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Mittwoch, 30. November 2011
Beispiel und Prinzip.
These: immer dann, wenn Leute anfangen, etwas systematisch nur über Beispiele zu erklären und dies auch so festzuschreiben, liegt ein Problem entweder mit ihrem Verständnis oder gar mit der allgemeinen Verstehbarkeit vor. Es muss misstrauisch machen, wenn einer nur in Beispielen spricht, ohne dahinter ein Prinzip, ein Konzept, eine Abstrahierung zu finden, die er erläutern könnte. Es gibt interessanterweise ganze Bücher (Computerliteratur, aber auch Recht, Medizin) und Seminare, die nur in Beispielen stattfinden, und das war's dann. Das ist tatsächlich ein modernes Qualitätsmerkmal, eine Folge immer komplexer werdender Zusammenhänge. — Echtes, wieder abrufbares und auf andere Situationen übertragbares Verständnis einer Thematik entsteht in der Regel erst durch Begreifen des abstrakten Prinzips, das ist die Basis, und sein Nachvollziehen anhand von Beispielen. Beispiele sind nur eine Vertiefung, sie nützen ohne diese Basis nichts. Eine Hausaufgabe oder Übung ist dann eigentlich nur noch ein kleiner Schritt, ein Beispiel mit offener Lösung.
Freitag, 25. November 2011
Sprüche (288)
Das sog. internationale Finanzsystem ist wesentlich eine semiprofessionelle Infrastruktur zur gegenseitigen Verschiebung von Kellerleichen (mit und neuerdings auch ohne Wertausgleich) inkl. Wartesälen, Wechselstübchen, Gepäckaufbewahrung usw. Und man redet nun davon, wie man dieses Horizontalreisebüro wohl wieder zum Funktionieren brächte, denn dann wäre alles wieder in Ordnung ...
Donnerstag, 24. November 2011
Vertikal delegieren.
Der Ruf nach dem Anwalt, dem Schiedsgericht, nicht selten auch nach der Polizei, ist in der Regel nichts weiter als die erste Reaktion auf die manifest gewordene Erkenntnis, dass man in einer konkreten Situation aus eigener Kraft nicht weiter kommt. Schon Kinder rufen nach der Mama, wenn auf dem Spielplatz mal einer dem anderen die Schaufel wegnimmt. Man delegiert, womit man nicht mehr fertig wird, an eine höhere Instanz, die das Problem hoffentlich lösen wird. Und dass sie dies tut, steht einem zu, dessen ist man gewiss. — Die angerufene Instanz wächst dabei notgedrungen mit den Zielen. Der Spruch "Gott mit uns" stand bis 1945 auf deutschen Koppelschlössern. Seit 1955 ist die Formel "In God we trust" für alle amerikanischen Münzen und Banknoten verbindlich.
Dienstag, 22. November 2011
Dreimal, wenigstens.
Formalismus ist eine aus Unsicherheit und Kleingeist geborene Zweit- und Nebenwelt, die orthogonal zu den Dingen steht, mit denen man sich eigentlich beschäftigt. Man muss das richtig werten: ohne ein Minimum an vereinbarter Methodik wird es oft nicht gehen, ein Zuwenig wird man nachbessern müssen, ein Zuviel allerdings wird man nur noch schwer wieder los und schleppt es wie einen Zementsack mit sich herum. — Wer Regeln aufstellt und festschreibt, sollte als erstes (und zwar dreimal) ihre dringende Notwendigkeit bestätigen.
Samstag, 19. November 2011
Sprüche (287)
Nicht wenige selbsternannte Gross- und sogar Hauptstädter sind bei genauerem Hinsehen — überraschend provinziell.
Freitag, 18. November 2011
Nicht mich!
Nein, frag nicht mich nach dem Weg. — Ich weiss, Frauen tun das, es ist gar nichts dabei, aber Männer sind schlicht keine guten Auskunftgeber, denn Männer sind nie irgendwo fremd. Frauen sollten nur Frauen fragen, die können dann auch kompetent Antwort geben. Ich werde dich hingegen zielstrebig ins Nirwana schicken, nach Moosseedorf oder so, und mir gar nichts dabei denken. Männer und Frauen haben eine komplett verschiedene Geografie inkl. verschiedener Begrifflichkeit, anderer Orientierungspunkte1, unterschiedlicher Vorstellungen über Entfernungen usw. Ein wirklich bemerkenswertes Phänomen — sie leben in ein und derselben Welt.
1 die allermeisten Schaufenster beispielsweise sind für mich graue, gänzlich tote Gebiete - Frauen merken sich die Namen von Geschäften (inkl. Öffnungszeiten), ich merke mir, da hinten steht der Brunnen mit dem Schleckbär drauf
1 die allermeisten Schaufenster beispielsweise sind für mich graue, gänzlich tote Gebiete - Frauen merken sich die Namen von Geschäften (inkl. Öffnungszeiten), ich merke mir, da hinten steht der Brunnen mit dem Schleckbär drauf
Dienstag, 15. November 2011
Vom Verbot.
Wenn, wie ich schon postulierte, Kollektive sich nicht unwesentlich über äussere Feinde definieren, so wird bedeutsam, wie sie mit ihnen umgehen, mit jenen also, die ihren Wertekanon nicht teilen. In Bezug auf unsere westlichen Gesellschaften und ihre freiheitlich demokratische Grundordnung sind das beispielsweise Erscheinungen wie Terrorismus, Links- und Rechtsradikalismus, Glaubens- und Konsumverweigerung, Kriminalität und Prostitution, aber auch klassische Weltfluchtmechanismen wie Alkoholismus und Drogenkonsum, im Orient vielleicht "die Ungläubigen". — These: Je grösser das Kollektiv, je mächtiger, selbstverständlicher und deshalb auch alternativloser es sich wähnt, umso mehr neigt es dabei zum schlichten Verbot. Das Verbot ist immer eine Option. Drogen kann man beispielsweise verbieten, Alkohol auch, man rolle nun ruhig die Kette weiter von hinten auf ... Wer für ein Verbot plädiert, muss sich mit jenem quälenden Bösen insbesondere auch nicht länger auseinandersetzen, es ist ja verboten! Ein Verbot ist drum nicht weit entfernt von der Verleugnung.
Sonntag, 13. November 2011
Montag, 7. November 2011
Sprüche (286)
In dem Artikel stand "Webvideos", aber noch bevor das Wort mein Gehirn erreichte, wurde es automatisch in "Werbevideos" übersetzt. — Noch Fragen?
Dienstag, 1. November 2011
Offene Briefe (XIV)
Meine lieben Fernsehmacher bei ARD und ZDF,
seit Jahren beobachte ich unfreiwillig ein Phänomen, das viele Fragen aufwirft, und zwar vornehmlich in den öffentlich-rechtlichen deutschen Programmen, jenen mit ihrem vielseitigen Spektrum an Aufträgen und Auflagen: tendenziell vorteilhaftes Geschichtsdesign.
Nicht, dass mir nicht klar wäre, was Fernsehen ist und was ich zu erwarten hätte. Das Wort meint es durchaus ernst: es ist so ziemlich fern von allem. Dessen muss man sich bewusst sein, in jedem Augenblick und gerade bei historischen Themen, die man in letzter Zeit angeht. Es geht mir auch nicht um mich, ich kann schon damit umgehen, es geht mir um obiges Spektrum an Aufträgen, insbesondere um den Bildungsauftrag, den öffentlich-rechtliches Fernsehen hat.
Ich weiss gar nicht genau, wann es anfing. Schindlers Liste vielleicht (1993), Bundesverdienstorden mit Stern. Ich glaube, dieser Film und insbesondere dessen internationaler Erfolg hat in vielen deutschen Medienköpfen die Vorstellung massgeblich mit hervorgerufen, da sei doch noch mehr Potential, man müsse nur ordentlich suchen, es muss doch einfach noch mehr gegeben haben.
Was folgte, war allerdings eine auffällige Kette an Peinlichkeiten: Stalingrad (1993), Der Untergang (2004), Dresden (2006), Die Flucht und Die Gustloff (beide 2007), um nur einmal jene zu nennen, die vor Kriegsende handeln, und es folgen offenbar weitere. Ja, ich nenne auch den vielgelobten Untergang eine filmische Peinlichkeit, nämlich wegen offenkundig einseitiger, verzerrender, verharmlosender Darstellung, alles Böse auf eine Handvoll bekannter und entmenschlichter Verbrecher in Uniformen projizierend. Der Tenor all dieser Produktionen ist: das Volk war eigentlich ganz anders, die Nazis waren eine kleine Clique, eigentlich hat das alles doch niemand gewollt, eigentlich war ein ganzes Volk doch Opfer und eigentlich waren "wir" doch gar nicht so schlimm. Und insbesondere in Dresden und Die Gustloff auch: die anderen haben uns das Leid gebracht! Mag sein, liebe Fernseh- und Filmemacher. Und dem über Jahrzehnte mit Musikantenstadl und Wetten dass? sturmreif geschossenen Fernsehpublikum ist anhand bewegter Bilder augenblicklich klar: das war damals so, und etwas anderes will und muss ich nicht wissen.
Aber es gehört eben zu den historischen Tatsachen, die auch durch Verschweigen oder jenes unsägliche Verkitschen nicht einfach verschwinden, dass das deutsche Volk in dieser Hinsicht eben durchaus zwei Aspekte hatte (und hat!) Ich will drum - und zwar der historischen Vollständigkeit halber - durchaus einmal das muntere Treiben einer SS-Kompanie im besetzten sowjetischen Hinterland in einer mehrteiligen ZDF-Eigenproduktion erleben dürfen, und zwar um 20:15. Das ist das deutsche Fernsehen seinen Zuschauern schuldig! Was ist so schwierig daran? Ja, Opa Fritz lebt noch, na und?
Es gab einmal - es ist lange her - ein paar deutsche Filme, die waren anders. Und man könnte, wenn man ein Kerl von Programmdirektor wäre, auch im ZDF noch einmal einen Film vonKonrad Wolf zeigen. Es würde nicht einmal etwas kosten, möglicherweise heute allerdings Mut. Und wenn dabei herauskäme, dass auch nur ein einziger Zuschauer einmal seine Eltern oder Grosseltern fragte, dann wäre das schon ein Nutzen.
Mit den üblichen leeren Floskeln
seit Jahren beobachte ich unfreiwillig ein Phänomen, das viele Fragen aufwirft, und zwar vornehmlich in den öffentlich-rechtlichen deutschen Programmen, jenen mit ihrem vielseitigen Spektrum an Aufträgen und Auflagen: tendenziell vorteilhaftes Geschichtsdesign.
Nicht, dass mir nicht klar wäre, was Fernsehen ist und was ich zu erwarten hätte. Das Wort meint es durchaus ernst: es ist so ziemlich fern von allem. Dessen muss man sich bewusst sein, in jedem Augenblick und gerade bei historischen Themen, die man in letzter Zeit angeht. Es geht mir auch nicht um mich, ich kann schon damit umgehen, es geht mir um obiges Spektrum an Aufträgen, insbesondere um den Bildungsauftrag, den öffentlich-rechtliches Fernsehen hat.
Ich weiss gar nicht genau, wann es anfing. Schindlers Liste vielleicht (1993), Bundesverdienstorden mit Stern. Ich glaube, dieser Film und insbesondere dessen internationaler Erfolg hat in vielen deutschen Medienköpfen die Vorstellung massgeblich mit hervorgerufen, da sei doch noch mehr Potential, man müsse nur ordentlich suchen, es muss doch einfach noch mehr gegeben haben.
Was folgte, war allerdings eine auffällige Kette an Peinlichkeiten: Stalingrad (1993), Der Untergang (2004), Dresden (2006), Die Flucht und Die Gustloff (beide 2007), um nur einmal jene zu nennen, die vor Kriegsende handeln, und es folgen offenbar weitere. Ja, ich nenne auch den vielgelobten Untergang eine filmische Peinlichkeit, nämlich wegen offenkundig einseitiger, verzerrender, verharmlosender Darstellung, alles Böse auf eine Handvoll bekannter und entmenschlichter Verbrecher in Uniformen projizierend. Der Tenor all dieser Produktionen ist: das Volk war eigentlich ganz anders, die Nazis waren eine kleine Clique, eigentlich hat das alles doch niemand gewollt, eigentlich war ein ganzes Volk doch Opfer und eigentlich waren "wir" doch gar nicht so schlimm. Und insbesondere in Dresden und Die Gustloff auch: die anderen haben uns das Leid gebracht! Mag sein, liebe Fernseh- und Filmemacher. Und dem über Jahrzehnte mit Musikantenstadl und Wetten dass? sturmreif geschossenen Fernsehpublikum ist anhand bewegter Bilder augenblicklich klar: das war damals so, und etwas anderes will und muss ich nicht wissen.
Aber es gehört eben zu den historischen Tatsachen, die auch durch Verschweigen oder jenes unsägliche Verkitschen nicht einfach verschwinden, dass das deutsche Volk in dieser Hinsicht eben durchaus zwei Aspekte hatte (und hat!) Ich will drum - und zwar der historischen Vollständigkeit halber - durchaus einmal das muntere Treiben einer SS-Kompanie im besetzten sowjetischen Hinterland in einer mehrteiligen ZDF-Eigenproduktion erleben dürfen, und zwar um 20:15. Das ist das deutsche Fernsehen seinen Zuschauern schuldig! Was ist so schwierig daran? Ja, Opa Fritz lebt noch, na und?
Es gab einmal - es ist lange her - ein paar deutsche Filme, die waren anders. Und man könnte, wenn man ein Kerl von Programmdirektor wäre, auch im ZDF noch einmal einen Film von
Mit den üblichen leeren Floskeln
T.M.
um
08:43:00
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