschlund denken?
Montag, 1. November 2010
Sprüche (236)
Das letzte durch einen Menschen verbrauchte Blatt Papier wird womöglich irgendein Werbeflyer sein, auf dem steht "Verbraucht mehr Papier!"
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