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Donnerstag, 28. April 2011
Ins neue Mittelalter!
Das überraschend aufgetauchte Blut des letzten Papstes in eine Reliquie umwandeln? Moment. Ich finde, man sollte es entweder homöopathisch verdünnen, damit Viele etwas davon haben, oder, falls das möglicherweise zu wässrig wirkt, mit Hilfe moderner Gentechnik erst einmal ein paar ordentliche Hektoliter daraus machen. Man könnte dann womöglich sogar Kranke damit befüllen. Warum eigentlich hat niemand daran gedacht, dem Dahingeschiedenen noch rechtzeitig vor dem Erkalten seine sechs Liter abzuzapfen? — Wie, geschmacklos? Ich? Man darf nie vergessen, dass der katholische Altartisch nichts anderes als eine Schlachtbank ist! — Ein wahrhaftes Wunder bestünde einmal darin, nicht nur Lahme wieder sehend zu machen, sondern Idioten mit einem halbwegs funktionierenden Hirn auszustatten!
Mittwoch, 27. April 2011
Geschichten.
Ein Journalist suche nicht nach der Wahrheit, las ich, er suche nach Geschichten. — So schrieb ein bekennender Journalist selbstgefällig über sein Handwerk und zwar im wochenendlichen Feuilleton einer grossen deutschen Zeitung. Und das war wieder so ein Satz, dessen Unstrittigkeit inzwischen längst in Selbstverständlichkeit umgeschlagen ist (siehe hier). Geschichten, das ist es, was bleibt, insbesondere unter den gestern von mir genannten Umständen. Man schnappt sie auf, in der Strassenbahn, früh, auf dem Weg zur Arbeit, und hämmert sie in seine Tastatur, abschicken, fertig, für mehr ist gar keine Zeit mehr.
Es könnte allerdings sein, dass ein Leser statt solcher Geschichten etwas ganz anderes sucht und erwartet, etwas,
Es könnte allerdings sein, dass ein Leser statt solcher Geschichten etwas ganz anderes sucht und erwartet, etwas,
- das über Einzelschicksale (und seien diese auch beispielhaft) weit hinausgeht,
- das Fakten und Zahlen enthält (richtige Zahlen, oder wenigstens richtige Grössenordnungen, mit richtigen Einheiten),
- recherchierte Zusammenhänge, Hintergrundwissen und Parallelen aufzeigt, sowohl in der Zeit (d.h. in der Geschichte) wie auch im Raum (d.h. an anderen Orten) und Quellen und Querverweise angibt,
- das Fragen stellt (und offenlässt!) und, ja,
- am Ende auch so etwas wie einen bescheidenen Standpunkt einnimmt, nämlich den des Journalisten, den man womöglich für einen wachen, gut informierten und denkenden Menschen hält, oder den seiner Redaktion, die sich nach Diskussion auf einen Standpunkt geeinigt hat.
Dienstag, 26. April 2011
Nacheilend.
Die Notwendigkeit, heutzutage jemanden, der sich selbst in einem Satz zweimal widerspricht, zunächst tolerieren1 und dann solcherart auch ernstnehmen zu müssen, ist ein dringendes Erfordernis künftiger Zeiten. Wir werden es erleben. Der Spagat im Kopf ist ein Phänomen der Überfrachtung mit Information, die immer schneller auf das Individuum hereinbricht, ohne dass dieses auch nur noch halbwegs hinterherkäme, diese geeignet zu verstehen oder sogar durch eigenes Denken einen Standpunkt, einen Vorlauf zu gewinnen. Ein Standpunkt, das ist künftig erst recht eine erworbene Position, eine aufgeschnappte oder gekaufte Meinung eines anderen, der diese auch bereits ganz ähnlich erwarb. Es wird sich gar nicht mehr vermeiden lassen. — Der Informationsmensch wird einer sein, der wesentlich hinterher ist.
1 tolerieren muss man ja inzwischen alles, was zwei Beine hat
1 tolerieren muss man ja inzwischen alles, was zwei Beine hat
Montag, 25. April 2011
Dienstag, 19. April 2011
Sprüche (266)
Du sollst dir nicht von anderen einreden lassen, was gut für dich ist. Insbesondere nicht, wenn du's selber besser weisst.
Montag, 18. April 2011
Begriffsklärung (50)
Sonntag, 17. April 2011
Der Service ist nicht immer gleich.
Ich hatte vor vielen Jahren eine entfernte Verwandte, an die ich mich eigentlich nur noch in fortgeschrittener geistiger Verwirrung befindlich erinnern kann1. Sie wiederholte aus ihrem Dämmerzustand heraus interessanterweise immer nur einen einzigen, mir damals völlig unverständlichen Satz: "Ach, wenn der Herr mich doch endlich holen käme." — Moment. Nur der Teufel holt einen, oder? Wahrscheinlich sogar gratis. Zum Herrn muss man hingegen irgendwie selber.
1 sie war schon über 80 und hatte zwei Kriege, die Vertreibung aus ihrer Heimat sowie ein höchst arbeitsreiches Leben durchgemacht
1 sie war schon über 80 und hatte zwei Kriege, die Vertreibung aus ihrer Heimat sowie ein höchst arbeitsreiches Leben durchgemacht
Freitag, 15. April 2011
Sprüche (265)
Du sollst bei einem anderen nicht sein Schlechtes suchen. Das ist Niedertracht. — Suche seine Kreativität, seinen Humor, seine Originalität, sein Eigentum.
Donnerstag, 14. April 2011
Innen und aussen (II)
Du musst vom Innen schöpfen, nicht vom Aussen, besonderes in schweren und stupiden Zeiten. Du bist immer mehr als das, was du tust und sagst, was du bewirken kannst und was andere von dir denken, selbst dann noch, wenn am Ende alles frustra - vergebens und umsonst - war.
Mittwoch, 13. April 2011
Sprüche (264)
Du sollst keine Angst davor haben, allein auf einem Standpunkt zu stehen. Du kannst ohnehin nichts daran ändern.
Dienstag, 12. April 2011
Über neuzeitliche Knacknüsse.
Ein ungeeignetes Werkzeug ist nicht nur unnütz, es ist u.U. sogar hinderlich. — Dem werkzeugbenutzenden Menschlein fehlt dabei interessanterweise oft ein Blick von aussen auf sich selbst, auf seine Hände, sein Tun. Oder anders ausgedrückt: so mancher Schimpanse ist beim Knacken einer Nuss mit einem Stein geschickter als du mit deinem iDings und all dessen immanenter Intelligenz. Ja, jetzt guckst Du.
Montag, 11. April 2011
Nicht.
Donnerstag, 7. April 2011
Wohlstand und Energie.
These: Unser Energie- und (etwas allgemeiner) Ressourcenverbrauch ist unser Wohlstand. Dazu gehört ferner, sich über sein eigentliches Wesen keine Gedanken machen zu müssen, um all unsere Kühlschränke und Kühltruhen, zunehmend Klimaanlagen, Wäschetrockner, immer mehr Computer und deren Peripheriegeräte, die unendliche Palette von dummen Standby-Geräten, um Heizung, um Warmwassergewinnung, um das Auto.
Kühlen kostet Energie, auch wenn man die Kühltruhe in den Keller verbannt. Der Wocheneinkauf (mit dem Auto, das muss ich nicht erwähnen) ist heute Lebensstandard, unsere Infrastruktur und unser Lebensrhythmus sind darauf ausgerichtet. Aber das bedeutet, die gekauften Lebensmittel werden fortan gekühlt, über Wochen und Monate, den überwiegenden Teil der Zeit bereits bevor wir sie kaufen.
Mobilität kostet Energie. Der Energieverbrauch ist das eigentliche Wesen der Mobilitätsideologie und sowohl ihr Grund wie auch ihre Grundlage. Natürlich will jeder "im Grünen" wohnen, man hat dies vor 20 Jahren klug zum lifestyle erhoben. Die 20km Weg in jede Richtung, zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen, zu den Freizeitaktivitäten, zum Arzt, zur Müllentsorgung, die zwei Autos pro Familie (und wenn der Sohn 18 wird, auch ein drittes) waren bisher bezahlbar und also akzeptabel. Weintrauben im April, Erdbeeren im Dezember, die Äpfel aus Neuseeland (billiger als einheimische), Spargel aus Mexiko hiessen bislang Wohlstand, wer daran nicht teilnahm, wer nicht wenigstens einmal im Jahr ins Ausland flog, war ein armer Hund.
Information kostet Energie. Niemand hat bisher einmal vorgerechnet, was unseren neuartigen Errungenschaften an Energie verbrauchen: all die Vernetztheit, die Kommunikation, die Gigabytes auf Knopfdruck auf unseren klugen i- und Navigationsgeräten, täglich 24 Stunden lang, 365 Tage im Jahr. Die dafür notwendigen Infrastrukturen im Hintergrund sind beträchtlich, obwohl sie kaum jemand jemals zu sehen bekommt, von ein paar kleinen Funkmasten einmal abgesehen. - Ein Spezialfall von Information ist Werbung, die in ihrer häufigsten Form, der völlig ungerichtet breitgestreuten Massenwerbung, eine dekadente Verschwendung ist.
Den Energieverbrauch zu steuern, hiesse den Wohlstand steuern - die Einführung neuer, effizienterer technischer Entwicklungen hin oder her. Ob dieses Steuern allein über den Preis möglich sein wird, halte ich für fraglich. Vor ein paar Tagen hat der Liter Superkraftstoff 1.80 SFr erreicht, und es ist noch nicht einmal Ostern. Als ich in die Schweiz kam, lag ein üblicher Preis bei 1.25 SFr, d.h. 44% Steigerung in acht Jahren, in Deutschland sind es bereits mehr als 100% seit der €-Einführung. - Hat dies bislang nennenswerte Konsequenzen gehabt? Gut, das "SUV" ist inzwischen allgemein als Idiotie anerkannt. Insbesondere die deutsche Autoindustrie interessiert die Entwicklung des Benzinpreises allerdings wenig. Hat die LKW-Maut in dieser Hinsicht etwas gebracht, abgesehen von der Umlage der Kosten auf die Verbraucherpreise? Die sog. Umweltplaketten? Das Dosenpfand?
Ich behaupte, eine nachhaltige Reduktion des energetischen Fussabdrucks des westlichen Menschen lässt sich deshalb, weil dieser eben mit seinem Lebensstandard identisch ist, nur über künftige Generationen bewältigen, denen man zwingend einen anderen Lebensstandard als Wert vermitteln muss, insbesondere eine Abkehr von uneingeschränkter Mobilität und uneingeschränktem Konsum. Bei lebenden Generationen schafft man das nicht mehr, die sind in dieser Hinsicht verloren.
Kühlen kostet Energie, auch wenn man die Kühltruhe in den Keller verbannt. Der Wocheneinkauf (mit dem Auto, das muss ich nicht erwähnen) ist heute Lebensstandard, unsere Infrastruktur und unser Lebensrhythmus sind darauf ausgerichtet. Aber das bedeutet, die gekauften Lebensmittel werden fortan gekühlt, über Wochen und Monate, den überwiegenden Teil der Zeit bereits bevor wir sie kaufen.
Mobilität kostet Energie. Der Energieverbrauch ist das eigentliche Wesen der Mobilitätsideologie und sowohl ihr Grund wie auch ihre Grundlage. Natürlich will jeder "im Grünen" wohnen, man hat dies vor 20 Jahren klug zum lifestyle erhoben. Die 20km Weg in jede Richtung, zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen, zu den Freizeitaktivitäten, zum Arzt, zur Müllentsorgung, die zwei Autos pro Familie (und wenn der Sohn 18 wird, auch ein drittes) waren bisher bezahlbar und also akzeptabel. Weintrauben im April, Erdbeeren im Dezember, die Äpfel aus Neuseeland (billiger als einheimische), Spargel aus Mexiko hiessen bislang Wohlstand, wer daran nicht teilnahm, wer nicht wenigstens einmal im Jahr ins Ausland flog, war ein armer Hund.
Information kostet Energie. Niemand hat bisher einmal vorgerechnet, was unseren neuartigen Errungenschaften an Energie verbrauchen: all die Vernetztheit, die Kommunikation, die Gigabytes auf Knopfdruck auf unseren klugen i- und Navigationsgeräten, täglich 24 Stunden lang, 365 Tage im Jahr. Die dafür notwendigen Infrastrukturen im Hintergrund sind beträchtlich, obwohl sie kaum jemand jemals zu sehen bekommt, von ein paar kleinen Funkmasten einmal abgesehen. - Ein Spezialfall von Information ist Werbung, die in ihrer häufigsten Form, der völlig ungerichtet breitgestreuten Massenwerbung, eine dekadente Verschwendung ist.
Den Energieverbrauch zu steuern, hiesse den Wohlstand steuern - die Einführung neuer, effizienterer technischer Entwicklungen hin oder her. Ob dieses Steuern allein über den Preis möglich sein wird, halte ich für fraglich. Vor ein paar Tagen hat der Liter Superkraftstoff 1.80 SFr erreicht, und es ist noch nicht einmal Ostern. Als ich in die Schweiz kam, lag ein üblicher Preis bei 1.25 SFr, d.h. 44% Steigerung in acht Jahren, in Deutschland sind es bereits mehr als 100% seit der €-Einführung. - Hat dies bislang nennenswerte Konsequenzen gehabt? Gut, das "SUV" ist inzwischen allgemein als Idiotie anerkannt. Insbesondere die deutsche Autoindustrie interessiert die Entwicklung des Benzinpreises allerdings wenig. Hat die LKW-Maut in dieser Hinsicht etwas gebracht, abgesehen von der Umlage der Kosten auf die Verbraucherpreise? Die sog. Umweltplaketten? Das Dosenpfand?
Ich behaupte, eine nachhaltige Reduktion des energetischen Fussabdrucks des westlichen Menschen lässt sich deshalb, weil dieser eben mit seinem Lebensstandard identisch ist, nur über künftige Generationen bewältigen, denen man zwingend einen anderen Lebensstandard als Wert vermitteln muss, insbesondere eine Abkehr von uneingeschränkter Mobilität und uneingeschränktem Konsum. Bei lebenden Generationen schafft man das nicht mehr, die sind in dieser Hinsicht verloren.
Mittwoch, 6. April 2011
Ein Unding.
Wenn heute zwei oder mehr, vielleicht nicht so sehr hoch technisierte Produkte, beispielsweise Butter, in der Qualität ununterscheidbar sind, ausgerechnet für eins dieser Produkte betreibt man aber Werbung ... wofür wirbt man da also? — Für die Verpackung, für's Etikett1, d.h. für ein Metaprodukt, ein Unding. Man achte einmal darauf.
1 Es heisst in diesem Zusammenhang nicht "die Etikette", sondern "das Etikett", mein liebes Schweizervolk, auch wenn der Franzose mit "la étiquette" beides meint. Es heisst insbesondere nicht "Umwelt-" oder "Schadstoffetikette".
1 Es heisst in diesem Zusammenhang nicht "die Etikette", sondern "das Etikett", mein liebes Schweizervolk, auch wenn der Franzose mit "la étiquette" beides meint. Es heisst insbesondere nicht "Umwelt-" oder "Schadstoffetikette".
Dienstag, 5. April 2011
Den richtigen Horizont bedienen.
Einen Mächtigen von einer technischen Angelegenheit überzeugen, die er nicht überblickt? Zu der er also auch keinerlei Kriterium besitzt, anhand dessen er eine sog. Entscheidung treffen könnte? — Finde ein Programm1, das auf seinem iDings läuft und das diese Technik nachweislich benutzt, ganz gleich wozu. Der Gegenstand muss vor seinem Horizont auftauchen, in seinem Blickfeld, dann gibt es automatisch genügend hinreichende Kriterien.
1 ein sog. "Äpp"
1 ein sog. "Äpp"
Montag, 4. April 2011
Schwärmen.
Das Leben einen Sinn, eine höhere Ordnung, ein intelligentes Design? — Was ist das Menschlein mehr als ein Insekt?
Man wird noch darüber diskutieren, ob sich hinter einem Chaos eine bislang unentdeckte Regelmässigkeit verbirgt, ob eine Regelmässigkeit ein unentdecktes Chaos darstellt oder ob beide Begriffe am Ende sogar noch synonym sind.
Freitag, 1. April 2011
Sprüche (263)
Das Schlimmste für einen Mittelmässigen ist, an sein Mittelmass erinnert zu werden. Eine moderne Todsünde.
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