Donnerstag, 29. September 2011

Hinüber.

These: jeder Wachstumsprozess hat irgendwo einen Punkt, nach dessen Überschreitung und Weiterwachsen die Qualität des Gegenstandes leidet.

Mittwoch, 28. September 2011

Ent-täuschung (II)

Das Menschlein könnte eigentlich über jede ordentliche Enttäuschung froh sein, und je tiefer umso mehr. Allerdings ist das Gegenteil der Fall: weil es die Dinge durchaus auch dann noch an der eigenen Vorstellung misst, nicht an ihrer Realität, selbst wenn diese sich nun ganz offen zeigt.

Dienstag, 27. September 2011

Auf der Flucht.

Der Gesunde flieht den Arzt, aus einem inneren Unbehagen heraus und deshalb schnellen Schrittes. — Er flieht auch den Richter und den Polizisten, das Militär, den bürokratischen Beamten, den Pfarrer, den Anlageberater und Versicherungsvertreter, aus ein- und demselben Grunde.

Sonntag, 25. September 2011

Passfotos (XXXIII)

Wart (2704m), Wildgärst (2890m),
mittags bei finsterer Bewölkung

Freitag, 23. September 2011

Differenzieren!

Anmassend1? — "Anmassend" ist tatsächlich ein gutes Wort, wie auch "vereinnahmend". Aber was will man erwarten, und von wem? Wie sollte der Stellvertreter Gottes das Prinzip einer Anmassung oder Vereinnahmung begreifen können? Oder etwa auch die Staatsführung und das Parlament der Bundesrepublik Deutschland? Oder das gebührenfinanzierte, deutsche Fernsehen? Und warum auch?

Der katholischen Kirche wäre indes (im eigenen Interesse) einmal dringend nahezulegen,
  • die Begriffe Gott, Religion (insbesondere den Plural), Glaube, Christentum, Kirche, Kultur, Moral, Werte und Wertegemeinschaft, Lebenserfahrung und Lebensweisheit und vielleicht durchaus auch Vernunft strikt zu differenzieren, d.h mit einiger Sorgfalt auseinanderzuhalten,
  • den eigenen historischen Beitrag dabei einmal nüchtern, kritisch und selbstreflexiv zu bewerten (insbesondere zum Thema Moral), und
  • sich im folgenden auf ihre unbestrittene Kernkompetenz zu konzentrieren: das Vorkauen des Irrationalen für Zahnarme (und nicht zuletzt das Geschäft damit).
Um es einmal zu verdeutlichen: ein sog. gesellschaftlicher Wert ist nicht deshalb ein christlicher Wert, weil er in der Bibel auftaucht oder kreativ aus dieser herausinterpretiert werden kann. Er war möglicherweise zu anderer Zeit und an anderem Ort auch ganz unabhängig von der Bibel ein anerkannter Wert, nämlich weil das Menschlein aufgrund seiner Vernunft und Logik gelegentlich zu der Erkenntnis kam, dies und jenes sei eigentlich ganz gut und praktisch, wenn man es so und so handhabe. Und er wird dies möglicherweise selbst dann noch sein, wenn man vom Christentum etwa noch so viel wissen wird, wie wir heute über die Religion(en) im alten Mesopotamien.

1 eines jener Worte, bei denen man ein Eszett vermisst

Donnerstag, 22. September 2011

Sprüche (283)

Der Herbst ist die einzige Jahreszeit mit einem eigenem Geräusch — dem des Laubpusters. Was nutzt es da, dass er golden ist?

Dienstag, 20. September 2011

Missmut auf Rosinantes Rücken.

Ja, der Stachel sitzt tief, der Anerzogene. Einmal nur hinsehen, einmal nicht wie üblich die Dummheit tolerieren, einmal den Mund aufmachen und etwas sagen, leise und höflich, wenn es nun einmal nottut (und das tut es oft genug), einmal anständig sein, wenigstens sich selbst gegenüber ... und schon meldet sich auf filzig-leisen Sohlen herankriechend noch ein schlechtes Gewissen - ihr Agent in meinem Reiche - weil ich womöglich den Schäflein bereits zu viel zugemutet habe. Dabei hatte ich ja noch nicht einmal das Schwert aus der Scheide gezogen, wahrscheinlich ist es ohnehin längst verrostet ...

Freitag, 16. September 2011

Fluchen lernen.

Aber der Teufel ist nie am Platze, wo er am Platze wäre: immer kommt er zu spät, dieser vermaledeite Zwerg und Klumpfuß!“ —
Also fluchte Zarathustra ungeduldig in seinem Herzen [...]
(Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, Teil IV, "Außer Dienst")
So ist's recht: den Teufel beiläufig einen Zwerg nennen. Wir müssen noch viel üben mit unserem kleinen Herzen, man braucht schon ein sehr grosses dazu, sonst wirkt solches Fluchen nicht authentisch ...

Donnerstag, 15. September 2011

Steil nach oben.

These: jede abgeschlossene, sich allerdings mit anderen überlappende Intransparenz erhöht die Komplexität eines Systems um eine Potenz. — Wer einen komplizierten Sachverhalt an einer Stelle nicht durchschaut, wird länger brauchen, dessen Verhalten zu erklären und vorherzusagen, eine Erweiterung vorzunehmen oder einen Fehler zu finden. Mit jeder weiteren Intransparenz steigt diese Zeit nicht nur linear, sondern exponentiell.

Dienstag, 13. September 2011

Alt werden (III)

Alt werden heisst mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit unbeweglich werden. Man ist zu keinem Ortswechsel mehr in der Lage, in keinem denkbaren Raum. Man kann auch weder mit der Zeit schritthalten noch im Geist-Raum navigieren. Das ist vielleicht das wesentliche Kriterium des Alters ... und übrigens ganz unabhängig vom aktuellen Lebensalter.

Montag, 12. September 2011

Sprüche (282)

Du sollst mir nicht die Fotos und Videos auf deinem Mobiltelefon zeigen.

Sonntag, 11. September 2011

Sprüche (281)

Es interessiert mich nicht, wo du bei 9/11 warst und was du gemacht hast. Nein, wirklich nicht.

Mittwoch, 7. September 2011

Finanzquickie (II)

These: Wenn es tatsächlich jemandem ernst wäre mit der Rettung des internationalen Finanz- und Währungssystems, dann würde er die Idee aufwerfen, den Illusionshandel der Börsen (insbesondere mit Wertpapieren und Devisen) zeitweise ausser Kraft zu setzen, entweder teilweise oder ganz. Es tut derzeit schlicht noch nicht weh genug dafür.

Dienstag, 6. September 2011

Begegnung (VII)

Neben Fuchs, Dachs und Reh nun auch noch einen Eisvogel auf dem Weg zur Arbeit und damit praktisch vor der durchaus städtischen Haustür zu haben, glaubt einem ja sowieso keiner.

Montag, 5. September 2011

Jenseits der Komplexität.

Ärgerlich ist immer, wenn einer unter dem zweifellos sogar ehrlichen Vorsatz, etwas verbessern1 zu wollen, am Ende doch eher eine Verschlechterung herbeiführt, nämlich weil er die eigentliche Komplexität nicht einmal wahrgenommen, geschweige denn in voller Tiefe verstanden hat. Er löst dann vielleicht mit seinem kurzen Horizont ein naheliegendes Problem, vorerst und halbherzig, übersieht aber das Was, Wie und Warum dahinter und die vielen Fälle, für die es ebenfalls tauglich sein sollte. Und aufgrund seines momentanen (Teil-)Erfolges steht er sogar noch gut da, man beglückwünscht ihn zu seiner Lösung. — Im Moment des Erfolges sind solche Fragen oft sekundär, tertiär, dazwischen kommen in jedem Falle noch die Kosten, die kurzfristigen selbstverständlich ... Komplexität auszublenden ist heute ein erfolgversprechendes Prinzip. Man löst nur einen Teil, und nur diesen Teil, alles andere ist momentan nicht mein Problem.

1 man könnte ja auch "bessern" sagen - nein, man sagt heute im Deutschen lebensklug "verbessern"