Montag, 30. Mai 2011

Sprüche (271)

Einen wirklichen Paragraphenreiter bringt man durch Ausserkraftsetzen seines Regelwerks wahrhaft in nichts geringeres als Teufels Küche.

Sonntag, 29. Mai 2011

Passfotos (XXXI)

Hohtürli (2778m), mittags, bei frischem Schnee

Donnerstag, 26. Mai 2011

Die Furcht.

"Die Furcht macht's bei dir, daß du weder recht siehst noch hörst [...]. Denn dies ist eben eine Wirkung derselben, daß sie die Sinne täuscht und die Dinge nie so erscheinen läßt, wie sie wirklich sind. Aber wenn es so um dich steht, so mach' dich nur auf die Seite, denn ich bin Mannes genug, den Sieg auf diejenige Partei zu bringen, der ich mich zuwende." Und indem er dies sagte, gab er dem Rosinante die Sporen, legte die Lanze ein und schoß den Hügel hinab wie ein Blitzstrahl. (Miguel de Cervantes Saaveda, Don Quijote de la Mancha)
Was soll man also sagen? — Hab keine Furcht! Hast Du nicht von Geburt aus Schwert und Lanze? Und weit mehr?

Mittwoch, 25. Mai 2011

Irren.

Etwas Fremdes hat oft einen merkwürdigen Bonus gegenüber Eigenem. Man ist intuitiv geneigt, jenem von vornherein mehr und besseres zuzutrauen als dem, was man selbst hinbekommt. Und einsehen zu müssen, dass andere auch nur mit Wasser kochen, nicht zaubern können, Unzulänglichkeiten und Fehler begehen, diese aber vielleicht geschickt verstecken können, ist immer ein mühsamer, zeitfressender und am Ende auch schmerzlicher Prozess. — Genau bis hierhin ist Irren menschlich. Aber eben keinen Schritt weiter.

Dienstag, 24. Mai 2011

Sprüche (270)

Ärgere Dich nicht darüber, dass es dir etwas ausmacht. — Du wärst sehr viel ärmer ohne ein schlagendes Herz.

Montag, 23. Mai 2011

Begriffsklärung (51)

Die sog. Wohlstandsverwahrlosung ist genaugenommen der Verlust der Fähigkeit, sich nennenswert anzustrengen, und zwar über das hinaus, was man ohnehin erlangt. Alle negativen Begleitsymptome hängen letztendlich damit zusammen. Wohlstand erzieht konsequent Schwächlinge (und gräbt sich dabei selbst das Wasser ab ...)

Donnerstag, 19. Mai 2011

Solche und solche Logik.

Eine Antwort muss in ein und demselben System ihrer jeweiligen Logik erfolgen. Eine Antwort, die ausserhalb dieser Logik stattfindet, bleibt notgedrungen unverständlich und ergibt keinen Sinn. Drum ist es so problematisch, mit einem vernunftbasierten Argument gegen einen Aberglauben anzureden. Einer, der davon überzeugt ist, dass es nichts als den Tod bringt, an einem 13. zu reisen, ist in dieser Hinsicht gegen jede Vernunft immun, und sei er auch habilitierter Naturwissenschaftler. Konsequenterweise müsste allerdings ein hinreichend klug gewähltes Argument aus dem Reich der Unvernunft sehr wohl Anerkennung finden. (Mal experimentell prüfen!)

Mittwoch, 18. Mai 2011

Sprüche (269)

Nicht weiter zu wissen, ist keine Schande. Aber leg nicht die Hände in den Schoss, wartend, dass doch noch "alles gut wird". — Wer bist denn Du?

Dienstag, 17. Mai 2011

Nothilfe.

Ach, Fuchs, muss ich dich wirklich morgens um halb sechs aus der Mülltonne befreien, deren zugefallenen Deckel du nicht weiter als ein, zwei Zentimeter anzuheben vermochtest? Immerhin, das Scheppern hat dich gerettet. Aber heisst es nicht, du seiest ein kluger Bursche? Musst du also wirklich Nacht für Nacht ausgerechnet im Abfall herumwühlen, wo dumme Menschen ihre überflüssige Wahlstandsnahrung "entsorgen"? Eines Tages wird es dich den Pelz kosten.

Montag, 16. Mai 2011

Hinter dem Horizont.

Die Dinge werden stets am Gesichtskreis, am Horizont gemessen: in einem kleinen Haus ist eine Katze vielleicht das gefährlichste Raubtier. Und so diskutiert man vielleicht zwei Stunden lang im Kreis von zehn Personen über eine dumme Lappalie, ohne das sich dahinter verbergende, viel grössere und eigentliche Problem überhaupt wahrzunehmen, geschweige denn in der Tiefe zu begreifen - es liegt hinter dem Horizont und somit nicht nur ausserhalb der Reichweite, sondern eigentlich ausserhalb der Welt. — Hinter den Horizont zu schauen ist eine Kunst, die sich zu lernen lohnt. Man braucht dazu nur entweder ein anderes Auge oder gekrümmte Lichtstrahlen. Oder vielleicht war man ja schon einmal hinter dem Horizont und kann sich noch erinnern.

Samstag, 14. Mai 2011

Ich oder ER.

Wer einen Gott für sein Scheitern verantwortlich macht, der muss ihm auch seine Erfolge zuschreiben, d.h. in jeder Hinsicht klein bleiben.

Donnerstag, 12. Mai 2011

Genau hinhören.

Wenn ein Arzt sagt, sein Patient habe nun "die allerbesten Aussichten" — woran misst er, womit vergleicht er das, mit Gesunden oder mit anderen Kranken? Das ist möglicherweise wesentlich.

Dienstag, 10. Mai 2011

Neuer Rekord.

Das Ergebnis von zweieinhalb Tagen angestrengter Suche nach einer Lösung — eine halbe Zeile Text an der richtigen Stelle:
pXAxis->SetFormat(L"%Y-%m-%d %H:%M:%S");
Mir komme noch einmal einer mit der Ansicht, man könne Gedanken einfach nach Zeilen abrechnen.

Montag, 9. Mai 2011

Von der Langeweile.

Arm bist du, um dem Wort einmal eine weitere Bedeutung hinzuzufügen, wenn du mit dir nichts besseres anzufangen weisst, als dich zu langweilen. Sag nicht, du wüsstest keinen Ausweg. Die Langeweile ist niemals ein Produkt äusserer Umstände - der Stadt, der Leute, des "kulturellen Angebots" - an dem das Individuum bedauerlicherweise zu leiden verurteilt ist — sie kommt vielmehr von innen, aus dir, und zwar oben aus dem rübenförmigen Balast, den du zwischen deinen Schultern trägst.

Samstag, 7. Mai 2011

Sprüche (268)

Wer eine fremde Brille findet, sieht damit nicht mit anderen Augen.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Sprüche (267)

17% der befragten Schweizer Hundebesitzer bestätigen: "Der Hund diktiert mein Leben." — Und die dürfen alle wählen und abstimmen ...

Mittwoch, 4. Mai 2011

Die dritte Realität.

Was Kant und Schopenhauer zumindest nicht in vollem Umfang voraussehen konnten, war, dass es eines Tages neben dem Ding an sich und unserer individuellen Vorstellung von ihm (dem Ding in unserem Kopf) möglicherweise noch eine dritte Realität geben könnte, die neben diesen beiden eigenständig existiert und fortwährend lebendig bleibt — die Welt der Informationen mit ihren ganz eigenen Gesetzen und Wahrheiten, Figuren und Identitäten, Lebenszyklen (d.h. Zeiten) und Medien (d.h. Räumen).

(Man könnte auf die Idee kommen, diese Realität aufgrund ihrer Existenz ausserhalb unseres Kopfes notgedrungen jener ersten zuzuschreiben, ihre Gegenstände also als physisch vorhandene Entitäten zu betrachten, als elektrische, magnetische oder optische Zustände. Das sind sie auch, aber das sind nur die physischen Repräsentationen von Informationen. Die "Information an sich" ist etwas Darüberhinausgehendes.)

Abgesehen nun von ein paar logistischen Neuartigkeiten wie beispielsweise der nicht mehr zweifelsfrei zu beantwortenden Frage nach Originalität und Identität von Information oder der Ortlosigkeit von Information - Information ist schlicht "im Netz" - und ein paar weiteren interessanten Erscheinungen besteht eine Eigenschaft dieser neuen, dritten Realität darin, wie sich das erkennende Subjekt ihr gegenüber verhält: sein Erkenntnisvermögen ist nicht mehr in jeder Hinsicht frei. Das ist wesentlich. Der Einzelne findet in der Welt der Informationen ausschliesslich (!) solche vor, die von anderen für ihn vorgedacht sind. Er kann zwar durch Quervergleiche noch gewissen Prüfungen vornehmen und mit etwas Erfahrung Wahrscheinlichkeiten abschätzen, zum tatsächlichen Wahrheitsgehalt aber letztendlich keine konkrete Aussage mehr machen. Er findet u.a. Meinungen, Wertungen, Standpunkte, Vermutungen und Mutmassungen bis hin zu ganzen Denkmodellen (von platten Lügen einmal ganz abgesehen), die ihm allesamt als eigene Wahrheiten gegenübertreten. Eine Aufgabe, die er bezüglich dieser Informationswelt wahrnimmt, ist, sich daraus eine mehr oder weniger konsistente "Weltanschauung" zusammenzusetzen, aber wie gesagt wesentlich eine Anschauung der Welt der Informationen, d.h. eben nicht mehr eine jener ersten, objektiven Welt. Er schaut mehr und mehr nur noch ein Abbild und das Abbild eines Abbildes.