Montag, 31. Oktober 2011

Sprüche (285)

Du sollst dich nicht kleiner machen als du bist.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Nur gefühlt.

Wie ist es möglich, dass man bereitwillig auf 100 Milliarden Euro verzichtet? Die ganze Welt und sogar Banken sind erleichtert. Fort damit! Wir wollen das nicht zurück! — These: dieses Geld ist nichts wert. Es kann nichts wert sein! Darüber besteht letztendlich Einigkeit, eine unausgesprochene selbstverständlich. Es hat genaugenommen nicht einmal existiert, jedenfalls nicht in Form von realen Gegenwerten. Es war nur gefühlt.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Schwierig.

Eine Stunde über unverständlichem Geschreibsel brüten.
Oder einen Tag.
Beim besten Willen keinen Sinn entnehmen können.
Den Kopf über solchen Unsinn schütteln.
(Und auch darüber, dass man ihn veröffentlicht findet.)
Plötzlich die eigene Unterschrift darunter finden.
Noch einmal den Kopf schütteln.
Es ist noch nicht einmal lange her.
Und doch war man offensichtlich nicht derselbe ...

Sonntag, 23. Oktober 2011

0x (IV)

Ein neues Lebensgefühl seit der Jahrtausendwende? — Fatalismus! Die letzte nennenswerte Euphorie in der westlichen Welt, nämlich über das Ende des Kalten Krieges und die weltweite Erstarrtheit, über das europäische Ingangkommen einer bis dahin ungekannten Offenheit, Mobilität, Nachbarschaft und Verbundenheit, über ein neues europäisches Selbstbewusstsein liegt zeitlich bereits eine Dekade zurück. Seitdem gab es keine mehr und der sog. arabische Frühling wird daran wohl zunächst nicht viel ändern.

Seit der Jahrtausendwende, seit 9/11, der Immobilien- und Finanzkrise, der Eurokrise, dem praktisch ergebnislosen Afghanistankrieg, dem Öldesaster im Golf von Mexiko, dem Tsunami in Thailand, Fukushima und dem unverrückbaren Bewusstsein über die globale Erwärmung wird mehr und mehr gewiss: das neue Jahrhundert wird eines sein, in dem die Katastrophen in so schneller Abfolge auftreten, dass tatsächlich niemand mehr agieren, sondern alle nur noch reagieren können, zuerst die Märkte natürlich. Agieren ist ein anachronistisches Konzept, ein inzwischen untaugliches. Und was das Reagieren betrifft, so geht es heute nicht mehr um ein paar Subventionen und Fördergelder, das Vokabular sagt es ganz deutlich: es geht um nichts Geringeres als immer wieder um die Rettung der Welt (oder ein paar lohnender Teile). So etwas wie ein Leben (natürlich nicht das, was wir bisher kannten) ist heute offensichtlich nur noch unter Rettungsschirmen möglich. Dessen muss das Menschlein sich klarwerden, und es wird vielleicht nie mehr anders sein.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Abseits.

Ich will einmal wissen, wieviele im weitesten Sinne technische Probleme schon weit abseits, beim Spazierengehen, oder gar nächtens gelöst worden sind, fern von allem, im Dunkeln, bei nicht einmal klaren Bewusstsein. Als ob das gerade Bedingungen wären! — Unternehmen, die nicht wenigstens einen anständigen Billiardtisch - zur Problemlösung! - besitzen, oder etwa (ich rege das hiermit einmal an) ein Musikzimmer, sind eigentlich unseriös.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Selbstverständlich.

Gut und Böse sind zwei ununterscheidbare Synonyme. Ziert man sich heute möglicherweise noch, der digitalen Welt sein Innerstes preiszugeben, werden künftig bereits Eltern und Verwandte guten Gewissens ein digitales Kerbholz ihres Wurmes anlegen, mit Inhalten befüllen und lautstark darauf hinweisen, noch ohne dass dieser überhaupt einen einzigen eigenen Gedanken fassen konnte, noch vor seiner Geburt. Es wird zum Reich des Guten gehören, alle haben das, und die Vielen werden das auch vom Einzelnen fordern, mehr als heute, die Forderung wird sogar unausgesprochen bleiben können - nur keine Angst, so ist es bislang noch immer gewesen1. Es wird gar nicht schnell genug gehen können. Man wird unruhig werden, wenn es zu lange dauert. Die Schutzfunktion der Eltern wird eines Tages darüber definiert und möglicherweise Vernachlässigung konstatiert werden! Und dann zähle man ruhig auf seine Eltern, die selber schon erlegen sind, wie ihre Eltern auch schon ... Mother's gonna make all your nightmares come true. — Wir machen uns heute noch keine Gedanken darüber, was in 20 Jahren alles selbstverständlich sein wird ...

1 Ich muss nicht erst in Erinnerung zurückrufen, was religiöse Eltern ihren Kindern antun, und zwar mit erklärter Selbstverständlichkeit.

Montag, 17. Oktober 2011

Nicht verallgemeinern.

Freiheit sei die Einsicht in die Notwendigkeit der Gitterstäbe, schreibt Солженицын ironisch. Aber natürlich kann man einen solchen Gedanken, unter der direkten Einwirkung Stalins gedacht und später aufgeschrieben, nicht einfach verallgemeinern.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Randbemerkung.

Möglicherweise bis zu 17 Milliarden Euro habe allein die deutsche Beteiligung an der internationalen Afghanistanmission gekostet, aktuell 52 tote Soldaten gefordert und - das sagt ein ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr - nahezu nichts gebracht. — Solche Aussagen gehen heute leider im Medienrauschen unter, wir haben schlicht wichtigeres zu tun.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Offene Briefe (XIII)

Meine lieben Wahlkämpfer,

ich weiss, es sind verdammt harte Zeiten, diese Wahlkämpfe. Alte Frontschweine wissen das: man muss sich schon etwas einfallen lassen jetzt und wenigstens jetzt! Jetzt wird's ernst! Der Gegner ja schläft nie. Und man weiss ja, dass der Bürger (d.h. dessen Bauch) kulinarisch zugänglich ist. Warum also nicht auch diesmal wieder Gummibärchen oder Kekse in die Briefkästen werfen? Die Tütchen mit Blumensamen ... das war mal etwas Neues. Das von mir vor Jahren bereits prognostizierte Freibier vermisse ich allerdings bis heute. Gut, es sind ja noch ein paar Tage, in der man die Materialschlacht, die bereits in der Besinnungslosigkeit begann, noch auf die Spitze treiben kann ...

Mehr Bier, sag ich! Und jedem ein neues iQuatsch! Sonst wird das nix. Echt jetz!

Mit freundlichen Grüssen, wie immer

Sonntag, 9. Oktober 2011

An dämmrigen Abenden.

Der Leser wundert sich bereits — es ist merkwürdig still hier, seit Tagen, und das hat u.a. einen Grund: ich bin derzeit selbst Leser, mehr und intensiver als normalerweise, und auch ein wenig mit Hintergrundrecherchen beschäftigt. Солженицын1. Das Fassbare zu fassen und das Unfassbare zu ...

1 diesen Namen sollte man tatsächlich nicht transskribieren, es kommt immer nur Mist dabei heraus

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Nur kurz.

Um Frau Meckel doch einen Kommentar zu geben ... ein freies Leben wird auch (!) künftig (!) schlicht eine Negativdefinition haben müssen. Es wird nicht unwesentlich das sein, woran man nicht teilnimmt, was man nicht mit der grossen Wiederkäuergemeinschaft und Masse teilt, nicht glaubt und nicht als Wert übernimmt. Und, ja, vielleicht wird mancher sich besinnen, in dunklen Momenten ohne Netz, dass vielleicht doch noch Überraschendes verbleibt.

Dienstag, 4. Oktober 2011

Sprüche (284)

Er habe nie etwas werden wollen, sagt Gerhard Polt. — "Werdet wie die Kinder." sagt Dieter Meier.

Montag, 3. Oktober 2011

Auf sie!

Man darf angesichts so manch aktueller Massenschlägerei ruhig davon ausgehen, dass all unser schüchtern-verhaltenes Zurückstehen demgegenüber, unser Kopfschütteln und ungläubig Schauen, d.h. unsere vermeintliche Zivilisiertheit, das Ergebnis von 2000 Jahren europäischer Entwicklung, schlicht geheuchelt ist. — Würde das "zufällige" Zusammentreffen zweier im Faustkampf hinreichend trainierter Fussballvereine auf der Strasse im Fernsehen übertragen und ggf. sogar qualifiziert kommentiert - das eigentliche Spiel wäre womöglich belanglos, wenn ein paar ordentliche Zähne fliegen. Die Sender könnten Millionen an Sportübertragungsrechten einsparen! Denn was sollte der Zuschauer mehr wollen? Und was wäre ehrlicher?

Sonntag, 2. Oktober 2011

Passfotos (XXXIV)

Chilchfluepass (2454m), Rote Härd (2683m), Schilthorn (Tagesziel, 2970m)

(Wer zwar die Spiegelreflexkamera eingepackt, deren Speicherkarte jedoch zu Hause im Laptop vergessen hat, muss notgedrungen mit dem Mobiltelefon "fotografieren" ...)